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und
Darum geht es eigentlich ...
Erster Beigeordneter Peter Söhngen

  • (C) S. 00000001 CHRISTEN CHRISTLICHE LEHREN BIBEL KATHOLISCH EVANGELISCH

    BIBEL HEILIGE SCHRIFT DER CHRISTEN ALTES TESTAMENT

    i.82.35-004010001   
    DATEI::/u/weber/aktenplan/00202uaa

  • Dies ist der Grund warum diese Texte bereitgestellt wurden !
  • Folgt nicht weiter den PHARISAEERN UND SCHRIFTGELEHRTEN !
    Gott ist groesser als eine einzelen Glaubengemeinschaft !
  • 
                              Die Schriften des Alten Testaments                   

    1:1 Die Bibel [griechisch b¡blos = Buch] oder die Heilige Schrift ist
    eine Sammlung von Büchern, die das Alte und Neue Testament umfaßt.
    Das Alte Testament wird von Juden und Christen als
    Offenbarungsurkunde betrachtet. Die Bücher des Alten Testament
    stammen von Verfassern, durch die Gott zu den Menschen spricht und
    durch die das Volk Israel seinen Glauben an die Heilstaten und
    Verheißungen Gottes bekennt. Juden und Christen glauben an die
    Inspiration (Eingebung) dieser Bücher durch den Geist Gottes. Das
    Verzeichnis der Bücher, die zur Heiligen Schrift gehören, nennt man
    Kanon [griechisch k non = Maßstab], weil sie den Maßstab für den
    Glauben darstellen. Jesus und seine Jünger übernahmen die Bücher der
    Heiligen Schrift, wie sie ihr Volk kannte und beriefen sich in ihrer
    Botschaft auf sie als auf das Wort Gottes.

    1:2 Die Juden Palästinas unterschieden drei Teile der Bibel: die fünf
    Bücher der Tora oder des Gesetzes (Genesis, Exodus, Levitikus,
    Numeri, Deuteronomium), die sie Mose zuschrieben; die Bücher der
    Propheten, die sie in die früheren (Josua, Richter, Samuel, Könige)
    und die späteren Propheten (Jesaja, Jeremia, Ezechiel und das Buch
    der zwölf kleinen Propheten) unterteilten; die (übrigen) Schriften
    (Psalmen, Ijob, Sprichwörter, Rut, Klagelieder, Hoheslied, Kohelet,
    Ester, Daniel, Esra-Nehemia und Chronik). Weil sie noch nicht die
    Zweiteilung der Bücher Samuel, Könige, Esra-Nehemia und Chronik
    kannten und die zwölf Kleinen Propheten noch in einem einzigen Buch
    zusammenfaßten, zählten sie insgesamt 24 Bücher der Heiligen Schrift
    erst in den christlichen Bibelausgaben teilte man die genannten
    Bücher auf, so daß dieser Kanon 39 Bücher umfaßt, die sogenannten
    protokanonischen Bücher [griechisch protos k non = erster Kanon].
    Dieser Kanon ist im Vorwort zur griechischen Sirach-Übersetzung
    vorausgesetzt und wurde um 100 n. Chr. vom Judentum allgemein
    anerkannt.

    1:3 Die griechisch sprechenden Juden der Diaspora in Ägypten lasen im
    Gottesdienst der Synagoge die Bibel in einer griechischen
    Übersetzung, der sogenannten Septuaginta(¯Siebzig®, weil angeblich
    von siebzig Übersetzern stammend). Diese griechische Übersetzung
    enthielt noch andere Bücher, die bei den Diasporajuden als heilige
    Schriften galten. Von ihnen übernahm die christliche Kirche die
    sieben sogenannten deuterokanonischen Bücher [griechisch d‚uteros
    k non = zweiter Kanon] in ihre Bibel: Tobit, Judit, 1 und 2
    Makkabäer, Baruch, Weisheit und Sirach, ferner zusätzliche Abschnitt
    in den Büchern Daniel und Ester.

    1:4 Demgegenüber legten die Führer der aramäisch sprechenden Juden
    Palästinas auf der sog. ¯Synode® von Jamnia [Jabne, um 100 n. Chr.]
    offiziell fest, welche Schriften kanonisch sind. Alle in griechische
    Sprache geschriebenen Bücher wurden grundsätzlich für nicht-kanonisc
    erklärt. In der hebräischen Bibel fehlen daher die sog.
    deuterokanonischen Bücher.

    1:5 In den christlichen Bibelausgaben wurden die Bücher neu geordnet
    und eingeteilt, und zwar in Geschichtsbücher, Lehrbücher und
    Prophetenbücher. Erst als die Schriften der Apostel und
    Apostelschüler ebenfalls kanonisches Ansehen gewonnen hatten und zur
    Heiligen Schrift gerechnet wurden (vgl. die Einleitung zum Neuen
    Testament), unterschieden die christliche Theologen zwischen dem
    Alten Testament und dem Neuen Testament, wobei ¯Testament®
    [lateinisch testamentum] die Bedeutung ¯Bund® [griechisch: diath‚ke;
    hebräisch: ber¡t] bekam.

    1:6 Das erste Kanonverzeichnis der Kirche, das alle Bücher der
    christlichen Bibel enthält, geht auf die Provinzialsynode von Hippo
    (393 n. Chr.) zurück. Es wurde von der lateinischen Kirche und von
    der Ostkirche übernommen und auf dem Konzil von Trient 1546
    bestätigt. Diesen Kanon setzt die lateinische Bibelübersetzung, die
    sogenannte Vulgata (= allgemein Verbreitete) voraus. Martin Luther
    griff für seine Übersetzung bewußt auf den hebräischen Text zurück
    und schied daher die deuterokanonischen Bücher wieder aus dem Kanon
    aus. Er übersetzte sie zwar und empfahl ihre Lektüre, rechnete sie
    aber nicht zur Heiligen Schrift. Seither bezeichnen die Kirchen der
    Reformation diese Bücher als Apokryphen, das heißt als der Bibel
    später zugefügte Schriften. Im Sprachgebrauch der katholischen
    Theologen dagegen sind Apokryphen andere Bücher, die zwar zeitweise
    in manchen jüdischen und christlichen Gemeinschaften zur Heiligen
    Schrift gerechnet und im Gottesdienst vorgelesen wurden, die aber
    weder die lateinische Kirche noch die Ostkirche in die Bibel aufnahm
    Diese Bücher nennen die Theologen der reformatorischen Kirchen
    Pseudepigraphen, das heißt fälschlich biblischen Personen
    zugeschriebene Bücher.

    1:7 Die protokanonischen Bücher sind in Hebräisch überliefert; nur
    einige Abschnitte haben einen aramäischen Urtext. Die
    deuterokanonischen Bücher sind nur in Griechisch erhalten geblieben.

    1:8 Die Leitsätzen für die interkonfessionelle Zusammenarbeit bei der
    Bibelübersetzung, die 1968 vom Weltbund der Bibelgesellschaften und
    dem Sekretariat für die Einheit der Christen beschlossen wurden,
    sehen vor, daß in ökumenischen Ausgaben die deuterokanonischen Büche
    enthalten sind. Für die Bibelausgaben der Bibelgesellschaften wird
    dabei auf die Möglichkeit verwiesen, die deuterokanonischen Teile von
    dem Neuen Testament abzudrucken.

    1:9 Die meisten Bücher des Alten Testaments sind in einem langen
    Überlieferungsprozeß entstanden. Gott hat zunächst zu den
    Patriarchen, zu Mose, zu den Propheten und anderen Gottesmännern
    gesprochen. Diese haben die Offenbarung teils mündlich, teils
    schriftlich weitergegeben. Die Lehrer Israels haben das so empfangen
    Wort Gottes betend durchdacht, erläutert und erweitert. Schließlich
    fanden sich Männer, die der so weitergegebenen Überlieferung jene
    endgültige schriftliche Form gaben, die Jesus und die Urkirche als
    Heilige Schrift anerkannten und der Kirche anvertrauten.

    Die fünf Bücher des Mose

    2:1 Die Bücher Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium
    bilden bei den Juden eine Einheit, die sie Tor  (Gesetz) nennen, weil
    sie das Gesetz enthalten, das Mose auf dem Sinai von Gott für Israel
    empfangen hat und das die Grundlage für den Bund zwischen Gott und
    Israel bildet. Wegen des großen Umfangs teilten schon die Juden die
    Tor  in fünf Bücher ein. Die fünf Buchrollen verwahrte man in den
    Synagogen in einem Behälter. Darum nannten bereits die Kirchenväter
    die Sammlung dieser fünf Buchrollen Pentateuch (Fünfrollenbehälter).
    Diese fünf Bücher wurden an den Sabbaten und Hochfesten in der
    Syagoge gelesen, und zwar fortlaufend in einer einjährigen oder
    dreijährigen Leseordnung. Die Lesung der Tor  ist bis heute
    wesentlicher Bestandteil des jüdischen Gottesdienstes.

    2:2 Nach jüdischer und christlicher Tradition hat Mose die Tor 
    geschrieben, um sein Volk die Heilsgeschichte von der Erschaffung der
    Welt bis zum Einzug Israels in das den Erzvätern verheißene Land zu
    lehren. In die Geschichtsdarstellung sind die Gesetzestexte
    aufgenommen, die die Juden als das Bundesgesetz vom Sinai verstehen.
    Die moderne Bibelwissenschaft hat an zeitgeschichtlichen und
    literarischen Unstimmigkeiten, an Unterschieden in den Gottesnamen,
    im Wortschatz, im Stil, an den verschiedenen ¯Theologien®, und an
    anderen Merkmalen festgestellt, daß der Pentateuch eine große, aus
    mehreren literarischen Schichten bestehende Sammlung von
    Überlieferungen ist, die in ihrem Kern bis auf die Zeit des Mose (13
    Jahrhundert v. Chr.) zurückgehen können.

    Das Buch Genesis

    E-1 Das erste der fünf Bücher Mose heißt in der griechischen und in
    der lateinischen Übersetzung Genesis (Entstehung), weil es von der
    Entstehung der Welt, der Menschheit und des Volkes Israel handelt.
    Die Juden nennen das Buch nach dem Anfangswort Bereschit (Im Anfang)
    Es gliedert sich in zwei Hauptteile: Urgeschichte (Kap. 1 - 11) und
    Patriarchengeschichte (Kap. 12-50). In der Patriarchengschichte
    unterscheidet man: die Geschichte der Erzväter (Kap. 12 - 36) und die
    Geschichte der Söhne Jakobs (Kap. 37 - 50).

    E-2 Die theologische Bedeutung des Buches liegt in seinen Aussagen
    über Gott als den Schöpfer der Welt und den Herrn der Geschichte.
    Wichtig ist dabei vor allem die Erschaffung der Welt durch Gottes
    Wort, die Gottebenbildlichkeit des Menschen, die Erzählung von
    Paradies und Sündenfall, von der Sintflut und dem Bund mit Noach, von
    der gnadenhaften Erwählung Abrahams und seiner Nachkommen als
    Segensmittler für die ganze Menschheit, von den Verheißungen an die
    Patriarchen. Alles Handeln Gottes in der Geschichte ist nach dieser
    Sicht letztlich auf das Heil des Menschen ausgerichtet.

    E-3 Das Buch Genesis verarbeitet älteste Überlieferungen Israels und
    seiner Nachbarvölker über die Urgeschichte der Menschheit und die
    Vorgeschichte Israels. Es wählt davon Ereignisse aus, die für die
    Menschheitsgeschichte charakteristisch sind, und zeigt an bet
    stimmten Personen, wie Gott die Menschen zum Heil beruft, wie die
    Menschen das Heilsangebot Gottes ausschlagen und sich damit selbst
    immer tiefer ins Unheil stürzen; es zeigt aber auch, wie Gott in
    Abraham und seinen Nachkommen dem Fluch den unverdienten Segen
    entgegensetzt, an dem alle Menschen Anteil erhalten sollen (Gen
    12,3).

    E-4 Die Erzählungen der Urgeschichte sind weder als
    naturwissenschaftliche Aussagen noch als Geschichtsdarstellung,
    sondern als Glaubensaussagen über das Wesen der Welt und des Menschen
    und über deren Beziehung zu Gott zu verstehen. Die Geschichte der
    Erzväter und der Söhne Jakobs sind zwar in Einzelheiten ebenfalls
    nicht historisch nachprüfbar, doch stimmen die politischen, sozialen
    rechtlichen, kulturellen und religiösen Zustände, die hier geshilder
    werden, weithin mit den Verhältnissen überein, wie sie die heutige
    Forschung für Palästina und seine Umwelt in der Zeit vor Mose, d. h.
    für die sog. Mittlere und Spätere Bronzezeit, erschlossen hat. Man
    darf die Geschichtsdarstellung des Buches Genesis nicht an der
    modernen Geschichtsschreibung messen, sondern man muß sie als antike
    Geschichtsschreibung und als theologische Geschichtsdeutung
    beurteilen. Der die Verfasser des Buches inspirierende Gott wollte
    uns nicht genaue Einzelheiten über die Entstehung der Welt und des
    Menschen mitteilen oder uns über den exakten Verlauf der
    Patriarchengeschichte unterrichten. Vielmehr wollte er an den
    erzählten Begebenheiten sein Heilsangebot und die typischen
    Reaktionen des Menschen darauf aufzeigen. Damit wollte der deutlich
    machen, daß er auch Sünder zu Trägern und Vermittlern von Segen und
    Heil erwählt.

    Die Anfänge: 1,1 - 11,9
    Die Erschaffung der Welt: 1,1 - 2,4a

    1:1 Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde;
    2,4b; Joh 1,1-3
    1-2,4a: Im Gegensatz zu Schöpfungsvorstellungen der Umwelt
    Israels, nach denen die Elemente des Kosmos Gottheiten sind und
    durch göttliche Zeugungen entstanden, lehrt hier die priesterliche
    Tradition Israels, daß alle Dinge, Pflanzen, Tiere und der Mensch
    durch Gottes Wort entstanden sind. Dabei setzt sie die antike
    Weltsicht voraus, stellt die Bewegungen und Veränderungen am
    gestirnten Himmel und auf der Erde so dar, wie sie sich dem
    Augenschein zeigen, und setzt voraus, daß Gott, von dem Israel die
    Siebentagewoche mit dem Sabbat als Ruhetag im Bundesgesetz erhalten
    hat, auch selbst sich bei der Erschaffung der Welt an das Schema der
    Siebentagewoche gehalten hat. Durch die Erschaffung des Menschen
    nach Gottes Ebenbild, das letzte Schöpfungswerk, wird der Mensch als
    Krone und Herr der Schöpfung herausgehoben.

    1:2 die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, und
    Gottes Geist schwebte über dem Wasser.

    1:3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.

    1:4 Gott sah, daß das Licht gut war. Gott schied das Licht von der
    Finsternis,

    1:5 und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht.
    Es wurde Abend, und es wurde Morgen: erster Tag.

    1:6 Dann sprach Gott: Ein Gewölbe entstehe mitten im Wasser und scheide
    Wasser von Wasser.
    Nach dem Weltbild seiner Zeit stellt sich der Verfasser das
    Firmament als eine Halbkugel aus festem Stoff vor, die das
    Chaoswasser so teilt, daß über ihr und unter ihr Wasser ist, wobei
    vom oberen Wasser durch Öffnungen im Firmament der Regen herabströmt

    1:7 Gott machte also das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des
    Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. So geschah es,

    1:8 und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend, und es wurde
    Morgen: zweiter Tag.

    1:9 Dann sprach Gott: Das Wasser unterhalb des Himmels sammle sich an
    einem Ort, damit das Trockene sichtbar werde. So geschah es.

    1:10 Das Trockene nannte Gott Land, und das angesammelte Wasser nannte er
    Meer. Gott sah, daß es gut war.

    1:11 Dann sprach Gott: Das Land lasse junges Grün wachsen, alle Arten von
    Pflanzen, die Samen tragen, und von Bäumen, die auf der Erde Früchte
    bringen mit ihrem Samen darin. So geschah es.

    1:12 Das Land brachte junges Grün hervor, alle Arten von Pflanzen, die
    Samen tragen, alle Arten von Bäumen, die Früchte bringen mit ihrem
    Samen darin. Gott sah, daß es gut war.

    1:13 Es wurde Abend, und es wurde Morgen: dritter Tag.

    1:14 Dann sprach Gott: Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag und
    Nacht zu scheiden. Sie sollen Zeichen sein und zur Bestimmung von
    Festzeiten, von Tagen und Jahren dienen;
    Ps 136,7-9

    1:15 sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein, die über die Erde hin
    leuchten. So geschah es.

    1:16 Gott machte die beiden großen Lichter, das größere, das über den Tag
    herrscht, das kleinere, das über die Nacht herrscht, auch die
    Sterne.

    1:17 Gott setzte die Lichter an das Himmelsgewölbe, damit sie über die
    Erde hin leuchten,

    1:18 über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis
    scheiden. Gott sah, daß es gut war.

    1:19 Es wurde Abend, und es wurde Morgen: vierter Tag.

    1:20 Dann sprach Gott: Das Wasser wimmle von lebendigen Wesen, und Vögel
    sollen über dem Land am Himmelsgewölbe dahinfliegen.

    1:21 Gott schuf alle Arten von großen Seetieren und anderen Lebewesen,
    von denen das Wasser wimmelt, und alle Arten von gefiederten Vögeln.
    Gott sah, daß es gut war.

    1:22 Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar, und vermehrt euch, und
    bevölkert das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich auf dem Land
    vermehren.

    1:23 Es wurde Abend, und es wurde Morgen: fünfter Tag.

    1:24 Dann sprach Gott: Das Land bringe alle Arten von lebendigen Wesen
    hervor, von Vieh, von Kriechtieren und von Tieren des Feldes. So
    geschah es.

    1:25 Gott machte alle Arten von Tieren des Feldes, alle Arten von Vieh
    und alle Arten von Kriechtieren auf dem Erdboden. Gott sah, daß es
    gut war.

    1:26 Dann sprach Gott: Laßt uns Menschen machen als unser Abbild, uns
    ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die
    Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle
    Kriechtiere auf dem Land.
    2,7; Ps 8,6-9; Eph 4,24; Kol 3,10

    1:27 Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes
    schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.
    5,1f

    1:28 Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar, und
    vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch, und herrscht
    über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle
    Tiere, die sich auf dem Land regen.

    1:29 Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der
    ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen
    Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
    9,3

    1:30 Allen Tieren des Feldes, allen Vögeln des Himmels und allem, was
    sich auf der Erde regt, was Lebensatem in sich hat, gebe ich alle
    grünen Pflanzen zur Nahrung. So geschah es.

    1:31 Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. Es wurde
    Abend, und es wurde Morgen: der sechste Tag.

    2:1 So wurden Himmel und Erde vollendet und ihr ganzes Gefüge.

    2:2 Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte,
    und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht
    hatte.
    Ex 20,8-11

    2:3 Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn
    an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet
    hatte.

    2:4 Das ist die Entstehungsgeschichte von Himmel und Erde, als sie
    erschaffen wurden.

    Das Paradies: 2,4b-25

    Zur Zeit, als Gott, der Herr, Erde und Himmel machte,
    1,1
    4b-24: Hier liegt eine ältere Schöpfungsdarstellung vor, in der der
    Schwerpunkt auf der Erschaffung des Menschen und seiner Lebensordnung
    (Ehe, Familie, mitmenschliche Gemeinschaft) liegt. Der Mensch scheint
    noch vor den Pflanzen und Tieren erschaffen zu sein und wird so als
    Haupt der Schöpfung herausgehoben. - Dadurch, daß der letzte
    Pentateuchüberarbeiter so verschiedene Schöpfungsdarstellungen
    miteinander verbindet, zeigt er, daß es ihm nicht auf die
    naturwissenschaftlichen Gegebenheiten, sondern auf die religiösen
    Aussagen der beiden Texte ankommt: Alles ist von Gott erschaffen; der
    Mensch ist nicht das Produkt der Natur, sondern der von Gott in die
    Welt gesetzte Partner Gottes; der Mensch ist auf Gemeinschaft hin
    erschaffen; der Mensch hat als Ebenbild Gottes Anteil an der
    Herrschaft Gottes über die Welt.

    2:5 gab es auf der Erde noch keine Feldsträucher und wuchsen noch keine
    Feldpflanzen; denn Gott, der Herr, hatte es auf die Erde noch nicht
    regnen lassen, und es gab noch keinen Menschen, der den Ackerboden
    bestellte;

    2:6 aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde auf und tränkte die ganze
    Fläche des Ackerbodens.
    Feuchtigkeit: in H ein Wort unbekannter Bedeutung.

    2:7 Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und
    blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem
    lebendigen Wesen.
    1,26f
    In H Wortspiel mit den Ausdrücken für Ackerboden (adam h) und
    Mensch (ad m).

    2:8 Dann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und
    setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte.

    2:9 Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen,
    verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des
    Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut
    und Böse.

    2:10 Ein Strom entspringt in Eden, der den Garten bewässert; dort teilt
    er sich und wird zu vier Hauptflüssen.

    2:11 Der eine heißt Pischon; er ist es, der das ganze Land Hawila
    umfließt, wo es Gold gibt.
    11-14: Die Flüsse Pischon und Gihon sowie das Land Hawila lassen
    sich geographisch nicht bestimmen. Kusch ist etwa der heutige Sudan
    mit Teilen Äthiopiens; Assur ist die alte Hauptstadt des
    Assyrerreichs.

    2:12 Das Gold jenes Landes ist gut; dort gibt es auch Bdelliumharz und
    Karneolsteine.
    Bdellium ist ein Harz zur Salbenherstellung.

    2:13 Der zweite Strom heißt Gihon; er ist es, der das ganze Land Kusch
    umfließt.

    2:14 Der dritte Strom heißt Tigris; er ist es, der östlich an Assur
    vorbeifließt. Der vierte Strom ist der Eufrat.

    2:15 Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten
    von Eden, damit er ihn bebaue und hüte.

    2:16 Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Bäumen des
    Gartens darfst du essen,

    2:17 doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen;
    denn sobald du davon ißt, wirst du sterben.

    2:18 Dann sprach Gott, der Herr: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein
    bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.

    2:19 Gott, der Herr, formte aus dem Ackerboden alle Tiere des Feldes und
    alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen zu, um zu sehen,
    wie er sie benennen würde. Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen
    benannte, so sollte es heißen.

    2:20 Der Mensch gab Namen allem Vieh, den Vögeln des Himmels und allen
    Tieren des Feldes. Aber eine Hilfe, die dem Menschen entsprach, fand
    er nicht.

    2:21 Da ließ Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen,
    so daß er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloß ihre
    Stelle mit Fleisch.
    21-23: Da sich Israel die Vielheit der Menschen nicht ohne eine
    gemeinsame Abstammung vorstellen kann, andererseits keinen
    doppelgeschlechtlichen Urmenschen kennt wie andere Völker, stellt man
    sich vor, die Frau sei irgendwie aus dem Mann entstanden. Bei der in
    Israel geläufigen Redensart ®ein Bein und ein Fleisch¯ für enge
    Verwandtschaft und Gemeinschaft - man kannte keine Verwandtschaft dem
    Blut nach - lag es nahe, an die Entstehung der Frau aus dem ®Bein und
    Fleisch¯ des Mannes zu denken. Nur Gott konnte die Frau auf diese
    Weise entstehen lassen.

    2:22 Gott, der Herr, baute aus der Rippe, die er vom Menschen genommen
    hatte, eine Frau und führte sie dem Menschen zu.

    2:23 Und der Mensch sprach: Das endlich ist Bein von meinem Bein und
    Fleisch von meinem Fleisch. Frau soll sie heißen; denn vom Mann ist
    sie genommen.
    denn . . .: Die Ausdrücke für Mann (isch) und Frau (isch h) sind
    im Hebräischen ähnlich.

    2:24 Darum verläßt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine
    Frau, und sie werden ein Fleisch.
    Mt 19,5; Mk 10,8; Eph 5,31; 1 Kor 6,16

    2:25 Beide, Adam und seine Frau, waren nackt, aber sie schämten sich
    nicht voreinander.

    Der Fall des Menschen: 3,1-24

    3:1 Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der
    Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich
    gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?
    Joh 8,44
    1-24: In einfacher und bildhafter Sprache und an Hand eines
    typischen Beispiels aus dem Alltag stellt der Erzähler die erste
    Sünde und ihre verhängnisvollen Folgen dar. Die Schlange ist Sinnbil
    für die gefährliche Macht des Bösen und für die Hinterhältigkeit. Der
    Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse sind
    Bilder für die nur Gott zukommenden Eigenschaften der Unsterblichkeit
    und des umfassenden Wissens, über die der Mensch nicht von sich aus
    verfügen kann, die Gott ihm aber unter Umständen aus Gnade schenkt.

    3:2 Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im
    Garten dürfen wir essen;
    Offb 12,9

    3:3 nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht,
    hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen, und daran dürft ihr
    nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.
    2,17

    3:4 Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben.

    3:5 Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon eßt, gehen euch die Augen auf;
    ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.

    3:6 Da sah die Frau, daß es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, daß
    der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie
    nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei
    ihr war, und auch er aß.
    Weish 2,23f; Sir 25,24

    3:7 Da gingen beiden die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt
    waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen
    Schurz.

    3:8 Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten
    hörten, versteckten sich Adam und seine Frau vor Gott, dem Herrn,
    unter den Bäumen des Gartens.

    3:9 Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du?

    3:10 Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich
    in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich.

    3:11 Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, daß du nackt bist? Hast du von
    dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe?

    3:12 Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir
    von dem Baum gegeben, und so habe ich gegessen.

    3:13 Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau
    antwortete: Die Schlange hat mich verführt, und so habe ich
    gegessen.

    3:14 Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist
    du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem
    Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens.

    3:15 Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen
    Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du
    triffst ihn an der Ferse.

    3:16 Zur Frau sprach er: Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger
    wirst. Unter Schmerzen gebierst du Kinder. Du hast Verlangen nach
    deinem Mann; er aber wird über dich herrschen.

    3:17 Zu Adam sprach er: Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum
    gegessen hast, von dem zu essen ich dir verboten hatte: So ist
    verflucht der Ackerboden deinetwegen. Unter Mühsal wirst du von ihm
    essen alle Tage deines Lebens.

    3:18 Dornen und Disteln läßt er dir wachsen, und die Pflanzen des Feldes
    mußt du essen.

    3:19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du
    zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Denn Staub
    bist du, zum Staub mußt du zurück.

    3:20 Adam nannte seine Frau Eva (Leben), denn sie wurde die Mutter aller
    Lebendigen.

    3:21 Gott, der Herr, machte Adam und seiner Frau Röcke aus Fellen und
    bekleidete sie damit.

    3:22 Dann sprach Gott, der Herr: Seht, der Mensch ist geworden wie wir;
    er erkennt Gut und Böse. Daß er jetzt nicht die Hand ausstreckt,
    auch vom Baum des Lebens nimmt, davon ißt und ewig lebt!

    3:23 Gott, der Herr, schickte ihn aus dem Garten von Eden weg, damit er
    den Ackerboden bestellte, von dem er genommen war.

    3:24 Er vertrieb den Menschen und stellte östlich des Gartens von Eden
    die Kerubim auf und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg
    zum Baum des Lebens bewachten.
    Eden ist ein symbolischer Ort großer Fruchtbarkeit, den man
    geographisch nicht festlegen kann. - Kerubim sind Engelgestalten.
    Übermenschliche Wesen und Feuer bewachen in den Urzeiterzählungen
    vieler Völker den Zugang zu verbotenen Orten.

    Kain und Abel: 4,1-16

    4:1 Adam erkannte Eva, seine Frau; sie wurde schwanger und gebar Kain.
    Da sagte sie: Ich habe einen Mann vom Herrn erworben.
    Die Worte Evas sind ein Wortspiel mit dem Namen Kain, der im
    Hebräischen an das Zeitwort für ®erwerben¯ (kan h) anklingt.

    4:2 Sie gebar ein zweites Mal, nämlich Abel, seinen Bruder. Abel wurde
    Schafhirt und Kain Ackerbauer.
    Abel bedeutet Windhauch, erinnert also an die Kürze und
    Hinfälligkeit des Lebens (vgl. Koh 1,2).

    4:3 Nach einiger Zeit brachte Kain dem Herrn ein Opfer von den Früchten
    des Feldes dar;

    4:4 auch Abel brachte eines dar von den Erstlingen seiner Herde und von
    ihrem Fett. Der Herr schaute auf Abel und sein Opfer,
    von ihrem Fett, andere Übersetzungsmöglichkeit: von ihren
    fettesten Tieren.

    4:5 aber auf Kain und sein Opfer schaute er nicht. Da überlief es Kain
    ganz heiß, und sein Blick senkte sich.

    4:6 Der Herr sprach zu Kain: Warum überläuft es dich heiß, und warum
    senkt sich dein Blick?

    4:7 Nicht wahr, wenn du recht tust, darfst du aufblicken; wenn du nicht
    recht tust, lauert an der Tür die Sünde als Dämon. Auf dich hat er
    es abgesehen, doch du werde Herr über ihn!
    als Dämon: sinngemäß ergänzt; in H steht trotz des weiblichen
    Wortes für Sünde eine männliche Zeitwortform, die an einen
    Unheilsdämon erinnert. Deswegen wird der ganze Satz mit männlichen
    Formen gebildet. Er will sagen: Nicht den Dämon des Mythus sollst du
    fürchten, sondern die Sünde, die der gefährlichste Dämon ist.

    4:8 Hierauf sagte Kain zu seinem Bruder Abel: Gehen wir aufs Feld! Als
    sie auf dem Feld waren, griff Kain seinen Bruder Abel an und
    erschlug ihn.
    Gehen wir aufs Feld!: nach den alten Übersetzungen ergänzt.

    4:9 Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er entgegnete:
    Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?

    4:10 Der Herr sprach: Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit
    zu mir vom Ackerboden.

    4:11 So bist du verflucht, verbannt vom Ackerboden, der seinen Mund
    aufgesperrt hat, um aus deiner Hand das Blut deines Bruders
    aufzunehmen.

    4:12 Wenn du den Ackerboden bestellst, wird er dir keinen Ertrag mehr
    bringen. Rastlos und ruhelos wirst du auf der Erde sein.

    4:13 Kain antwortete dem Herrn: Zu groß ist meine Schuld, als daß ich sie
    tragen könnte.

    4:14 Du hast mich heute vom Ackerland verjagt, und ich muß mich vor
    deinem Angesicht verbergen; rastlos und ruhelos werde ich auf der
    Erde sein, und wer mich findet, wird mich erschlagen.

    4:15 Der Herr aber sprach zu ihm: Darum soll jeder, der Kain erschlägt,
    siebenfacher Rache verfallen. Darauf machte der Herr dem Kain ein
    Zeichen, damit ihn keiner erschlage, der ihn finde.

    4:16 Dann ging Kain vom Herrn weg und ließ sich im Land Nod nieder,
    östlich von Eden.
    Wortspiel mit Nod und dem Wort für ®ruhelos¯ (nad).

    Die Nachkommen Kains: 4,17-24

    4:17 Kain erkannte seine Frau; sie wurde schwanger und gebar Henoch. Kain
    wurde Gründer einer Stadt und benannte sie nach seinem Sohn Henoch.
    Zur Frau Kains und zur Stadtgründung, die viele andere Menschen
    voraussetzt, ist zu bedenken, daß die Erzählungen von Gen in vielen
    Namen handelnder Personen Typen für Menschengruppen (Völker,
    Berufsgruppen, Einwohner von Städten) sehen und daß ®zeugen¯ und
    ®Sohn¯ nicht immer die natürliche Abstammung, sondern auch die
    Verwandtschaft über mehrere Generationen hinweg zum Ausdruck bringt.

    4:18 Dem Henoch wurde Irad geboren; Irad zeugte Mehuja‰l, Mehuja‰l zeugte
    Metuscha‰l, und Metuscha‰l zeugte Lamech.

    4:19 Lamech nahm sich zwei Frauen; die eine hieß Ada, die andere Zilla.

    4:20 Ada gebar Jabal; er wurde der Stammvater derer, die in Zelten und
    beim Vieh wohnen.

    4:21 Sein Bruder hieß Jubal; er wurde der Stammvater aller Zither- und
    Flötenspieler.

    4:22 Auch Zilla gebar, und zwar Tubal-Kajin, der die Geräte aller Erz-
    und Eisenhandwerker schmiedete. Die Schwester Tubal-Kajins war
    Naama.

    4:23 Lamech sagte zu seinen Frauen: Ada und Zilla, hört auf meine Stimme,
    ihr Frauen Lamechs, lauscht meiner Rede! Ja, einen Mann erschlage
    ich für eine Wunde und einen Knaben für eine Strieme.

    4:24 Wird Kain siebenfach gerächt, dann Lamech siebenundsiebzigfach.

    Die Nachkommen Sets: 4,25 - 5,32

    4:25 Adam erkannte noch einmal seine Frau. Sie gebar einen Sohn und
    nannte ihn Set (Setzling); denn sie sagte: Gott setzte mir anderen
    Nachwuchs ein für Abel, weil ihn Kain erschlug.
    Bis hierher war es im einzelnen fraglich, ob man adam mit ®Mensch¯
    übersetzen oder es als Eigenname Adam wiedergeben soll. Erst von hier
    ab ist Adam sicher Eigenname. - Die Worte Evas erklären sich als
    Wortspiel mit dem Namen Set, der an das hebräische Zeitwort schat
    (einsetzen) erinnert.

    4:26 Auch dem Set wurde ein Sohn geboren, und er nannte ihn Enosch.
    Damals begann man den Namen des Herrn anzurufen.
    Auch der Name Enosch bedeutet ®Mensch¯. - Hier und an den meisten
    Stellen, wo in dieser Übersetzung ®der Herr¯ für Gott steht,
    gebraucht H den Eigennamen Jahwe. Die Übersetzer folgen der Traditio
    der Juden und Christen, den Eigennamen Jahwe, den die Juden wegen Ex
    20,7 = Dtn 5,11 nicht auszusprechen wagten, mit ®der Herr¯ zu
    umschreiben. Nur wo es unumgänglich schien, wurde der Eigenname
    belassen (vgl. Ex 3,15).

    5:1 Das ist die Liste der Geschlechterfolge nach Adam: Am Tag, da Gott
    den Menschen erschuf, machte er ihn Gott ähnlich.
    (1f) 1,26f
    1-32: Zu den Angaben über das hohe Lebensalter der Urväter ist zu
    bedenken, daß sie nur in der jüngsten Pentateuchschicht stehen; dies
    arbeitet gern mit symbolischen Zahlenwerten, die wir heute nicht mehr
    durchschauen. Die babylonischen Listen der Urkönige kennen noch viel
    höhere Lebensjahre bzw. Regierungszeiten.

    5:2 Als Mann und Frau erschuf er sie, er segnete sie und nannte sie
    Mensch an dem Tag, da sie erschaffen wurden.

    5:3 Adam war hundertdreißig Jahre alt, da zeugte er einen Sohn, der ihm
    ähnlich war, wie sein Abbild, und nannte ihn Set.
    1,26f

    5:4 Nach der Geburt Sets lebte Adam noch achthundert Jahre und zeugte
    Söhne und Töchter.

    5:5 Die gesamte Lebenszeit Adams betrug neunhundertdreißig Jahre, dann
    starb er.

    5:6 Set war hundertfünf Jahre alt, da zeugte er Enosch.

    5:7 Nach der Geburt des Enosch lebte Set noch achthundertsieben Jahre
    und zeugte Söhne und Töchter.

    5:8 Die gesamte Lebenszeit Sets betrug neunhundertzwölf Jahre, dann
    starb er.

    5:9 Enosch war neunzig Jahre alt, da zeugte er Kenan.

    5:10 Nach der Geburt Kenans lebte Enosch noch achthundertfünfzehn Jahre
    und zeugte Söhne und Töchter.

    5:11 Die gesamte Lebenszeit des Enosch betrug neunhundertfünf Jahre, dann
    starb er.

    5:12 Kenan war siebzig Jahre alt, da zeugte er Mahalalel.

    5:13 Nach der Geburt Mahalalels lebte Kenan noch achthundertvierzig Jahre
    und zeugte Söhne und Töchter.

    5:14 Die gesamte Lebenszeit Kenans betrug neunhundertzehn Jahre, dann
    starb er.

    5:15 Mahalalel war fünfundsechzig Jahre alt, da zeugte er Jered.

    5:16 Nach der Geburt Jereds lebte Mahalalel noch achthundertdreißig Jahre
    und zeugte Söhne und Töchter.

    5:17 Die gesamte Lebenszeit Mahalalels betrug achthundertfünfundneunzig
    Jahre, dann starb er.

    5:18 Jered war hundertzweiundsechzig Jahre alt, da zeugte er Henoch.

    5:19 Nach der Geburt Henochs lebte Jered noch achthundert Jahre und
    zeugte Söhne und Töchter.

    5:20 Die gesamte Lebenszeit Jereds betrug neunhundertzweiundsechzig
    Jahre, dann starb er.

    5:21 Henoch war fünfundsechzig Jahre alt, da zeugte er Metuschelach.

    5:22 Nach der Geburt Metuschelachs ging Henoch seinen Weg mit Gott noch
    dreihundert Jahre lang und zeugte Söhne und Töchter.

    5:23 Die gesamte Lebenszeit Henochs betrug dreihundertfünfundsechzig
    Jahre.

    5:24 Henoch war seinen Weg mit Gott gegangen, dann war er nicht mehr da;
    denn Gott hatte ihn aufgenommen.

    5:25 Metuschelach war hundertsiebenundachtzig Jahre alt, da zeugte er
    Lamech.

    5:26 Nach der Geburt Lamechs lebte Metuschelach noch
    siebenhundertzweiundachtzig Jahre und zeugte Söhne und Töchter.

    5:27 Die gesamte Lebenszeit Metuschelachs betrug
    neunhundertneunundsechzig Jahre, dann starb er.

    5:28 Lamech war hundertzweiundachtzig Jahre alt, da zeugte er einen Sohn

    5:29 und nannte ihn Noach (Ruhe). Dabei sagte er: Er wird uns aufatmen
    lassen von unserer Arbeit und von der Mühe unserer Hände um den
    Ackerboden, den der Herr verflucht hat.
    3,17
    Wortspiel mit dem Namen Noach und den Zeitwörtern für ®ruhen¯
    (n£ach) und ®trösten¯ (nih m).

    5:30 Nach der Geburt Noachs lebte Lamech noch fünfhundertfünfundneunzig
    Jahre und zeugte Söhne und Töchter.

    5:31 Die gesamte Lebenszeit Lamechs betrug siebenhundertsiebenundsiebzig
    Jahre, dann starb er.

    5:32 Noach zeugte im Alter von fünfhundert Jahren Sem, Ham und Jafet.

    Noach und die Sintflut: 6,1 - 9,29
    Die Bosheit der Menschen: 6,1-8

    6:1 Als sich die Menschen über die Erde hin zu vermehren begannen und
    ihnen Töchter geboren wurden,
    1-4: Der letzte Überarbeiter des Pentateuch fügt hier eine alte
    Tradition über die Entstehung der Riesen ein. Ursprünglich waren die
    ®Gottessöhne¯ als überirdische Wesen gedacht, die nach den Sagen
    vieler Völker mit menschlichen Frauen verkehrten und so die Riesen
    oder die Helden der Vorzeit zeugten. Im heutigen Zusammenhang, für
    den die alte Erzählung stark gekürzt wurde, werden die Gottessöhne
    entweder als Engel gedeutet (vgl. Ijob 1,6; 2,1; 38,7; Dan 3,92), die
    aus ihrer Ordnung gefallen sind, oder als die Nachkommen Sets, die
    als fromm galten und darum als ®Gottessöhne¯ bezeichnet werden
    konnten, aber nun Ehen mit den weiblichen Nachkommen Kains eingingen
    mit den ®Menschentöchtern¯, so daß die Laster der Kainiten auch auf
    die Setiten übergriffen. Der Bearbeiter greift diese Tradition auf,
    um das auffällige Absinken des Lebensalters der Urväter vor der Flut
    auf das viel niedrigere Lebensalter nach der Flut zu erklären.

    6:2 sahen die Gottessöhne, wie schön die Menschentöchter waren, und sie
    nahmen sich von ihnen Frauen, wie es ihnen gefiel.

    6:3 Da sprach der Herr: Mein Geist soll nicht für immer im Menschen
    bleiben, weil er auch Fleisch ist; daher soll seine Lebenszeit
    hundertzwanzig Jahre betragen.

    6:4 In jenen Tagen gab es auf der Erde die Riesen, und auch später noch,
    nachdem sich die Gottessöhne mit den Menschentöchtern eingelassen
    und diese ihnen Kinder geboren hatten. Das sind die Helden der
    Vorzeit, die berühmten Männer.

    6:5 Der Herr sah, daß auf der Erde die Schlechtigkeit des Menschen
    zunahm und daß alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur
    böse war.
    8,21
    5-9,29: In der Sintfluterzählung werden alte Traditionen und
    wahrscheinlich bereits zwei schriftliche Quellen verarbeitet, um die
    verhängnisvollen Folgen der Sünde zu veranschaulichen. Sintflutsagen
    finden sich bei vielen Völkern; am nächsten stehen der Bibel
    babylonische Sintfluterzählungen, die sich aber durch das mythische
    Beiwerk und durch das Schweigen von einer Schuld des Menschen
    wesentlich unterscheiden.

    6:6 Da reute es den Herrn, auf der Erde den Menschen gemacht zu haben,
    und es tat seinem Herzen weh.

    6:7 Der Herr sagte: Ich will den Menschen, den ich erschaffen habe, vom
    Erdboden vertilgen, mit ihm auch das Vieh, die Kriechtiere und die
    Vögel des Himmels, denn es reut mich, sie gemacht zu haben.

    6:8 Nur Noach fand Gnade in den Augen des Herrn.

    Gottes Sorge um Noach: 6,9 - 7,16

    6:9 Das ist die Geschlechterfolge nach Noach: Noach war ein gerechter,
    untadeliger Mann unter seinen Zeitgenossen; er ging seinen Weg mit
    Gott.

    6:10 Noach zeugte drei Söhne, Sem, Ham und Jafet.

    6:11 Die Erde aber war in Gottes Augen verdorben, sie war voller
    Gewalttat.

    6:12 Gott sah sich die Erde an: Sie war verdorben; denn alle Wesen aus
    Fleisch auf der Erde lebten verdorben.

    6:13 Da sprach Gott zu Noach: Ich sehe, das Ende aller Wesen aus Fleisch
    ist da; denn durch sie ist die Erde voller Gewalttat. Nun will ich
    sie zugleich mit der Erde verderben.
    durch sie: durch die Menschen, die mit den ®Wesen aus Fleisch¯
    neben den Tieren vor allem gemeint sind.

    6:14 Mach dir eine Arche aus Zypressenholz! Statte sie mit Kammern aus,
    und dichte sie innen und außen mit Pech ab!

    6:15 So sollst du die Arche bauen: Dreihundert Ellen lang, fünfzig Ellen
    breit und dreißig Ellen hoch soll sie sein.

    6:16 Mach der Arche ein Dach, und hebe es genau um eine Elle nach oben
    an! Den Eingang der Arche bring an der Seite an! Richte ein unteres,
    ein zweites und ein drittes Stockwerk ein!
    hebe es an: H unklar; vielleicht ist gemeint: Das Dach soll in der
    Mitte eine Elle höher sein als an den Seiten, damit das Wasser
    abfließen kann.

    6:17 Ich will nämlich die Flut über die Erde bringen, um alle Wesen aus
    Fleisch unter dem Himmel, alles, was Lebensgeist in sich hat, zu
    verderben. Alles auf Erden soll verenden.

    6:18 Mit dir aber schließe ich meinen Bund. Geh in die Arche, du, deine
    Söhne, deine Frau und die Frauen deiner Söhne!

    6:19 Von allem, was lebt, von allen Wesen aus Fleisch, führe je zwei in
    die Arche, damit sie mit dir am Leben bleiben; je ein Männchen und
    ein Weibchen sollen es sein.

    6:20 Von allen Arten der Vögel, von allen Arten des Viehs, von allen
    Arten der Kriechtiere auf dem Erdboden sollen je zwei zu dir kommen,
    damit sie am Leben bleiben.

    6:21 Nimm dir von allem Eßbaren mit, und leg dir einen Vorrat an! Dir und
    ihnen soll es zur Nahrung dienen.

    6:22 Noach tat alles genau so, wie ihm Gott aufgetragen hatte.

    7:1 Darauf sprach der Herr zu Noach: Geh in die Arche, du und dein
    ganzes Haus, denn ich habe gesehen, daß du unter deinen Zeitgenossen
    vor mir gerecht bist.

    7:2 Von allen reinen Tieren nimm dir je sieben Paare mit, und von allen
    unreinen Tieren je ein Paar,

    7:3 auch von den Vögeln des Himmels je sieben Männchen und Weibchen, um
    Nachwuchs auf der ganzen Erde am Leben zu erhalten.

    7:4 Denn noch sieben Tage dauert es, dann lasse ich es vierzig Tage und
    vierzig Nächte lang auf die Erde regnen und tilge vom Erdboden alle
    Wesen, die ich gemacht habe.

    7:5 Noach tat alles, was ihm der Herr aufgetragen hatte.

    7:6 Noach war sechshundert Jahre alt, als die Flut über die Erde kam.

    7:7 Noach ging also mit seinen Söhnen, seiner Frau und den Frauen seiner
    Söhne in die Arche, bevor das Wasser der Flut kam.

    7:8 Von den reinen und unreinen Tieren, von den Vögeln und allem, was
    sich auf dem Erdboden regt,

    7:9 kamen immer zwei zu Noach in die Arche, Männchen und Weibchen, wie
    Gott dem Noach aufgetragen hatte.

    7:10 Als die sieben Tage vorbei waren, kam das Wasser der Flut über die
    Erde,

    7:11 im sechshundertsten Lebensjahr Noachs, am siebzehnten Tag des
    zweiten Monats. An diesem Tag brachen alle Quellen der gewaltigen
    Urflut auf, und die Schleusen des Himmels öffneten sich.

    7:12 Der Regen ergoß sich vierzig Tage und vierzig Nächte lang auf die
    Erde.

    7:13 Genau an jenem Tag waren Noach, die Söhne Noachs, Sem, Ham und
    Jafet, Noachs Frau und mit ihnen die drei Frauen seiner Söhne in die
    Arche gegangen,

    7:14 sie und alle Arten der Tiere, alle Arten des Viehs und alle Arten
    der Kriechtiere, die sich auf der Erde regen, und alle Arten der
    Vögel, des fliegenden Getiers.

    7:15 Sie waren zu Noach in die Arche gekommen, immer zwei von allen Wesen
    aus Fleisch, in denen Lebensgeist ist.

    7:16 Von allen Tieren waren Männchen und Weibchen gekommen, wie Gott ihm
    aufgetragen hatte. Dann schloß der Herr hinter ihm zu.

    Die große Flut: 7,17 - 8,22

    7:17 Die Flut auf der Erde dauerte vierzig Tage. Das Wasser stieg und hob
    die Arche immer höher über die Erde.

    7:18 Das Wasser schwoll an und stieg immer mehr auf der Erde, die Arche
    aber trieb auf dem Wasser dahin.

    7:19 Das Wasser war auf der Erde gewaltig angeschwollen und bedeckte alle
    hohen Berge, die es unter dem ganzen Himmel gibt.

    7:20 Das Wasser war fünfzehn Ellen über die Berge hinaus angeschwollen
    und hatte sie zugedeckt.

    7:21 Da verendeten alle Wesen aus Fleisch, die sich auf der Erde geregt
    hatten, Vögel, Vieh und sonstige Tiere, alles, wovon die Erde
    gewimmelt hatte, und auch alle Menschen.

    7:22 Alles, was auf der Erde durch die Nase Lebensgeist atmete, kam um.

    7:23 Gott vertilgte also alle Wesen auf dem Erdboden, Menschen, Vieh,
    Kriechtiere und die Vögel des Himmels; sie alle wurden vom Erdboden
    vertilgt. Übrig blieb nur Noach und was mit ihm in der Arche war.

    7:24 Das Wasser aber schwoll hundertfünfzig Tage lang auf der Erde an.

    8:1 Da dachte Gott an Noach und an alle Tiere und an alles Vieh, das bei
    ihm in der Arche war. Gott ließ einen Wind über die Erde wehen, und
    das Wasser sank.

    8:2 Die Quellen der Urflut und die Schleusen des Himmels schlossen sich;
    der Regen vom Himmel ließ nach,

    8:3 und das Wasser verlief sich allmählich von der Erde. So nahm das
    Wasser nach hundertfünfzig Tagen ab.

    8:4 Am siebzehnten Tag des siebten Monats setzte die Arche im Gebirge
    Ararat auf.

    8:5 Das Wasser nahm immer mehr ab, bis zum zehnten Monat. Am ersten Tag
    des zehnten Monats wurden die Berggipfel sichtbar.

    8:6 Nach vierzig Tagen öffnete Noach das Fenster der Arche, das er
    gemacht hatte,

    8:7 und ließ einen Raben hinaus. Der flog aus und ein, bis das Wasser
    auf der Erde vertrocknet war.

    8:8 Dann ließ er eine Taube hinaus, um zu sehen, ob das Wasser auf der
    Erde abgenommen habe.

    8:9 Die Taube fand keinen Halt für ihre Füße und kehrte zu ihm in die
    Arche zurück, weil über der ganzen Erde noch Wasser stand. Er
    streckte seine Hand aus und nahm die Taube wieder zu sich in die
    Arche.

    8:10 Dann wartete er noch weitere sieben Tage und ließ wieder die Taube
    aus der Arche.

    8:11 Gegen Abend kam die Taube zu ihm zurück, und siehe da: In ihrem
    Schnabel hatte sie einen frischen Olivenzweig. Jetzt wußte Noach,
    daß nur noch wenig Wasser auf der Erde stand.

    8:12 Er wartete weitere sieben Tage und ließ die Taube noch einmal
    hinaus. Nun kehrte sie nicht mehr zu ihm zurück.

    8:13 Im sechshundertersten Jahr Noachs, am ersten Tag des ersten Monats,
    hatte sich das Wasser verlaufen. Da entfernte Noach das Verdeck der
    Arche, blickte hinaus, und siehe: Die Erdoberfläche war trocken.
    7,11

    8:14 Am siebenundzwanzigsten Tag des zweiten Monats war die Erde trocken.

    8:15 Da sprach Gott zu Noach:

    8:16 Komm heraus aus der Arche, du, deine Frau, deine Söhne und die
    Frauen deiner Söhne!

    8:17 Bring mit dir alle Tiere heraus, alle Wesen aus Fleisch, die Vögel,
    das Vieh und alle Kriechtiere, die sich auf der Erde regen. Auf der
    Erde soll es von ihnen wimmeln; sie sollen fruchtbar sein und sich
    auf der Erde vermehren.
    1,22.28

    8:18 Da kam Noach heraus, er, seine Söhne, seine Frau und die Frauen
    seiner Söhne.

    8:19 Auch alle Tiere kamen, nach Gattungen geordnet, aus der Arche, die
    Kriechtiere, die Vögel, alles, was sich auf der Erde regt.

    8:20 Dann baute Noach dem Herrn einen Altar, nahm von allen reinen Tieren
    und von allen reinen Vögeln und brachte auf dem Altar Brandopfer
    dar.

    8:21 Der Herr roch den beruhigenden Duft, und der Herr sprach bei sich:
    Ich will die Erde wegen des Menschen nicht noch einmal verfluchen;
    denn das Trachten des Menschen ist böse von Jugend an. Ich will
    künftig nicht mehr alles Lebendige vernichten, wie ich es getan
    habe.
    6,5
    Der ®beruhigende Duft¯ ist der Duft der Opfer, der den Zorn Gottes
    besänftigt; der Ausdruck stammt aus der formelhaften Sprache der
    Opferritualien (vgl. Ex 29,18.25.41; Lev 1,9.13.17).

    8:22 So lange die Erde besteht, sollen nicht aufhören Aussaat und Ernte,
    Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

    Gottes Bund mit Noach: 9,1-17

    9:1 Dann segnete Gott Noach und seine Söhne und sprach zu ihnen: Seid
    fruchtbar, vermehrt euch, und bevölkert die Erde!
    1,28; 9,7

    9:2 Furcht und Schrecken vor euch soll sich auf alle Tiere der Erde
    legen, auf alle Vögel des Himmels, auf alles, was sich auf der Erde
    regt, und auf alle Fische des Meeres; euch sind sie übergeben.

    9:3 Alles Lebendige, das sich regt, soll euch zur Nahrung dienen. Alles
    übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen.
    1,29

    9:4 Nur Fleisch, in dem noch Blut ist, dürft ihr nicht essen.

    9:5 Wenn aber euer Blut vergossen wird, fordere ich Rechenschaft, und
    zwar für das Blut eines jeden von euch. Von jedem Tier fordere ich
    Rechenschaft und vom Menschen. Für das Leben des Menschen fordere
    ich Rechenschaft von jedem seiner Brüder.

    9:6 Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut wird durch Menschen
    vergossen. Denn: Als Abbild Gottes hat er den Menschen gemacht.
    1,26-28

    9:7 Seid fruchtbar, und vermehrt euch; bevölkert die Erde, und vermehrt
    euch auf ihr!
    9,1

    9:8 Dann sprach Gott zu Noach und seinen Söhnen, die bei ihm waren:

    9:9 Hiermit schließe ich meinen Bund mit euch und mit euren Nachkommen

    9:10 und mit allen Lebewesen bei euch, mit den Vögeln, dem Vieh und allen
    Tieren des Feldes, mit allen Tieren der Erde, die mit euch aus der
    Arche gekommen sind.

    9:11 Ich habe meinen Bund mit euch geschlossen: Nie wieder sollen alle
    Wesen aus Fleisch vom Wasser der Flut ausgerottet werden; nie wieder
    soll eine Flut kommen und die Erde verderben.

    9:12 Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte
    zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle
    kommenden Generationen:

    9:13 Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Bundeszeichen sein
    zwischen mir und der Erde.

    9:14 Balle ich Wolken über der Erde zusammen und erscheint der Bogen in
    den Wolken,

    9:15 dann gedenke ich des Bundes, der besteht zwischen mir und euch und
    allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch, und das Wasser wird nie
    wieder zur Flut werden, die alle Wesen aus Fleisch vernichtet.

    9:16 Steht der Bogen in den Wolken, so werde ich auf ihn sehen und des
    ewigen Bundes gedenken zwischen Gott und allen lebenden Wesen, allen
    Wesen aus Fleisch auf der Erde.

    9:17 Und Gott sprach zu Noach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich
    zwischen mir und allen Wesen aus Fleisch auf der Erde geschlossen
    habe.

    Noachs Fluch und Segen: 9,18-29

    9:18 Die Söhne Noachs, die aus der Arche gekommen waren, sind Sem, Ham
    und Jafet. Ham ist der Vater Kanaans.

    9:19 Diese drei sind die Söhne Noachs; von ihnen stammen alle Völker der
    Erde ab.

    9:20 Noach wurde der erste Ackerbauer und pflanzte einen Weinberg.

    9:21 Er trank von dem Wein, wurde davon betrunken und lag entblößt in
    seinem Zelt.

    9:22 Ham, der Vater Kanaans, sah die Blöße seines Vaters und erzählte
    davon draußen seinen Brüdern.

    9:23 Da nahmen Sem und Jafet einen Überwurf; den legten sich beide auf
    die Schultern, gingen rückwärts und bedeckten die Blöße ihres
    Vaters. Sie hatten ihr Gesicht abgewandt und konnten die Blöße des
    Vaters nicht sehen.

    9:24 Als Noach aus seinem Rausch erwachte und erfuhr, was ihm sein
    zweiter Sohn angetan hatte,

    9:25 sagte er: Verflucht sei Kanaan. Der niedrigste Knecht sei er seinen
    Brüdern.

    9:26 Und weiter sagte er: Gepriesen sei der Herr, der Gott Sems, Kanaan
    aber sei sein Knecht.

    9:27 Raum schaffe Gott für Jafet. In Sems Zelten wohne er, Kanaan aber
    sei sein Knecht.
    Wortspiel mit dem Namen Jafet und dem ähnlich klingenden Zeitwort
    ®er schaffe Raum¯ (jaft).

    9:28 Noach lebte nach der Flut noch dreihundertfünfzig Jahre.

    9:29 Die gesamte Lebenszeit Noachs betrug neunhundertfünfzig Jahre, dann
    starb er.

    Die Nachkommen Noachs - Völkertafel: 10,1-32

    10:1 Das ist die Geschlechterfolge nach den Söhnen Noachs, Sem, Ham und
    Jafet. Ihnen wurden nach der Flut Söhne geboren.

    10:2 Die Söhne Jafets sind Gomer, Magog, Madai, Jawan, Tubal, Meschech
    und Tiras.

    10:3 Die Söhne Gomers sind Aschkenas, Rifat und Togarma.

    10:4 Die Söhne Jawans sind Elischa, Tarschisch, die Kittäer und die
    Rodaniter.
    In H steht Dodaniter; wahrscheinlich ist aber Rodaniter zu lesen
    wie in 1 Chr 1,7. Die hebräischen Buchstaben d und r sind einander
    sehr ähnlich und konnten leicht verwechselt werden.

    10:5 Von ihnen zweigten sich die Inselvölker in ihren verschiedenen
    Ländern ab, jedes nach seiner Sprache und seinen Sippenverbänden in
    ihren Völkerschaften.

    10:6 Die Söhne Hams sind Kusch, Ägypten, Put und Kanaan.
    Eine Eigenart solcher alter Listen ist es, daß darin Städte und
    Länder wie Personen angeführt werden. Nach hebräischer Denkweise
    haben auch Städte und Länder einen Stammvater (vgl. die Anmerkung zu
    4,17).

    10:7 Die Söhne von Kusch sind Seba, Hawila, Sabta, Ragma und Sabtecha,
    und die Söhne Ragmas sind Saba und Dedan.

    10:8 Kusch zeugte Nimrod; dieser wurde der erste Held auf der Erde.

    10:9 Er war ein tüchtiger Jäger vor dem Herrn. Deshalb pflegt man zu
    sagen: Ein tüchtiger Jäger vor dem Herrn wie Nimrod.

    10:10 Kerngebiet seines Reiches war Babel, Erech, Akkad und Kalne im Land
    Schinar.

    10:11 Von diesem Land zog er nach Assur aus und erbaute Ninive,
    Rehobot-Ir, Kelach

    10:12 sowie Resen, zwischen Ninive und Kelach, das ist die große Stadt.

    10:13 Ägypten zeugte die Luditer, die Anamiter, die Lehabiter, die
    Naftuhiter,

    10:14 die Patrositer und die Kasluhiter, von denen die Philister
    abstammen, ferner die Kaftoriter.

    10:15 Kanaan zeugte Sidon, seinen Erstgeborenen, und Het,

    10:16 ferner die Jebusiter, die Amoriter, die Girgaschiter,

    10:17 die Hiwiter, die Arkiter, die Siniter,

    10:18 die Arwaditer, die Zemariter und die Hamatiter. Später spalteten
    sich die Sippenverbände der Kanaaniter.

    10:19 Das Gebiet der Kanaaniter reichte von Sidon, wenn man über Gerar
    kommt, bis Gaza, wenn man über Sodom, Gomorra, Adma und Zebojim
    kommt, bis Lescha.

    10:20 Das waren die Söhne Hams nach ihren Sippenverbänden, nach ihren
    Sprachen in ihren Ländern und Völkerschaften.

    10:21 Auch Sem wurden Kinder geboren. Er ist der Stammvater aller Söhne
    Ebers, der ältere Bruder Jafets.
    Die ®Söhne Ebers¯ sind die Hebräer (hebr.: ibr¡m).

    10:22 Die Söhne Sems sind Elam, Assur, Arpachschad, Lud und Aram.

    10:23 Die Söhne Arams sind Uz, Hul, Geter und Masch.

    10:24 Arpachschad zeugte Schelach, Schelach zeugte Eber.

    10:25 Dem Eber wurden zwei Söhne geboren; der eine hieß Peleg (Teilung),
    denn zu seiner Zeit wurde das Land geteilt, und sein Bruder hieß
    Joktan.

    10:26 Joktan zeugte Almodad, Schelef, Hazarmawet, Jerach,

    10:27 Hadoram, Usal, Dikla,

    10:28 Obal, Abima‰l, Scheba,

    10:29 Ofir, Hawila und Jobab. Das alles sind Söhne Joktans.

    10:30 Ihr Siedlungsgebiet reichte von Mescha, wenn man über Sefar kommt,
    bis ans Ostgebirge.

    10:31 Das waren die Söhne Sems nach ihren Sippenverbänden, nach ihren
    Sprachen in ihren Ländern, nach ihren Völkern.

    10:32 Das waren die Sippenverbände der Söhne Noachs nach ihrer
    Geschlechterfolge in ihren Völkern. Von ihnen zweigten sich nach der
    Flut die Völker der Erde ab.

    Der Turmbau zu Babel: 11,1-9

    11:1 Alle Menschen hatten die gleiche Sprache und gebrauchten die
    gleichen Worte.
    11,1-9: An der alten Tradition von Babel als dem Schauplatz der
    Sprachverwirrung zeigt der Erzähler, daß hohe Zivilisation ohne
    Bindung an Gott die Menschen nicht eint und innerlich einander näher
    bringt, sondern sie entzweit, so daß sie sich gegenseitig nicht mehr
    verstehen.

    11:2 Als sie von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Land Schinar
    und siedelten sich dort an.

    11:3 Sie sagten zueinander: Auf, formen wir Lehmziegel, und brennen wir
    sie zu Backsteinen. So dienten ihnen gebrannte Ziegel als Steine und
    Erdpech als Mörtel.

    11:4 Dann sagten sie: Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit
    einer Spitze bis zum Himmel, und machen wir uns damit einen Namen,
    dann werden wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.

    11:5 Da stieg der Herr herab, um sich Stadt und Turm anzusehen, die die
    Menschenkinder bauten.

    11:6 Er sprach: Seht nur, ein Volk sind sie, und eine Sprache haben sie
    alle. Und das ist erst der Anfang ihres Tuns. Jetzt wird ihnen
    nichts mehr unerreichbar sein, was sie sich auch vornehmen.

    11:7 Auf, steigen wir hinab, und verwirren wir dort ihre Sprache, so daß
    keiner mehr die Sprache des anderen versteht.

    11:8 Der Herr zerstreute sie von dort aus über die ganze Erde, und sie
    hörten auf, an der Stadt zu bauen.

    11:9 Darum nannte man die Stadt Babel (Wirrsal), denn dort hat der Herr
    die Sprache aller Welt verwirrt, und von dort aus hat er die
    Menschen über die ganze Erde zerstreut.

    Die Erzväter: 11,10 - 36,43
    Die Vorfahren Abrahams: 11,10-32

    11:10 Das ist die Geschlechterfolge nach Sem: Sem zeugte im Alter von
    hundert Jahren Arpachschad, zwei Jahre nach der Flut.

    11:11 Nach der Geburt Arpachschads lebte Sem noch fünfhundert Jahre und
    zeugte Söhne und Töchter.

    11:12 Arpachschad zeugte mit fünfunddreißig Jahren Schelach.

    11:13 Nach der Geburt Schelachs lebte Arpachschad noch vierhundertdrei
    Jahre und zeugte Söhne und Töchter.

    11:14 Schelach zeugte mit dreißig Jahren Eber.

    11:15 Nach der Geburt Ebers lebte Schelach noch vierhundertdrei Jahre und
    zeugte Söhne und Töchter.

    11:16 Eber war vierunddreißig Jahre alt, da zeugte er Peleg.

    11:17 Nach der Geburt Pelegs lebte Eber noch vierhundertdreißig Jahre und
    zeugte Söhne und Töchter.

    11:18 Peleg war dreißig Jahre alt, da zeugte er Regu.

    11:19 Nach der Geburt Regus lebte Peleg noch zweihundertneun Jahre und
    zeugte Söhne und Töchter.

    11:20 Regu war zweiunddreißig Jahre alt, da zeugte er Serug.

    11:21 Nach der Geburt Serugs lebte Regu noch zweihundertsieben Jahre und
    zeugte Söhne und Töchter.

    11:22 Serug war dreißig Jahre alt, da zeugte er Nahor.

    11:23 Nach der Geburt Nahors lebte Serug noch zweihundert Jahre und zeugte
    Söhne und Töchter.

    11:24 Nahor war neunundzwanzig Jahre alt, da zeugte er Terach.

    11:25 Nach der Geburt Terachs lebte Nahor noch hundertneunzehn Jahre und
    zeugte Söhne und Töchter.

    11:26 Terach war siebzig Jahre alt, da zeugte er Abram, Nahor und Haran.

    11:27 Das ist die Geschlechterfolge nach Terach: Terach zeugte Abram,
    Nahor und Haran; Haran zeugte Lot.

    11:28 Dann starb Haran, noch vor seinem Vater Terach, in seiner Heimat Ur
    in Chaldäa.

    11:29 Abram und Nahor nahmen sich Frauen; die Frau Abrams hieß Sarai, und
    die Frau Nahors hieß Milka; sie war die Tochter Harans, des Vaters
    der Milka und der Jiska.

    11:30 Sarai war unfruchtbar, sie hatte keine Kinder.

    11:31 Terach nahm seinen Sohn Abram, seinen Enkel Lot, den Sohn Harans,
    und seine Schwiegertochter Sarai, die Frau seines Sohnes Abram, und
    sie wanderten miteinander aus Ur in Chaldäa aus, um in das Land
    Kanaan zu ziehen. Als sie aber nach Haran kamen, siedelten sie sich
    dort an.

    11:32 Die Lebenszeit Terachs betrug zweihundertfünf Jahre, dann starb
    Terach in Haran.

    Abrahams Berufung und Wanderung nach Kanaan: 12,1-9

    12:1 Der Herr sprach zu Abram: Zieh weg aus deinem Land, von deiner
    Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir
    zeigen werde.
    1-3: In der Berufung Abrahams und der Segenszusage an ihn setzt
    Gott dem seit der ersten Sünde anwachsenden Fluch den Segen entgegen
    Wie der Fluch sich auf die ganze Menschheit auswirkte, so soll nun
    der Segen die ganze Menschheit erreichen. Zum Mittler des Segens wir
    Abraham erwählt.

    12:2 Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen
    Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein.

    12:3 Ich will segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den will ich
    verfluchen. Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen
    erlangen.
    18,18; 22,18; 26,4; 28,14; Sir 44,21; Gal 3,6-18
    Jemand segnen bedeutet hier soviel wie jemand Gutes wünschen, ihm
    Wohlwollen bezeigen, mit ihm Gemeinschaft pflegen; mit dem
    Verwünschen oder Verfluchen ist zum Ausdruck gebracht, daß man mit
    dem Betreffenden nichts zu tun haben will, daß man keine Gemeinschaft
    mit ihm wünscht.

    12:4 Da zog Abram weg, wie der Herr ihm gesagt hatte, und mit ihm ging
    auch Lot. Abram war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran
    fortzog.

    12:5 Abram nahm seine Frau Sarai mit, seinen Neffen Lot und alle ihre
    Habe, die sie erworben hatten, und die Knechte und Mägde, die sie in
    Haran gewonnen hatten. Sie wanderten nach Kanaan aus und kamen dort
    an.

    12:6 Abram zog durch das Land bis zur Stätte von Sichem, bis zur
    Orakeleiche. Die Kanaaniter waren damals im Land.

    12:7 Der Herr erschien Abram und sprach: Deinen Nachkommen gebe ich
    dieses Land. Dort baute er dem Herrn, der ihm erschienen war, einen
    Altar.

    12:8 Von da brach er auf zum Bergland östlich von Bet-El und schlug sein
    Zelt so auf, daß er Bet-El im Westen und Ai im Osten hatte. Dort
    baute er dem Herrn einen Altar und rief den Namen des Herrn an.

    12:9 Dann zog Abram immer weiter, dem Negeb zu.

    Abraham und Sara in Ägypten: 12,10-20

    12:10 Als über das Land eine Hungersnot kam, zog Abram nach Ägypten hinab,
    um dort zu bleiben; denn die Hungersnot lastete schwer auf dem Land.

    12:11 Als er sich Ägypten näherte, sagte er zu seiner Frau Sarai: Ich
    weiß, du bist eine schöne Frau.

    12:12 Wenn dich die Ägypter sehen, werden sie sagen: Das ist seine Frau!,
    und sie werden mich erschlagen, dich aber am Leben lassen.

    12:13 Sag doch, du seiest meine Schwester, damit es mir deinetwegen gut
    geht und ich um deinetwillen am Leben bleibe.

    12:14 Als Abram nach Ägypten kam, sahen die Ägypter, daß die Frau sehr
    schön war.

    12:15 Die Beamten des Pharao sahen sie und rühmten sie vor dem Pharao. Da
    holte man die Frau in den Palast des Pharao.

    12:16 Er behandelte Abram ihretwegen gut: Abram bekam Schafe und Ziegen,
    Rinder und Esel, Knechte und Mägde, Eselinnen und Kamele.

    12:17 Als aber der Herr wegen Sarai, der Frau Abrams, den Pharao und sein
    Haus mit schweren Plagen schlug,

    12:18 ließ der Pharao Abram rufen und sagte: Was hast du mir da angetan?
    Warum hast du mir nicht gesagt, daß sie deine Frau ist?

    12:19 Warum hast du behauptet, sie sei deine Schwester, so daß ich sie mir
    zur Frau nahm? Nun, da hast du deine Frau wieder, nimm sie, und geh!

    12:20 Dann ordnete der Pharao seinetwegen Leute ab, die ihn, seine Frau
    und alles, was ihm gehörte, fortgeleiten sollten.

    Abraham und Lot: 13,1-13

    13:1 Von Ägypten zog Abram in den Negeb hinauf, er und seine Frau mit
    allem, was ihm gehörte, und mit ihm auch Lot.

    13:2 Abram hatte einen sehr ansehnlichen Besitz an Vieh, Silber und Gold.

    13:3 Er wanderte von einem Lagerplatz zum andern weiter, vom Negeb bis
    nach Bet-El, bis zu dem Ort, an dem anfangs sein Zelt gestanden
    hatte, zwischen Bet-El und Ai,
    12,8

    13:4 dem Ort, wo er früher den Altar erbaut hatte. Dort rief Abram den
    Namen des Herrn an.

    13:5 Auch Lot, der mit Abram gezogen war, besaß Schafe und Ziegen, Rinder
    und Zelte.

    13:6 Das Land war aber zu klein, als daß sich beide nebeneinander hätten
    ansiedeln können; denn ihr Besitz war zu groß, und so konnten sie
    sich nicht miteinander niederlassen.

    13:7 Zwischen den Hirten Abrams und den Hirten Lots kam es zum Streit;
    auch siedelten damals noch die Kanaaniter und die Perisiter im Land.

    13:8 Da sagte Abram zu Lot: Zwischen mir und dir, zwischen meinen und
    deinen Hirten soll es keinen Streit geben; wir sind doch Brüder.

    13:9 Liegt nicht das ganze Land vor dir? Trenn dich also von mir! Wenn du
    nach links willst, gehe ich nach rechts; wenn du nach rechts willst,
    gehe ich nach links.

    13:10 Lot blickte auf und sah, daß die ganze Jordangegend bewässert war.
    Bevor der Herr Sodom und Gomorra vernichtete, war sie bis Zoar hin
    wie der Garten des Herrn, wie das Land Ägypten.

    13:11 Da wählte sich Lot die ganze Jordangegend aus. Lot brach nach Osten
    auf, und sie trennten sich voneinander.

    13:12 Abram ließ sich in Kanaan nieder, während Lot sich in den Städten
    jener Gegend niederließ und seine Zelte bis Sodom hin aufschlug.

    13:13 Die Leute von Sodom aber waren sehr böse und sündigten schwer gegen
    den Herrn.

    Gottes Verheißung an Abraham: 13,14-18

    13:14 Nachdem sich Lot von Abram getrennt hatte, sprach der Herr zu Abram:
    Blick auf und schau von der Stelle, an der du stehst, nach Norden
    und Süden, nach Osten und Westen.

    13:15 Das ganze Land nämlich, das du siehst, will ich dir und deinen
    Nachkommen für immer geben.
    (15f) 15,7.18-21; 17,8; 26,2-5; 28,1-4.13f; 35,12

    13:16 Ich mache deine Nachkommen zahlreich wie den Staub auf der Erde. Nur
    wer den Staub auf der Erde zählen kann, wird auch deine Nachkommen
    zählen können.

    13:17 Mach dich auf, durchzieh das Land in seiner Länge und Breite; denn
    dir werde ich es geben.

    13:18 Da zog Abram mit seinen Zelten weiter und ließ sich bei den Eichen
    von Mamre in Hebron nieder. Dort baute er dem Herrn einen Altar.

    Abraham und Melchisedek: 14,1-24

    14:1 Damals führten Amrafel, der König von Schinar, Arjoch, der König von
    Ellasar, Kedor-Laomer, der König von Elam, und Tidal, der König der
    Völker,

    14:2 Krieg gegen Bera, den König von Sodom, Birscha, den König von
    Gomorra, Schinab, den König von Adma, Schemeber, den König von
    Zebojim, und den König von Bela, das jetzt Zoar heißt.

    14:3 Sie alle zogen als Verbündete in das Siddimtal, das jetzt Salzmeer
    heißt.

    14:4 Zwölf Jahre waren sie Kedor-Laomer untertan gewesen, im dreizehnten
    Jahr fielen sie von ihm ab.

    14:5 Im vierzehnten Jahr kamen Kedor-Laomer und die mit ihm verbündeten
    Könige. Sie schlugen die Rafa‹ter in Aschterot-Karnajim, die Susiter
    in Ham, die Emiter in der Ebene von Kirjatajim

    14:6 und die Horiter in ihrem Gebirge Se‹r bis nach El-Paran, das am
    Rande der Wüste liegt.

    14:7 Auf dem Rückweg kamen sie nach En-Mischpat, das jetzt Kadesch heißt,
    und verwüsteten das ganze Gebiet der Amalekiter sowie das der
    Amoriter, die in Hazezon-Tamar wohnten.

    14:8 Der König von Sodom, der König von Gomorra, der König von Adma, der
    König von Zebojim und der König von Bela, das jetzt Zoar heißt,
    zogen aus und stellten sich ihnen im Siddimtal zum Kampf,

    14:9 nämlich Kedor-Laomer, dem König von Elam, Tidal, dem König der
    Völker, Amrafel, dem König von Schinar, und Arjoch, dem König von
    Ellasar: vier Könige gegen fünf.

    14:10 Das Siddimtal war voller Erdpechgruben; die Könige von Sodom und
    Gomorra mußten fliehen und fielen dort hinein, die übrigen flohen
    ins Gebirge.

    14:11 Die Feinde nahmen die ganze Habe von Sodom und Gomorra sowie alle
    ihre Vorräte mit und zogen ab.

    14:12 Als sie abzogen, nahmen sie auch Lot, den Neffen Abrams, und seine
    Habe mit; Lot wohnte damals in Sodom.

    14:13 Ein Flüchtling kam und berichtete es dem Hebräer Abram; Abram wohnte
    bei den Eichen des Amoriters Mamre, des Bruders Eschkols und Aners,
    die seine Bundesgenossen waren.

    14:14 Als Abram hörte, sein Bruder sei gefangen, musterte er seine
    ausgebildete Mannschaft, dreihundertachtzehn Mann, die alle in
    seinem Haus geboren waren, und nahm die Verfolgung auf bis nach Dan.
    ®Bruder¯ wird im Hebräischen auch für einen Verwandten (hier: den
    Neffen) gebraucht.

    14:15 In der Nacht verteilten sie sich, er und seine Knechte, um sie zu
    überfallen. Er schlug sie und verfolgte sie bis Hoba, nördlich von
    Damaskus.

    14:16 Er brachte die ganze Habe zurück, auch seinen Bruder Lot und dessen
    Besitz sowie die Frauen und die übrigen Leute.

    14:17 Als er nach dem Sieg über Kedor-Laomer und die mit ihm verbündeten
    Könige zurückkam, zog ihm der König von Sodom ins Schawetal
    entgegen, das jetzt Königstal heißt.

    14:18 Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein heraus. Er
    war Priester des Höchsten Gottes.
    Ps 110,4; Hebr 5,6.10; 6,20; 7,1.10-17
    18-20: In der Begegnung Abrahams mit Melchisedek zeigt sich, daß
    der ®höchste Gott, der Schöpfer von Himmel und Erde¯, der in
    Jerusalem verehrt wird, derselbe ist wie der Gott Abrahams.

    14:19 Er segnete Abram und sagte: Gesegnet sei Abram vom Höchsten Gott,
    dem Schöpfer des Himmels und der Erde,

    14:20 und gepriesen sei der Höchste Gott, der deine Feinde an dich
    ausgeliefert hat. Darauf gab ihm Abram den Zehnten von allem.
    Hebr 7,2.4.8f

    14:21 Der König von Sodom sagte zu Abram: Gib mir die Leute zurück, die
    Habe behalte!

    14:22 Abram entgegnete dem König von Sodom: Ich erhebe meine Hand zum
    Herrn, dem Höchsten Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde:

    14:23 Keinen Faden und keinen Schuhriemen, nichts von allem, was dir
    gehört, will ich behalten. Du sollst nicht behaupten können: Ich
    habe Abram reich gemacht.

    14:24 Nur was meine Leute verzehrt haben und was auf die Männer entfällt,
    die mit mir gezogen sind, auf Aner, Eschkol und Mamre, das sollen
    sie als ihren Anteil behalten.

    Gottes Bund mit Abraham: 15,1-21

    15:1 Nach diesen Ereignissen erging das Wort des Herrn in einer Vision an
    Abram: Fürchte dich nicht, Abram, ich bin dein Schild; dein Lohn
    wird sehr groß sein.

    15:2 Abram antwortete: Herr, mein Herr, was willst du mir schon geben?
    Ich gehe doch kinderlos dahin, und Erbe meines Hauses ist Eli‰ser
    aus Damaskus.
    Schluß des Verses in H unklar, daher Übersetzung unsicher.

    15:3 Und Abram sagte: Du hast mir ja keine Nachkommen gegeben; also wird
    mich mein Haussklave beerben.

    15:4 Da erging das Wort des Herrn an ihn: Nicht er wird dich beerben,
    sondern dein leiblicher Sohn wird dein Erbe sein.

    15:5 Er führte ihn hinaus und sprach: Sieh doch zum Himmel hinauf, und
    zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst. Und er sprach zu ihm: So
    zahlreich werden deine Nachkommen sein.
    13,16; 22,15-18; 26,4; 28,14

    15:6 Abram glaubte dem Herrn, und der Herr rechnete es ihm als
    Gerechtigkeit an.
    Röm 4,3.9.22; Gal 3,6; Jak 2,23

    15:7 Er sprach zu ihm: Ich bin der Herr, der dich aus Ur in Chaldäa
    herausgeführt hat, um dir dieses Land zu eigen zu geben.

    15:8 Da sagte Abram: Herr, mein Herr, woran soll ich erkennen, daß ich es
    zu eigen bekomme?

    15:9 Der Herr antwortete ihm: Hol mir ein dreijähriges Rind, eine
    dreijährige Ziege, einen dreijährigen Widder, eine Turteltaube und
    eine Haustaube!

    15:10 Abram brachte ihm alle diese Tiere, zerteilte sie und legte je eine
    Hälfte der andern gegenüber; die Vögel aber zerteilte er nicht.

    15:11 Da stießen Raubvögel auf die Fleischstücke herab, doch Abram
    verscheuchte sie.

    15:12 Bei Sonnenuntergang fiel auf Abram ein tiefer Schlaf; große,
    unheimliche Angst überfiel ihn.

    15:13 Gott sprach zu Abram: Du sollst wissen: Deine Nachkommen werden als
    Fremde in einem Land wohnen, das ihnen nicht gehört. Sie werden dort
    als Sklaven dienen, und man wird sie vierhundert Jahre lang hart
    behandeln.

    15:14 Aber auch über das Volk, dem sie als Sklaven dienen, werde ich
    Gericht halten, und nachher werden sie mit reicher Habe ausziehen.
    Ex 12,35f

    15:15 Du aber wirst in Frieden zu deinen Vätern heimgehen; in hohem Alter
    wirst du begraben werden.

    15:16 Erst die vierte Generation wird hierher zurückkehren; denn noch hat
    die Schuld der Amoriter nicht ihr volles Maß erreicht.

    15:17 Die Sonne war untergegangen, und es war dunkel geworden. Auf einmal
    waren ein rauchender Ofen und eine lodernde Fackel da; sie fuhren
    zwischen jenen Fleischstücken hindurch.

    15:18 An diesem Tag schloß der Herr mit Abram folgenden Bund: Deinen
    Nachkommen gebe ich dieses Land vom Grenzbach Ägyptens bis zum
    großen Strom Eufrat,
    13,15

    15:19 (das Land) der Keniter, der Kenasiter, der Kadmoniter,

    15:20 der Hetiter, der Perisiter, der Rafa‹ter,

    15:21 der Amoriter, der Kanaaniter, der Girgaschiter, der Hiwiter und der
    Jebusiter.
    Hiwiter: ergänzt nach einigen alten Übersetzungen.

    Ismaels Geburt: 16,1-16

    16:1 Sarai, Abrams Frau, hatte ihm keine Kinder geboren. Sie hatte aber
    eine ägyptische Magd namens Hagar.
    (1-16) 21,9-21

    16:2 Sarai sagte zu Abram: Der Herr hat mir Kinder versagt. Geh zu meiner
    Magd! Vielleicht komme ich durch sie zu einem Sohn. Abram hörte auf
    sie.
    Nach altorientalischem Recht konnte eine kinderlose Frau ihrem
    Mann die Sklavin überlassen. Die Kinder der Sklavin galten dann als
    legitime Kinder des Ehepaars. Sollte später die Frau wider Erwarten
    noch eigene Kinder bekommen, konnte der Vater die Kinder der Sklavin
    nach Übergabe von Geschenken fortschicken, er mußte aber die Sklavin
    dann freilassen (vgl. 21,1-21).

    16:3 Sarai, Abrams Frau, nahm also die Ägypterin Hagar, ihre Magd - zehn
    Jahre, nachdem sich Abram in Kanaan niedergelassen hatte -, und gab
    sie ihrem Mann Abram zur Frau.

    16:4 Er ging zu Hagar, und sie wurde schwanger. Als sie merkte, daß sie
    schwanger war, verlor die Herrin bei ihr an Achtung.

    16:5 Da sagte Sarai zu Abram: Das Unrecht, das ich erfahre, komme auf
    dich. Ich habe dir meine Magd überlassen. Kaum merkt sie, daß sie
    schwanger ist, so verliere ich schon an Achtung bei ihr. Der Herr
    entscheide zwischen mir und dir.

    16:6 Abram entgegnete Sarai: Hier ist deine Magd; sie ist in deiner Hand.
    Tu mit ihr, was du willst. Da behandelte Sarai sie so hart, daß ihr
    Hagar davonlief.

    16:7 Der Engel des Herrn fand Hagar an einer Quelle in der Wüste, an der
    Quelle auf dem Weg nach Schur.

    16:8 Er sprach: Hagar, Magd Sarais, woher kommst du, und wohin gehst du?
    Sie antwortete: Ich bin meiner Herrin Sarai davongelaufen.

    16:9 Da sprach der Engel des Herrn zu ihr: Geh zurück zu deiner Herrin,
    und ertrag ihre harte Behandlung!

    16:10 Der Engel des Herrn sprach zu ihr: Deine Nachkommen will ich so
    zahlreich machen, daß man sie nicht zählen kann.

    16:11 Weiter sprach der Engel des Herrn zu ihr: Du bist schwanger, du
    wirst einen Sohn gebären und ihn Ismael (Gott hört) nennen; denn der
    Herr hat auf dich gehört in deinem Leid.

    16:12 Er wird ein Mensch sein wie ein Wildesel. Seine Hand gegen alle, die
    Hände aller gegen ihn! Allen seinen Brüdern setzt er sich vors
    Gesicht.
    Der Vers deutet den unbändigen Freiheitsdrang der Wüstenstämme an.
    Die arabischen Beduinen betrachten sich noch heute als Nachkommen
    Ismaels.

    16:13 Da nannte sie den Herrn, der zu ihr gesprochen hatte: El-Ro‹ (Gott,
    der nach mir schaut). Sie sagte nämlich: Habe ich hier nicht nach
    dem geschaut, der nach mir schaut?
    13f: In H Wortspiel mit dem Namen des Brunnens.

    16:14 Darum nannte sie den Brunnen Beer-Lahai-Ro‹ (Brunnen des Lebendigen,
    der nach mir schaut). Er liegt zwischen Kadesch und Bered.

    16:15 Hagar gebar dem Abram einen Sohn, und Abram nannte den Sohn, den ihm
    Hagar gebar, Ismael.

    16:16 Abram war sechsundachtzig Jahre alt, als Hagar ihm Ismael gebar.

    Die Beschneidung als Bundeszeichen: 17,1-27

    17:1 Als Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der Herr und
    sprach zu ihm: Ich bin Gott, der Allmächtige. Geh deinen Weg vor
    mir, und sei rechtschaffen!

    17:2 Ich will einen Bund stiften zwischen mir und dir und dich sehr
    zahlreich machen.

    17:3 Abram fiel auf sein Gesicht nieder; Gott redete mit ihm und sprach:

    17:4 Das ist mein Bund mit dir: Du wirst Stammvater einer Menge von
    Völkern.

    17:5 Man wird dich nicht mehr Abram nennen. Abraham (Vater der Menge)
    wirst du heißen; denn zum Stammvater einer Menge von Völkern habe
    ich dich bestimmt.

    17:6 Ich mache dich sehr fruchtbar und lasse Völker aus dir entstehen;
    Könige werden von dir abstammen.

    17:7 Ich schließe meinen Bund zwischen mir und dir samt deinen
    Nachkommen, Generation um Generation, einen ewigen Bund: Dir und
    deinen Nachkommen werde ich Gott sein.

    17:8 Dir und deinen Nachkommen gebe ich ganz Kanaan, das Land, in dem du
    als Fremder weilst, für immer zu eigen, und ich will ihnen Gott
    sein.
    13,15; 15,18-21; 26,3-5; 28,3f; 35,12

    17:9 Und Gott sprach zu Abraham: Du aber halte meinen Bund, du und deine
    Nachkommen, Generation um Generation.

    17:10 Das ist mein Bund zwischen mir und euch samt deinen Nachkommen, den
    ihr halten sollt: Alles, was männlich ist unter euch, muß
    beschnitten werden.

    17:11 Am Fleisch eurer Vorhaut müßt ihr euch beschneiden lassen. Das soll
    geschehen zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch.

    17:12 Alle männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt
    sind, beschnitten werden in jeder eurer Generationen, seien sie im
    Haus geboren oder um Geld von irgendeinem Fremden erworben, der
    nicht von dir abstammt.

    17:13 Beschnitten muß sein der in deinem Haus Geborene und der um Geld
    Erworbene. So soll mein Bund, dessen Zeichen ihr an eurem Fleisch
    tragt, ein ewiger Bund sein.

    17:14 Ein Unbeschnittener, eine männliche Person, die am Fleisch ihrer
    Vorhaut nicht beschnitten ist, soll aus ihrem Stammesverband
    ausgemerzt werden. Er hat meinen Bund gebrochen.

    17:15 Weiter sprach Gott zu Abraham: Deine Frau Sarai sollst du nicht mehr
    Sarai nennen, sondern Sara (Herrin) soll sie heißen.

    17:16 Ich will sie segnen und dir auch von ihr einen Sohn geben. Ich segne
    sie, so daß Völker aus ihr hervorgehen; Könige über Völker sollen
    ihr entstammen.
    18,10-14

    17:17 Da fiel Abraham auf sein Gesicht nieder und lachte. Er dachte:
    Können einem Hundertjährigen noch Kinder geboren werden, und kann
    Sara als Neunzigjährige noch gebären?
    Anspielung auf die Bedeutung des Namens Isaak, hebr.: jizch k (=
    er lacht; vgl. 18,12-15).

    17:18 Dann sagte Abraham zu Gott: Wenn nur Ismael vor dir am Leben bleibt!

    17:19 Gott entgegnete: Nein, deine Frau Sara wird dir einen Sohn gebären,
    und du sollst ihn Isaak nennen. Ich werde meinen Bund mit ihm
    schließen als einen ewigen Bund für seine Nachkommen.
    18,10; 21,1-8

    17:20 Auch was Ismael angeht, erhöre ich dich. Ja, ich segne ihn, ich
    lasse ihn fruchtbar und sehr zahlreich werden. Zwölf Fürsten wird er
    zeugen, und ich mache ihn zu einem großen Volk.

    17:21 Meinen Bund aber schließe ich mit Isaak, den dir Sara im nächsten
    Jahr um diese Zeit gebären wird.

    17:22 Als Gott das Gespräch beendet hatte, verließ er Abraham und fuhr zur
    Höhe auf.

    17:23 Abraham nahm nun seinen Sohn Ismael sowie alle in seinem Haus
    Geborenen und alle um Geld Erworbenen, alle männlichen Personen vom
    Haus Abraham, und beschnitt das Fleisch ihrer Vorhaut noch am selben
    Tag, wie Gott ihm befohlen hatte.

    17:24 Abraham war neunundneunzig Jahre alt, als er am Fleisch seiner
    Vorhaut beschnitten wurde,

    17:25 und sein Sohn Ismael war dreizehn Jahre alt, als er am Fleisch
    seiner Vorhaut beschnitten wurde.

    17:26 Am selben Tag wurden Abraham und sein Sohn Ismael beschnitten.

    17:27 Auch alle Männer seines Hauses, die im Haus Geborenen und die um
    Geld von Fremden Erworbenen, wurden mit ihm beschnitten.

    Gott zu Gast bei Abraham: 18,1-33

    18:1 Der Herr erschien Abraham bei den Eichen von Mamre. Abraham saß zur
    Zeit der Mittagshitze am Zelteingang.

    18:2 Er blickte auf und sah vor sich drei Männer stehen. Als er sie sah,
    lief er ihnen vom Zelteingang aus entgegen, warf sich zur Erde
    nieder

    18:3 und sagte: Mein Herr, wenn ich dein Wohlwollen gefunden habe, geh
    doch an deinem Knecht nicht vorbei!

    18:4 Man wird etwas Wasser holen; dann könnt ihr euch die Füße waschen
    und euch unter dem Baum ausruhen.

    18:5 Ich will einen Bissen Brot holen, und ihr könnt dann nach einer
    kleinen Stärkung weitergehen; denn deshalb seid ihr doch bei eurem
    Knecht vorbeigekommen. Sie erwiderten: Tu, wie du gesagt hast.

    18:6 Da lief Abraham eiligst ins Zelt zu Sara und rief: Schnell drei Sea
    feines Mehl! Rühr es an, und backe Brotfladen!

    18:7 Er lief weiter zum Vieh, nahm ein zartes, prächtiges Kalb und
    übergab es dem Jungknecht, der es schnell zubereitete.

    18:8 Dann nahm Abraham Butter, Milch und das Kalb, das er hatte
    zubereiten lassen, und setzte es ihnen vor. Er wartete ihnen unter
    dem Baum auf, während sie aßen.

    18:9 Sie fragten ihn: Wo ist deine Frau Sara? Dort im Zelt, sagte er.

    18:10 Da sprach der Herr: In einem Jahr komme ich wieder zu dir, dann wird
    deine Frau Sara einen Sohn haben. Sara hörte am Zelteingang hinter
    seinem Rücken zu.
    17,15-21; 21,1-8

    18:11 Abraham und Sara waren schon alt; sie waren in die Jahre gekommen.
    Sara erging es längst nicht mehr, wie es Frauen zu ergehen pflegt.

    18:12 Sara lachte daher still in sich hinein und dachte: Ich bin doch
    schon alt und verbraucht und soll noch das Glück der Liebe erfahren?
    Auch ist mein Herr doch schon ein alter Mann!
    12-15: Die Erzählung vom Lachen Saras ist wieder Anspielung auf
    den Namen Isaak (vgl. 17,17).

    18:13 Da sprach der Herr zu Abraham: Warum lacht Sara und sagt: Soll ich
    wirklich noch Kinder bekommen, obwohl ich so alt bin?

    18:14 Ist beim Herrn etwas unmöglich? Nächstes Jahr um diese Zeit werde
    ich wieder zu dir kommen; dann wird Sara einen Sohn haben.

    18:15 Sara leugnete: Ich habe nicht gelacht. Sie hatte nämlich Angst. Er
    aber sagte: Doch, du hast gelacht.

    18:16 Die Männer erhoben sich von ihrem Platz und schauten gegen Sodom.
    Abraham wollte mitgehen, um sie zu verabschieden.

    18:17 Da sagte sich der Herr: Soll ich Abraham verheimlichen, was ich
    vorhabe?

    18:18 Abraham soll doch zu einem großen, mächtigen Volk werden, durch ihn
    sollen alle Völker der Erde Segen erlangen.
    12,2f; 22,17f; 26,4; 28,14

    18:19 Denn ich habe ihn dazu auserwählt, daß er seinen Söhnen und seinem
    Haus nach ihm aufträgt, den Weg des Herrn einzuhalten und zu tun,
    was gut und recht ist, damit der Herr seine Zusagen an Abraham
    erfüllen kann.

    18:20 Der Herr sprach also: Das Klagegeschrei über Sodom und Gomorra, ja,
    das ist laut geworden, und ihre Sünde, ja, die ist schwer.

    18:21 Ich will hinabgehen und sehen, ob ihr Tun wirklich dem Klagegeschrei
    entspricht, das zu mir gedrungen ist. Ich will es wissen.

    18:22 Die Männer wandten sich von dort ab und gingen auf Sodom zu. Abraham
    aber stand noch immer vor dem Herrn.

    18:23 Er trat näher und sagte: Willst du auch den Gerechten mit den
    Ruchlosen wegraffen?

    18:24 Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt: Willst du auch sie
    wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig
    Gerechten dort?

    18:25 Das kannst du doch nicht tun, die Gerechten zusammen mit den
    Ruchlosen umbringen. Dann ginge es ja dem Gerechten genauso wie dem
    Ruchlosen. Das kannst du doch nicht tun. Sollte sich der Richter
    über die ganze Erde nicht an das Recht halten?

    18:26 Da sprach der Herr: Wenn ich in Sodom, in der Stadt, fünfzig
    Gerechte finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben.

    18:27 Abraham antwortete und sprach: Ich habe es nun einmal unternommen,
    mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin.

    18:28 Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf. Wirst du wegen der
    fünf die ganze Stadt vernichten? Nein, sagte er, ich werde sie nicht
    vernichten, wenn ich dort fünfundvierzig finde.

    18:29 Er fuhr fort, zu ihm zu reden: Vielleicht finden sich dort nur
    vierzig. Da sprach er: Ich werde es der vierzig wegen nicht tun.

    18:30 Und weiter sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich weiterrede.
    Vielleicht finden sich dort nur dreißig. Er entgegnete: Ich werde es
    nicht tun, wenn ich dort dreißig finde.

    18:31 Darauf sagte er: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem
    Herrn zu reden. Vielleicht finden sich dort nur zwanzig. Er
    antwortete: Ich werde sie um der zwanzig willen nicht vernichten.

    18:32 Und nochmals sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich nur noch
    einmal das Wort ergreife. Vielleicht finden sich dort nur zehn. Und
    wiederum sprach er: Ich werde sie um der zehn willen nicht
    vernichten.

    18:33 Nachdem der Herr das Gespräch mit Abraham beendet hatte, ging er
    weg, und Abraham kehrte heim.

    Das Gericht über Sodom und die Rettung Lots: 19,1-29

    19:1 Die beiden Engel kamen am Abend nach Sodom. Lot saß im Stadttor von
    Sodom. Als er sie sah, erhob er sich, trat auf sie zu, warf sich mit
    dem Gesicht zur Erde nieder

    19:2 und sagte: Meine Herren, kehrt doch im Haus eures Knechtes ein,
    bleibt über Nacht, und wascht euch die Füße! Am Morgen könnt ihr
    euren Weg fortsetzen. Nein, sagten sie, wir wollen im Freien
    übernachten.

    19:3 Er redete ihnen aber so lange zu, bis sie mitgingen und bei ihm
    einkehrten. Er bereitete ihnen ein Mahl, ließ ungesäuerte Brote
    backen, und sie aßen.

    19:4 Sie waren noch nicht schlafen gegangen, da umstellten die Einwohner
    der Stadt das Haus, die Männer von Sodom, jung und alt, alles Volk
    von weit und breit.

    19:5 Sie riefen nach Lot und fragten ihn: Wo sind die Männer, die heute
    abend zu dir gekommen sind? Heraus mit ihnen, wir wollen mit ihnen
    verkehren.

    19:6 Da ging Lot zu ihnen hinaus vor die Tür, schloß sie hinter sich zu

    19:7 und sagte: Aber meine Brüder, begeht doch nicht ein solches
    Verbrechen!

    19:8 Seht, ich habe zwei Töchter, die noch keinen Mann erkannt haben. Ich
    will sie euch herausbringen. Dann tut mit ihnen, was euch gefällt.
    Nur jenen Männern tut nichts an; denn deshalb sind sie ja unter den
    Schutz meines Daches getreten.
    Das Gastrecht ist im Alten Orient so heilig, daß Lot notgedrungen
    lieber die Preisgabe seiner Töchter wählt, als daß er seine Gäste
    preisgibt (vgl. Ri 19,24f).

    19:9 Sie aber schrien: Mach dich fort!, und sagten: Kommt da so ein
    einzelner Fremder daher und will sich als Richter aufspielen! Nun
    wollen wir es mit dir noch schlimmer treiben als mit ihnen. Sie
    setzten dem Mann, nämlich Lot, arg zu und waren schon dabei, die Tür
    aufzubrechen.

    19:10 Da streckten jene Männer die Hand aus, zogen Lot zu sich ins Haus
    und sperrten die Tür zu.

    19:11 Dann schlugen sie die Leute draußen vor dem Haus, groß und klein,
    mit Blindheit, so daß sie sich vergebens bemühten, den Eingang zu
    finden.

    19:12 Die Männer sagten dann zu Lot: Hast du hier noch einen
    Schwiegersohn, Söhne, Töchter oder sonst jemand in der Stadt? Bring
    sie weg von diesem Ort!

    19:13 Wir wollen nämlich diesen Ort vernichten; denn schwer ist die Klage,
    die über die Leute zum Herrn gedrungen ist. Der Herr hat uns
    geschickt, die Stadt zu vernichten.

    19:14 Da ging Lot hinaus, redete auf seine Schwiegersöhne ein, die seine
    Töchter heiraten wollten, und sagte: Macht euch auf, und verlaßt
    diesen Ort; denn der Herr will die Stadt vernichten. Aber seine
    Schwiegersöhne meinten, er mache nur Spaß.

    19:15 Als die Morgenröte aufstieg, drängten die Engel Lot zur Eile: Auf,
    nimm deine Frau und deine beiden Töchter, die hier sind, damit du
    nicht wegen der Schuld der Stadt hinweggerafft wirst.

    19:16 Da er noch zögerte, faßten die Männer ihn, seine Frau und seine
    beiden Töchter an der Hand, weil der Herr mit ihm Mitleid hatte,
    führten ihn hinaus und ließen ihn erst draußen vor der Stadt los.

    19:17 Während er sie hinaus ins Freie führte, sagte er: Bring dich in
    Sicherheit, es geht um dein Leben. Sieh dich nicht um, und bleib in
    der ganzen Gegend nicht stehen! Rette dich ins Gebirge, sonst wirst
    du auch weggerafft.
    Wechsel von Einzahl und Mehrzahl, weil hier zwei Erzählungen
    miteinander verzahnt sind: eine, die von Gott allein, eine andere,
    die von drei übermenschlichen Wesen sprach.

    19:18 Lot aber sagte zu ihnen: Nein, mein Herr,

    19:19 dein Knecht hat doch dein Wohlwollen gefunden. Du hast mir große
    Gunst erwiesen und mich am Leben gelassen. Ich kann aber nicht ins
    Gebirge fliehen, sonst läßt mich das Unglück nicht mehr los, und ich
    muß sterben.

    19:20 Da, die Stadt in der Nähe, dorthin könnte man fliehen. Sie ist doch
    klein; dorthin will ich mich retten. Ist sie nicht klein? So könnte
    ich am Leben bleiben.

    19:21 Er antwortete ihm: Gut, auch das will ich dir gewähren und die
    Stadt, von der du sprichst, nicht zerstören.

    19:22 Schnell flieh dorthin; denn ich kann nichts unternehmen, bevor du
    dort angekommen bist. Deshalb nannte er die Stadt Zoar (Kleine).

    19:23 Als die Sonne über dem Land aufgegangen und Lot in Zoar angekommen
    war,

    19:24 ließ der Herr auf Sodom und Gomorra Schwefel und Feuer regnen, vom
    Herrn, vom Himmel herab.

    19:25 Er vernichtete von Grund auf jene Städte und die ganze Gegend, auch
    alle Einwohner der Städte und alles, was auf den Feldern wuchs.

    19:26 Als Lots Frau zurückblickte, wurde sie zu einer Salzsäule.

    19:27 Am frühen Morgen begab sich Abraham an den Ort, an dem er dem Herrn
    gegenübergestanden hatte.

    19:28 Er schaute gegen Sodom und Gomorra und auf das ganze Gebiet im
    Umkreis und sah: Qualm stieg von der Erde auf wie der Qualm aus
    einem Schmelzofen.

    19:29 Als Gott die Städte der Gegend vernichtete, dachte er an Abraham und
    ließ Lot mitten aus der Zerstörung fortgeleiten, während er die
    Städte, in denen Lot gewohnt hatte, von Grund auf zerstörte.

    Die Stammväter der Moabiter und Ammoniter: 19,30-38

    19:30 Lot zog von Zoar weiter hinauf und ließ sich mit seinen beiden
    Töchtern im Gebirge nieder. Er fürchtete sich nämlich, in Zoar zu
    bleiben, und wollte lieber mit seinen beiden Töchtern in einer Höhle
    wohnen.

    19:31 Eines Tages sagte die Ältere zur Jüngeren: Unser Vater wird alt, und
    einen Mann, der mit uns verkehrt, wie es in aller Welt üblich ist,
    gibt es nicht.

    19:32 Komm, geben wir unserem Vater Wein zu trinken und legen wir uns zu
    ihm, damit wir von unserem Vater Kinder bekommen.

    19:33 Sie gaben also ihrem Vater am Abend Wein zu trinken; dann kam die
    Ältere und legte sich zu ihrem Vater. Er merkte nicht, wie sie sich
    hinlegte und wie sie aufstand.

    19:34 Am anderen Tag sagte die Ältere zur Jüngeren: Ich habe gestern bei
    meinem Vater gelegen. Geben wir ihm auch heute abend Wein zu
    trinken, dann geh und leg du dich zu ihm. So werden wir von unserem
    Vater Kinder bekommen.

    19:35 Sie gaben ihrem Vater also auch an jenem Abend Wein zu trinken; dann
    legte sich die Jüngere zu ihm. Er merkte nicht, wie sie sich
    hinlegte und wie sie aufstand.

    19:36 Beide Töchter Lots wurden von ihrem Vater schwanger.

    19:37 Die Ältere gebar einen Sohn und nannte ihn Moab. Er gilt als
    Stammvater der Moabiter bis heute.

    19:38 Auch die Jüngere gebar einen Sohn und nannte ihn Ben-Ammi. Er gilt
    als Stammvater der Ammoniter bis heute.

    Abraham in Gerar: 20,1-18

    20:1 Abraham brach von dort auf und zog in den Negeb. Er ließ sich
    zwischen Kadesch und Schur nieder und hielt sich in Gerar als
    Fremder auf.
    (1-18) 12,10-20; 26,1-11

    20:2 Abraham behauptete von Sara, seiner Frau: Sie ist meine Schwester.
    Da schickte Abimelech, der König von Gerar, hin und ließ Sara holen.

    20:3 Nachts kam Gott zu Abimelech und sprach zu ihm im Traum: Du mußt
    sterben wegen der Frau, die du dir genommen hast; sie ist
    verheiratet.

    20:4 Abimelech aber war ihr noch nicht nahegekommen. Mein Herr, sagte er,
    willst du denn auch unschuldige Leute umbringen?

    20:5 Hat er mir nicht gesagt, sie sei seine Schwester? Auch sie selbst
    hat behauptet, er sei ihr Bruder. Mit arglosem Herzen und mit reinen
    Händen habe ich das getan.

    20:6 Da sprach Gott zu ihm im Traum: Auch ich weiß, daß du es mit
    arglosem Herzen getan hast. Ich habe dich ja auch daran gehindert,
    dich gegen mich zu verfehlen. Darum habe ich nicht zugelassen, daß
    du sie anrührst.

    20:7 Jetzt aber gib die Frau dem Mann zurück; denn er ist ein Prophet. Er
    wird für dich eintreten, daß du am Leben bleibst. Gibst du sie aber
    nicht zurück, dann sollst du wissen: Du mußt sterben, du und alles,
    was dir gehört.

    20:8 Am Morgen stand Abimelech auf, ließ alle seine Untergebenen rufen
    und erzählte ihnen alles, was vorgefallen war. Da gerieten die
    Männer in große Furcht.

    20:9 Nun ließ Abimelech Abraham rufen und stellte ihn zur Rede: Was hast
    du uns angetan? Womit habe ich denn gegen dich gefehlt, daß du über
    mich und mein Reich eine so große Sünde bringst? Du hast mir etwas
    angetan, was man nicht tun darf.

    20:10 Und Abimelech fragte Abraham: Was hattest du vor, als du das tatest?

    20:11 Abraham entgegnete: Ich sagte mir: Vielleicht gibt es keine
    Gottesfurcht an diesem Ort, und man wird mich wegen meiner Frau
    umbringen.

    20:12 Übrigens ist sie wirklich meine Schwester, eine Tochter meines
    Vaters, nur nicht eine Tochter meiner Mutter; so konnte sie meine
    Frau werden.

    20:13 Als mich aber Gott aus dem Haus meines Vaters ins Ungewisse ziehen
    hieß, schlug ich ihr vor: Tu mir den Gefallen und sag von mir
    überall, wohin wir kommen: Er ist mein Bruder.

    20:14 Darauf nahm Abimelech Schafe, Ziegen und Rinder, Knechte und Mägde
    und schenkte sie Abraham. Auch gab er ihm seine Frau Sara zurück;

    20:15 dabei sagte Abimelech: Hier, mein Land steht dir offen. Wo es dir
    beliebt, da laß dich nieder!

    20:16 Zu Sara aber sagte er: Da, ich gebe deinem Bruder tausend
    Silberstücke. Das soll allen Leuten in deiner Umgebung die Augen
    zudecken, und vor allen erfährst du Genugtuung.

    20:17 Abraham trat für ihn bei Gott ein; da heilte Gott Abimelech, auch
    seine Frau und seine Dienerinnen, so daß sie wieder gebären konnten.

    20:18 Denn der Herr hatte im Haus Abimelech jeden Mutterschoß verschlossen
    wegen Sara, der Frau Abrahams.

    Isaaks Geburt: 21,1-8

    21:1 Der Herr nahm sich Saras an, wie er gesagt hatte, und er tat Sara
    so, wie er versprochen hatte.
    17,15-22; 18,10-15

    21:2 Sara wurde schwanger und gebar dem Abraham noch in seinem Alter
    einen Sohn zu der Zeit, die Gott angegeben hatte.

    21:3 Abraham nannte den Sohn, den ihm Sara gebar, Isaak.

    21:4 Als sein Sohn Isaak acht Tage alt war, beschnitt ihn Abraham, wie
    Gott ihm befohlen hatte.

    21:5 Abraham war hundert Jahre alt, als sein Sohn Isaak zur Welt kam.

    21:6 Sara aber sagte: Gott ließ mich lachen; jeder, der davon hört, wird
    mit mir lachen.
    Wieder Wortspiel mit der Bedeutung des Namens Isaak (vgl. 17,17
    und 18,12-15).

    21:7 Wer, sagte sie, hätte Abraham zu sagen gewagt, Sara werde noch
    Kinder stillen? Und nun habe ich ihm noch in seinem Alter einen Sohn
    geboren.

    21:8 Das Kind wuchs heran und wurde entwöhnt. Als Isaak entwöhnt wurde,
    veranstaltete Abraham ein großes Festmahl.

    Hagar und Ismael: 21,9-21

    21:9 Eines Tages beobachtete Sara, wie der Sohn, den die Ägypterin Hagar
    Abraham geboren hatte, umhertollte.
    (9-21) 16,1-16
    9-21: Vgl. die Anmerkung zu 16,2.

    21:10 Da sagte sie zu Abraham: Verstoß diese Magd und ihren Sohn! Denn der
    Sohn dieser Magd soll nicht zusammen mit meinem Sohn Isaak Erbe
    sein.

    21:11 Dieses Wort verdroß Abraham sehr, denn es ging doch um seinen Sohn.

    21:12 Gott sprach aber zu Abraham: Sei wegen des Knaben und deiner Magd
    nicht verdrossen! Hör auf alles, was dir Sara sagt! Denn nach Isaak
    sollen deine Nachkommen benannt werden.

    21:13 Aber auch den Sohn der Magd will ich zu einem großen Volk machen,
    weil auch er dein Nachkomme ist.

    21:14 Am Morgen stand Abraham auf, nahm Brot und einen Schlauch mit
    Wasser, übergab beides Hagar, legte es ihr auf die Schulter, übergab
    ihr das Kind und entließ sie. Sie zog fort und irrte in der Wüste
    von Beerscheba umher.

    21:15 Als das Wasser im Schlauch zu Ende war, warf sie das Kind unter
    einen Strauch,

    21:16 ging weg und setzte sich in der Nähe hin, etwa einen Bogenschuß weit
    entfernt; denn sie sagte: Ich kann nicht mit ansehen, wie das Kind
    stirbt. Sie saß in der Nähe und weinte laut.

    21:17 Gott hörte den Knaben schreien; da rief der Engel Gottes vom Himmel
    her Hagar zu und sprach: Was hast du, Hagar? Fürchte dich nicht,
    Gott hat den Knaben dort schreien gehört, wo er liegt.

    21:18 Steh auf, nimm den Knaben, und halt ihn fest an deiner Hand; denn zu
    einem großen Volk will ich ihn machen.

    21:19 Gott öffnete ihr die Augen, und sie erblickte einen Brunnen. Sie
    ging hin, füllte den Schlauch mit Wasser und gab dem Knaben zu
    trinken.

    21:20 Gott war mit dem Knaben. Er wuchs heran, ließ sich in der Wüste
    nieder und wurde ein Bogenschütze.

    21:21 Er ließ sich in der Wüste Paran nieder, und seine Mutter nahm ihm
    eine Frau aus Ägypten.

    Der Vertrag Abrahams mit Abimelech: 21,22-34

    21:22 Um jene Zeit sagten Abimelech und sein Feldherr Pichol zu Abraham:
    Gott ist mit dir bei allem, was du unternimmst.

    21:23 Aber nun schwör mir hier bei Gott, daß du weder mich, noch meinen
    Thronerben, noch meine Nachfahren hintergehen wirst. Das gleiche
    Wohlwollen, das ich dir erwiesen habe, sollst du mir erweisen und
    dem Land, in dem du dich als Fremder aufhältst.

    21:24 Abraham erwiderte: Gut, ich will den Eid leisten.

    21:25 Abraham stellte aber Abimelech zur Rede wegen des Brunnens, den ihm
    Abimelechs Knechte weggenommen hatten.

    21:26 Abimelech antwortete: Ich weiß nicht, wer das getan hat. Du hast es
    mir noch nicht gemeldet, und auch ich habe erst heute davon gehört.

    21:27 Da nahm Abraham Schafe und Rinder und gab sie Abimelech; so
    schlossen beide einen Vertrag.

    21:28 Abraham stellte aber sieben Lämmer der Herde beiseite.

    21:29 Da fragte ihn Abimelech: Was sollen die sieben Lämmer da, die du
    beiseite gestellt hast?

    21:30 Die sieben Lämmer, sagte er, sollst du von mir annehmen als Beweis
    dafür, daß ich diesen Brunnen gegraben habe.

    21:31 Darum nannte er den Ort Beerscheba (Siebenbrunn, oder: Eidbrunn);
    denn dort leisteten beide einen Eid.
    26,33
    Das hebräische Wort scheba kann sowohl ®sieben¯ als auch ®Eid¯
    bedeuten.

    21:32 Sie schlossen also zu Beerscheba einen Vertrag. Dann machten sich
    Abimelech und sein Feldherr Pichol auf und kehrten ins Philisterland
    zurück.

    21:33 Abraham aber pflanzte eine Tamariske in Beerscheba und rief dort den
    Herrn an unter dem Namen: Gott, der Ewige.

    21:34 Darauf hielt sich Abraham längere Zeit als Fremder im Philisterland
    auf.

    Abrahams Opfer: 22,1-19

    22:1 Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er
    sprach zu ihm: Abraham! Er antwortete: Hier bin ich.
    1-19: Gott stellt Abrahams Glaubensgehorsam auf die äußerste
    Probe, die Abraham in der Bereitschaft zum schwersten Opfer besteht.
    In der Erzählung wird aber auch deutlich, daß Gott das Kinderopfer
    ablehnt, das bei den Kanaanitern bezeugt ist.

    22:2 Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst,
    Isaak, geh in das Land Morija, und bring ihn dort auf einem der
    Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar.

    22:3 Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, holte seine
    beiden Jungknechte und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Opfer
    und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte.

    22:4 Als Abraham am dritten Tag aufblickte, sah er den Ort von weitem.

    22:5 Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten: Bleibt mit dem Esel hier!
    Ich will mit dem Knaben hingehen und anbeten; dann kommen wir zu
    euch zurück.

    22:6 Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn
    Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So
    gingen beide miteinander.

    22:7 Nach einer Weile sagte Isaak zu seinem Vater Abraham: Vater! Er
    antwortete: Ja, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und
    Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer?

    22:8 Abraham entgegnete: Gott wird sich das Opferlamm aussuchen, mein
    Sohn. Und beide gingen miteinander weiter.

    22:9 Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham
    den Altar, schichtete das Holz auf, fesselte seinen Sohn Isaak und
    legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz.

    22:10 Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen
    Sohn zu schlachten.

    22:11 Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu: Abraham, Abraham!
    Er antwortete: Hier bin ich.

    22:12 Jener sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus, und tu
    ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, daß du Gott fürchtest; du
    hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten.

    22:13 Als Abraham aufschaute, sah er: Ein Widder hatte sich hinter ihm mit
    seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den
    Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.

    22:14 Abraham nannte jenen Ort Jahwe-Jire (Der Herr sieht), wie man noch
    heute sagt: Auf dem Berg läßt sich der Herr sehen.

    22:15 Der Engel des Herrn rief Abraham zum zweitenmal vom Himmel her zu

    22:16 und sprach: Ich habe bei mir geschworen - Spruch des Herrn: Weil du
    das getan hast und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast,

    22:17 will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen zahlreich
    machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine
    Nachkommen sollen das Tor ihrer Feinde einnehmen.
    12,2f; 18,18; 26,4f; 28,14; Gal 3,16

    22:18 Segnen sollen sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil
    du auf meine Stimme gehört hast.

    22:19 Darauf kehrte Abraham zu seinen Jungknechten zurück. Sie machten
    sich auf und gingen miteinander nach Beerscheba. Abraham blieb in
    Beerscheba wohnen.

    Abrahams Verwandtschaft: 22,20-24

    22:20 Nach diesen Ereignissen meldete man Abraham: Auch Milka hat deinem
    Bruder Nahor Söhne geboren:

    22:21 Uz, seinen Erstgeborenen, dessen Bruder Bus sowie Kemu‰l, den
    Stammvater der Aramäer,

    22:22 ferner Kesed, Haso, Pildasch, Jidlaf und Betu‰l.

    22:23 Betu‰l zeugte Rebekka. Diese acht gebar Milka dem Nahor, dem Bruder
    Abrahams. Er hatte noch eine Nebenfrau namens R‰uma.

    22:24 Auch sie bekam Kinder, nämlich Tebach, Gaham, Tahasch und Maacha.

    Saras Tod und Grabstätte: 23,1-20

    23:1 Die Lebenszeit Saras betrug hundertsiebenundzwanzig Jahre; so lange
    lebte Sara.

    23:2 Sie starb in Kirjat-Arba, das jetzt Hebron heißt, in Kanaan. Abraham
    kam, um die Totenklage über sie zu halten und sie zu beweinen.

    23:3 Danach stand Abraham auf, ging von seiner Toten weg und redete mit
    den Hetitern. Er sagte:

    23:4 Fremder und Halbbürger bin ich unter euch. Gebt mir ein Grab bei
    euch als Eigentum, damit ich meine Tote hinausbringen und begraben
    kann.

    23:5 Die Hetiter antworteten Abraham:

    23:6 Hör uns an, Herr! Du bist ein Gottesfürst in unserer Mitte. In der
    vornehmsten unserer Grabstätten darfst du deine Tote begraben.
    Keiner von uns wird dir seine Grabstätte versagen und deiner Toten
    das Begräbnis verweigern.

    23:7 Abraham aber stand auf, verneigte sich tief vor den Bürgern des
    Landes, den Hetitern,

    23:8 verhandelte mit ihnen und sagte: Wenn ihr damit einverstanden seid,
    daß ich meine Tote hinausbringe und begrabe, dann hört mich an, und
    setzt euch für mich ein bei Efron, dem Sohn Zohars!

    23:9 Er soll mir die Höhle von Machpela überlassen, die ihm gehört, am
    Rand seines Grundstücks. Zum vollen Geldwert soll er sie mir
    überlassen als eigene Grabstätte mitten unter euch.

    23:10 Efron saß unter den Hetitern. Der Hetiter Efron antwortete Abraham,
    so daß es die Hetiter, alle, die zum Tor seiner Stadt Zutritt
    hatten, hören konnten:
    die zum Tor Zutritt haben: Am Tor finden die Ratsversammlungen und
    die Gerichtsverhandlungen statt; gemeint sind also die Bürger, die i
    öffentlichen Angelegenheiten am Tor Sitz und Stimme haben.

    23:11 Nein, Herr, hör mich an: Das Grundstück überlasse ich dir, und die
    Höhle darauf überlasse ich dir; in Gegenwart der Söhne meines Volkes
    überlasse ich sie dir. Begrab deine Tote!

    23:12 Da verneigte sich Abraham tief in Gegenwart der Bürger des Landes

    23:13 und sagte zu Efron, so daß es die Bürger des Landes hören konnten:
    Hör mich doch, bitte, an: Ich zahle das Geld für das Grundstück.
    Nimm es von mir an, damit ich dort meine Tote begrabe.

    23:14 Efron antwortete Abraham:

    23:15 Herr, hör mich an! Land im Wert von vierhundert Silberstücken, was
    bedeutet das schon unter uns? Begrab nur deine Tote!

    23:16 Abraham hörte auf Efron und wog ihm den Geldbetrag ab, den er in
    Gegenwart der Hetiter genannt hatte, vierhundert Silberstücke zum
    üblichen Handelswert.

    23:17 So ging das Grundstück Efrons in Machpela bei Mamre, das Feld mit
    der Höhle darauf und mit allen Bäumen auf dem Grundstück in seiner
    ganzen Ausdehnung ringsum,

    23:18 in den Besitz Abrahams über, in Gegenwart der Hetiter, aller, die
    zum Tor seiner Stadt Zutritt hatten.

    23:19 Dann begrub Abraham seine Frau Sara in der Höhle des Grundstücks von
    Machpela bei Mamre, das jetzt Hebron heißt, in Kanaan.

    23:20 Das Grundstück samt der Höhle darauf war also von den Hetitern als
    Grabstätte in den Besitz Abrahams übergegangen.

    Isaak und Rebekka: 24,1-67

    24:1 Abraham war alt und hochbetagt; der Herr hatte ihn mit allem
    gesegnet.

    24:2 Eines Tages sagte er zum Großknecht seines Hauses, der seinen ganzen
    Besitz verwaltete: Leg deine Hand unter meine Hüfte!
    Die Hand unter die Hüfte legen: eine Schwurgebärde (vgl. 47,29).

    24:3 Ich will dir einen Eid beim Herrn, dem Gott des Himmels und der
    Erde, abnehmen, daß du meinem Sohn keine Frau von den Töchtern der
    Kanaaniter nimmst, unter denen ich wohne.

    24:4 Du sollst vielmehr in meine Heimat zu meiner Verwandtschaft reisen
    und eine Frau für meinen Sohn Isaak holen.

    24:5 Der Knecht entgegnete ihm: Vielleicht will aber die Frau mir gar
    nicht hierher in dieses Land folgen. Soll ich dann deinen Sohn in
    das Land zurückbringen, aus dem du ausgewandert bist?
    12,1.4

    24:6 Hüte dich, antwortete ihm Abraham, meinen Sohn dorthin
    zurückzubringen!

    24:7 Der Herr, der Gott des Himmels, der mich weggeholt hat aus dem Haus
    meines Vaters und aus meinem Heimatland, der zu mir gesagt und mir
    geschworen hat: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land!, er wird
    seinen Engel vor dir hersenden, und so wirst du von dort eine Frau
    für meinen Sohn mitbringen.
    13,14-17; 15,17-21

    24:8 Wenn dir aber die Frau nicht folgen will, dann bist du von dem Eid,
    den du mir geleistet hast, entbunden. Meinen Sohn darfst du auf
    keinen Fall dorthin zurückbringen.

    24:9 Da legte der Knecht seine Hand unter die Hüfte seines Herrn Abraham
    und leistete ihm in dieser Sache den Eid.

    24:10 Der Knecht nahm zehn von den Kamelen seines Herrn und machte sich
    mit allerlei kostbaren Sachen aus dem Besitz seines Herrn auf die
    Reise. Er brach auf und zog nach Mesopotamien in die Stadt Nahors.

    24:11 Vor der Stadt ließ er die Kamele am Brunnen lagern. Es war gegen
    Abend, um die Zeit, da die Frauen herauskommen, um Wasser zu
    schöpfen.

    24:12 Er sagte: Herr, Gott meines Herrn Abraham, laß mich heute Glück
    haben, und zeig meinem Herrn Abraham deine Huld!

    24:13 Da stehe ich an der Quelle, und die Töchter der Stadtbewohner werden
    herauskommen, um Wasser zu schöpfen.

    24:14 Das Mädchen, zu dem ich dann sage: Reich mir doch deinen Krug zum
    Trinken!, und das antwortet: Trink nur, auch deine Kamele will ich
    tränken!, sie soll es sein, die du für deinen Knecht Isaak bestimmt
    hast. Daran will ich erkennen, daß du meinem Herrn Huld erweist.

    24:15 Kaum hatte er aufgehört zu sprechen, da kam auch schon aus der Stadt
    Rebekka mit dem Krug auf der Schulter. Sie war dem Betu‰l geboren
    worden, dem Sohn der Milka, die die Frau Nahors, des Bruders
    Abrahams, war.
    11,27-32

    24:16 Das Mädchen war sehr schön, und sie war ledig; noch kein Mann hatte
    sie erkannt. Sie stieg zur Quelle hinab, füllte ihren Krug und kam
    wieder herauf.

    24:17 Da ging der Knecht schnell auf sie zu und sagte: Laß mich ein wenig
    Wasser aus deinem Krug trinken!

    24:18 Trink nur, mein Herr!, antwortete sie, ließ geschwind den Krug auf
    ihre Hand herab und gab ihm zu trinken.

    24:19 Nachdem sie ihm zu trinken gegeben hatte, sagte sie: Auch für deine
    Kamele will ich schöpfen, bis sie sich satt getrunken haben.

    24:20 Flink leerte sie ihren Krug an der Tränke und lief noch einmal an
    den Brunnen zum Schöpfen. So schöpfte sie für alle Kamele.

    24:21 Der Knecht Abrahams schaute ihr schweigend zu; er wollte sehen, ob
    der Herr seine Reise gelingen ließe oder nicht.

    24:22 Als die Kamele mit dem Trinken fertig waren, nahm der Mann einen
    goldenen Nasenreif, einen halben Schekel schwer, und zwei goldene
    Spangen für ihre Arme, zehn Goldschekel schwer,

    24:23 und fragte: Wessen Tochter bist du? Sag mir doch, ob im Haus deines
    Vaters für uns Platz zum Übernachten ist!

    24:24 Sie antwortete ihm: Ich bin die Tochter Betu‰ls, des Sohnes der
    Milka und des Nahor.

    24:25 Weiter sagte sie zu ihm: Stroh und Futter haben wir reichlich, auch
    Platz zum Übernachten.

    24:26 Da verneigte sich der Mann, warf sich vor dem Herrn nieder

    24:27 und sagte: Gepriesen sei der Herr, der Gott meines Herrn Abraham,
    der es meinem Herrn nicht an Huld und Treue fehlen ließ. Der Herr
    hat mich geradewegs zum Haus des Bruders meines Herrn geführt.

    24:28 Das Mädchen lief weg und erzählte im Haus seiner Mutter alles, was
    vorgefallen war.

    24:29 Rebekka hatte einen Bruder namens Laban. Laban eilte zu dem Mann
    hinaus an die Quelle.

    24:30 Er hatte den Nasenreif und an den Händen seiner Schwester die
    Spangen gesehen und hatte gehört, wie seine Schwester Rebekka
    berichtete: So und so hat der Mann zu mir gesagt. Er kam zu dem
    Mann, der bei den Kamelen an der Quelle stand.

    24:31 Laban sagte: Komm, du Gesegneter des Herrn! Warum stehst du hier
    draußen? Ich habe das Haus aufgeräumt und für die Kamele Platz
    gemacht.

    24:32 Da ging der Mann mit ins Haus. Man schirrte die Kamele ab und gab
    ihnen Stroh und Futter. Für ihn und die Männer in seiner Begleitung
    brachte man Wasser zum Füßewaschen.

    24:33 Als man ihm zu essen vorsetzte, sagte der Knecht Abrahams: Ich esse
    nicht, bevor ich nicht mein Anliegen vorgebracht habe. Sie
    antworteten: Rede!

    24:34 Da berichtete er: Ein Knecht Abrahams bin ich.

    24:35 Der Herr hat meinen Herrn reichlich gesegnet, so daß er zu großem
    Vermögen gekommen ist. Er hat ihm Schafe und Rinder, Silber und
    Gold, Knechte und Mägde, Kamele und Esel gegeben.

    24:36 Sara, die Frau meines Herrn, hat meinem Herrn noch in ihrem Alter
    einen Sohn geboren. Ihm vermacht er alles, was ihm gehört.

    24:37 Mein Herr hat mir den Eid abgenommen: Du darfst für meinen Sohn
    keine Frau von den Töchtern der Kanaaniter nehmen, in deren Land ich
    wohne.

    24:38 Reise vielmehr zum Haus meines Vaters und zu meiner Verwandtschaft,
    und hol eine Frau für meinen Sohn!

    24:39 Ich entgegnete meinem Herrn: Vielleicht will aber die Frau nicht
    mitkommen.

    24:40 Darauf antwortete er mir: Der Herr, vor dem ich meinen Weg gegangen
    bin, wird dir seinen Engel mitschicken und deine Reise gelingen
    lassen. Du wirst schon eine Frau für meinen Sohn mitbringen aus
    meiner Verwandtschaft, aus dem Haus meines Vaters.

    24:41 Von dem Eid, den du mir geleistet hast, sollst du dann entbunden
    sein, wenn du zu meinen Verwandten kommst und sie dir keine Frau
    geben. In diesem Fall bist du von dem Eid, den du mir geleistet
    hast, entbunden.

    24:42 So kam ich heute an die Quelle und sagte: Herr, Gott meines Herrn
    Abraham, laß doch die Reise gelingen, auf der ich mich befinde.

    24:43 Da stehe ich nun an der Quelle. Kommt ein Mädchen aus der Stadt
    heraus, um Wasser zu schöpfen, dann will ich sagen: Gib mir doch aus
    deinem Krug ein wenig Wasser zu trinken!

    24:44 Sagt sie zu mir: Trink nur! Auch für deine Kamele will ich
    schöpfen!, so soll es die Frau sein, die der Herr für den Sohn
    meines Herrn bestimmt hat.

    24:45 Kaum hatte ich so zu mir gesagt, kam auch schon Rebekka mit dem Krug
    auf der Schulter heraus, stieg zur Quelle hinunter und schöpfte. Ich
    redete sie an: Gib mir doch zu trinken!

    24:46 Da setzte sie geschwind ihren Krug ab und sagte: Trink nur! Auch
    deine Kamele will ich tränken. Ich trank, und sie gab auch den
    Kamelen zu trinken.

    24:47 Als ich sie fragte: Wessen Tochter bist du?, antwortete sie: Die
    Tochter Betu‰ls, des Sohnes Nahors, den ihm Milka gebar. Da legte
    ich ihr den Reif an die Nase und die Spangen um die Arme.

    24:48 Ich verneigte mich, warf mich vor dem Herrn nieder und pries den
    Herrn, den Gott meines Herrn Abraham, der mich geradewegs hierher
    geführt hat, um die Tochter des Bruders meines Herrn für dessen Sohn
    zu holen.

    24:49 Jetzt aber sagt mir, ob ihr geneigt seid, meinem Herrn Wohlwollen
    und Vertrauen zu schenken. Wenn nicht, so gebt mir ebenfalls
    Bescheid, damit ich mich dann anderswohin wende.

    24:50 Daraufhin antworteten Laban und Betu‰l: Die Sache ist vom Herrn
    ausgegangen. Wir können dir weder ja noch nein sagen.

    24:51 Da, Rebekka steht vor dir. Nimm sie und geh! Sie soll die Frau des
    Sohnes deines Herrn werden, wie der Herr es gefügt hat.

    24:52 Als der Knecht Abrahams ihre Antwort hörte, warf er sich vor dem
    Herrn zur Erde nieder.

    24:53 Dann holte der Knecht silbernen und goldenen Schmuck und Kleider
    hervor und schenkte sie Rebekka. Auch ihrem Bruder und ihrer Mutter
    überreichte er kostbare Geschenke.

    24:54 Er und die Männer seiner Begleitung aßen und tranken und gingen dann
    schlafen. Als sie am Morgen aufstanden, sagte der Knecht: Entlaßt
    mich jetzt zu meinem Herrn!

    24:55 Der Bruder Rebekkas und ihre Mutter antworteten: Das Mädchen soll
    noch eine Zeitlang bei uns bleiben, etwa zehn Tage, dann mag sie
    sich auf die Reise begeben.

    24:56 Haltet mich nicht auf, antwortete er ihnen, der Herr hat meine Reise
    gelingen lassen. Laßt mich also zu meinem Herrn zurückkehren!

    24:57 Sie entgegneten: Wir wollen das Mädchen rufen und es selbst fragen.

    24:58 Sie riefen Rebekka und fragten sie: Willst du mit diesem Mann
    reisen? Ja, antwortete sie.

    24:59 Da ließen sie ihre Schwester Rebekka und ihre Amme mit dem Knecht
    Abrahams und seinen Leuten ziehen.

    24:60 Sie segneten Rebekka und sagten zu ihr: Du, unsere Schwester, werde
    Mutter von tausendmal Zehntausend! Deine Nachkommen sollen besetzen
    das Tor ihrer Feinde.
    22,17

    24:61 Rebekka brach mit ihren Mägden auf. Sie bestiegen die Kamele und
    folgten dem Mann. Der Knecht nahm Rebekka mit und trat die Rückreise
    an.

    24:62 Isaak war in die Gegend des Brunnens von Lahai-Ro‹ gekommen und
    hatte sich im Negeb niedergelassen.
    Zu diesem Brunnen vgl. 16,13f; 25,11.

    24:63 Eines Tages ging Isaak gegen Abend hinaus, um sich auf dem Feld zu
    beschäftigen. Als er aufblickte, sah er: Kamele kamen daher.

    24:64 Auch Rebekka blickte auf und sah Isaak. Sie ließ sich vom Kamel
    herunter

    24:65 und fragte den Knecht: Wer ist der Mann dort, der uns auf dem Feld
    entgegenkommt? Der Knecht erwiderte: Das ist mein Herr. Da nahm sie
    den Schleier und verhüllte sich.

    24:66 Der Knecht erzählte Isaak alles, was er ausgerichtet hatte.

    24:67 Isaak führte Rebekka in das Zelt seiner Mutter Sara. Er nahm sie zu
    sich, und sie wurde seine Frau. Isaak gewann sie lieb und tröstete
    sich so über den Verlust seiner Mutter.

    Die Nachkommen Abrahams: 25,1-6

    25:1 Abraham nahm sich noch eine andere Frau, namens Ketura.

    25:2 Sie gebar ihm Simran, Jokschan, Medan, Midian, Jischbak und Schuach.

    25:3 Jokschan zeugte Scheba und Dedan. Die Söhne Dedans waren die
    Aschuriter, die Letuschiter und die L‰ummiter.

    25:4 Die Söhne Midians waren Efa, Efer, Henoch, Abida und Eldaga. Sie
    alle waren Söhne Keturas.

    25:5 Abraham vermachte Isaak alles, was ihm gehörte.

    25:6 Den Söhnen der Nebenfrauen, die er hatte, gab Abraham Geschenke und
    schickte sie noch zu seinen Lebzeiten weg nach Osten, ins
    Morgenland, weit weg von seinem Sohn Isaak.

    Abrahams Tod und Begräbnis: 25,7-11

    25:7 Das ist die Zahl der Lebensjahre Abrahams: Hundertfünfundsiebzig
    Jahre wurde er alt,

    25:8 dann verschied er. Er starb in hohem Alter, betagt und lebenssatt,
    und wurde mit seinen Vorfahren vereint.

    25:9 Seine Söhne Isaak und Ismael begruben ihn in der Höhle von Machpela
    bei Mamre, auf dem Grundstück des Hetiters Efron, des Sohnes Zohars,

    25:10 auf dem Grundstück, das Abraham von den Hetitern gekauft hatte. Dort
    sind Abraham und seine Frau Sara begraben.
    23,16-18

    25:11 Nach dem Tod Abrahams segnete Gott seinen Sohn Isaak, und Isaak ließ
    sich beim Brunnen Lahai-Ro‹ nieder.

    Der Stammbaum der Ismaeliter: 25,12-18

    25:12 Das ist die Geschlechterfolge nach Ismael, dem Sohn Abrahams. Ihn
    hatte die Ägypterin Hagar, die Magd Saras, Abraham geboren.

    25:13 Das sind die Söhne Ismaels nach ihren Namen und nach ihrer
    Geschlechterfolge: Der Erstgeborene Ismaels war Nebajot; dann kamen
    Kedar, Adbeel, Mibsam,

    25:14 Mischma, Duma, Massa,

    25:15 Hadad, Tema, Jetur, Nafisch und Kedma.

    25:16 Das waren die Söhne Ismaels, und das waren die Namen, die sie in
    ihren Siedlungen und Zeltlagern trugen: zwölf Fürsten, je einer für
    einen Stamm.

    25:17 Und das ist die Zahl der Lebensjahre Ismaels:
    hundertsiebenunddreißig Jahre. Dann verschied er und wurde mit
    seinen Vorfahren vereint.

    25:18 Ihr Siedlungsgebiet reichte von Hawila bis Schur, das Ägypten
    gegenüber an der Straße nach Assur liegt. Über alle seine Brüder
    fiel er her.

    Geburt Esaus und Jakobs: 25,19-26

    25:19 Und das ist die Geschlechterfolge nach Isaak, dem Sohn Abrahams:
    Abraham zeugte Isaak.

    25:20 Isaak war vierzig Jahre alt, als er Rebekka zur Frau nahm. Sie war
    die Tochter des Aramäers Betu‰l aus Paddan-Aram, eine Schwester des
    Aramäers Laban.

    25:21 Isaak betete zum Herrn für seine Frau, denn sie war kinderlos
    geblieben, und der Herr ließ sich von ihm erbitten. Als seine Frau
    Rebekka schwanger war,

    25:22 stießen die Söhne einander im Mutterleib. Da sagte sie: Wenn das so
    ist, was soll dann aus mir werden? Sie ging, um den Herrn zu
    befragen.

    25:23 Der Herr gab diese Antwort: Zwei Völker sind in deinem Leib, zwei
    Stämme trennen sich schon in deinem Schoß. Ein Stamm ist dem andern
    überlegen, der ältere muß dem jüngeren dienen.

    25:24 Als die Zeit ihrer Niederkunft gekommen war, zeigte es sich, daß sie
    Zwillinge in ihrem Leib trug.

    25:25 Der erste, der kam, war rötlich, über und über mit Haaren bedeckt
    wie mit einem Fell. Man nannte ihn Esau.

    25:26 Darauf kam sein Bruder; seine Hand hielt die Ferse Esaus fest. Man
    nannte ihn Jakob (Fersenhalter). Isaak war sechzig Jahre alt, als
    sie geboren wurden.

    Verkauf des Erstgeburtsrechts an Jakob: 25,27-34

    25:27 Die Knaben wuchsen heran. Esau war ein Mann geworden, der sich auf
    die Jagd verstand, ein Mann des freien Feldes. Jakob dagegen war ein
    untadeliger Mann und blieb bei den Zelten.

    25:28 Isaak hatte Esau lieber, denn er aß gern Wildbret; Rebekka aber
    hatte Jakob lieber.

    25:29 Einst hatte Jakob ein Gericht zubereitet, als Esau erschöpft vom
    Feld kam.

    25:30 Da sagte Esau zu Jakob: Gib mir doch etwas zu essen von dem Roten,
    von dem Roten da, ich bin ganz erschöpft. Deshalb heißt er Edom
    (Roter).

    25:31 Jakob gab zur Antwort: Dann verkauf mir jetzt sofort dein
    Erstgeburtsrecht!

    25:32 Schau, ich sterbe vor Hunger, sagte Esau, was soll mir da das
    Erstgeburtsrecht?

    25:33 Jakob erwiderte: Schwör mir jetzt sofort! Da schwor er ihm und
    verkaufte sein Erstgeburtsrecht an Jakob.
    Hebr 12,16f

    25:34 Darauf gab Jakob dem Esau Brot und Linsengemüse; er aß und trank,
    stand auf und ging seines Weges. Vom Erstgeburtsrecht aber hielt
    Esau nichts.

    Isaak in Gerar: 26,1-22

    26:1 Im Land brach eine Hungersnot aus, eine andere als die frühere zur
    Zeit Abrahams. Isaak begab sich nach Gerar zu Abimelech, dem König
    der Philister.
    (1-11) 12,10-20; 20,1-18

    26:2 Da erschien ihm der Herr und sprach: Geh nicht nach Ägypten
    hinunter, bleib in dem Land wohnen, das ich dir verspreche.

    26:3 Halte dich als Fremder in diesem Land auf! Ich will mit dir sein und
    dich segnen. Denn dir und deinen Nachkommen gebe ich alle diese
    Länder und erfülle den Eid, den ich deinem Vater Abraham geleistet
    habe.
    15,18-21

    26:4 Ich mache deine Nachkommen zahlreich wie die Sterne am Himmel und
    gebe ihnen alle diese Länder. Mit deinen Nachkommen werden alle
    Völker der Erde sich segnen,
    15,5; 12,3; 18,18; 22,18; 28,14

    26:5 weil Abraham auf meinen Ruf gehört und weil er auf meine
    Anordnungen, Gebote, Satzungen und Weisungen geachtet hat.

    26:6 Isaak blieb also in Gerar.

    26:7 Als sich die Männer des Ortes nach seiner Frau erkundigten, sagte
    er: Sie ist meine Schwester. Er fürchtete sich nämlich zu sagen: Sie
    ist meine Frau. Er dachte: Die Männer des Ortes könnten mich sonst
    wegen Rebekka umbringen. Sie war nämlich schön.

    26:8 Nachdem er längere Zeit dort zugebracht hatte, schaute einmal
    Abimelech, der König der Philister, durch das Fenster und sah
    gerade, wie Isaak seine Frau Rebekka liebkoste.

    26:9 Da rief Abimelech Isaak und sagte: Sie ist ja deine Frau. Wie
    konntest du behaupten, sie sei deine Schwester? Da antwortete ihm
    Isaak: Ich sagte mir: Ich möchte nicht ihretwegen sterben.

    26:10 Abimelech entgegnete: Was hast du uns da angetan? Beinahe hätte
    einer der Leute mit deiner Frau geschlafen; dann hättest du über uns
    Schuld gebracht.

    26:11 Abimelech ordnete für das ganze Volk an: Wer diesen Mann oder seine
    Frau anrührt, wird mit dem Tod bestraft.

    26:12 Isaak säte in diesem Land, und er erntete in diesem Jahr
    hundertfältig. Der Herr segnete ihn;

    26:13 der Mann wurde reicher und reicher, bis er sehr wohlhabend war.

    26:14 Er besaß Schafe, Ziegen und Rinder und zahlreiches Gesinde, so daß
    ihn die Philister beneideten.

    26:15 Die Philister schütteten alle Brunnen zu, die die Knechte zur Zeit
    seines Vaters Abraham gegraben hatten, und füllten sie mit Erde.

    26:16 Da sagte Abimelech zu Isaak: Zieh von uns fort; denn du bist uns
    viel zu mächtig geworden.

    26:17 Isaak zog fort, schlug sein Lager im Tal von Gerar auf und ließ sich
    dort nieder.

    26:18 Die Brunnen, die man zur Zeit seines Vaters Abraham gegraben hatte
    und die die Philister nach dem Tod Abrahams zugeschüttet hatten,
    ließ Isaak wieder aufgraben und gab ihnen dieselben Namen, die ihnen
    sein Vater gegeben hatte.

    26:19 Die Knechte Isaaks gruben in der Talsohle und fanden dort einen
    Brunnen mit frischem Wasser.

    26:20 Die Hirten von Gerar stritten mit den Hirten Isaaks und behaupteten:
    Uns gehört das Wasser. Da nannte er den Brunnen Esek (Zank), denn
    sie hatten mit ihm gezankt.

    26:21 Als sie einen anderen Brunnen gruben, stritten sie auch um ihn; so
    nannte er ihn Sitna (Streit).

    26:22 Darauf brach er von dort auf und grub wieder einen anderen Brunnen.
    Um ihn stritten sie nicht mehr. Da nannte er ihn Rehobot (Weite) und
    sagte: Jetzt hat uns der Herr weiten Raum verschafft, und wir sind
    im Land fruchtbar geworden.

    Isaak in Beerscheba: 26,23-35

    26:23 Von dort zog er nach Beerscheba hinauf.

    26:24 In jener Nacht erschien ihm der Herr und sprach: Ich bin der Gott
    deines Vaters Abraham. Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir. Ich
    segne dich und mache deine Nachkommen zahlreich wegen meines
    Knechtes Abraham.

    26:25 Dort baute er einen Altar, rief den Namen des Herrn an und schlug
    sein Zelt auf. Isaaks Knechte hoben dort einen Brunnen aus.

    26:26 Eines Tages kam zu ihm Abimelech aus Gerar mit seinem Vertrauten
    Ahusat und seinem Feldherrn Pichol.

    26:27 Isaak sagte zu ihnen: Weshalb kommt ihr zu mir? Ihr seid mir doch
    feind und habt mich aus eurem Gebiet ausgewiesen.

    26:28 Sie entgegneten: Wir haben deutlich gesehen, daß der Herr mit dir
    ist, und wir dachten: Zwischen uns und dir sollte ein Eid stehen.
    Wir wollen mit dir einen Vertrag schließen:

    26:29 Du wirst uns nichts Böses zufügen, wie auch wir dich nicht
    angetastet haben; wir haben dir nur Gutes erwiesen und dich in
    Frieden ziehen lassen. Du bist nun einmal der Gesegnete des Herrn.

    26:30 Da bereitete er ihnen ein Mahl, und sie aßen und tranken.

    26:31 Früh am Morgen standen sie auf und leisteten einander den Eid. Isaak
    entließ sie, und sie schieden von ihm in Frieden.

    26:32 Am selben Tag kamen die Knechte Isaaks und erzählten ihm von dem
    Brunnen, den sie gegraben hatten. Sie meldeten ihm: Wir haben Wasser
    gefunden.

    26:33 Da nannte er ihn Schiba (Eid); darum heißt die Stadt bis auf den
    heutigen Tag Beerscheba (Eidbrunn).
    21,31

    26:34 Als Esau vierzig Jahre alt war, nahm er Judit, die Tochter des
    Hetiters Beeri, und Basemat, die Tochter des Hetiters Elon, zu
    Frauen.

    26:35 Sie wurden für Isaak und Rebekka Anlaß zu bitterem Gram.

    Der Erstgeburtssegen: 27,1-40

    27:1 Als Isaak alt geworden und seine Augen erloschen waren, so daß er
    nicht mehr sehen konnte, rief er seinen älteren Sohn Esau und sagte
    zu ihm: Mein Sohn! Er antwortete: Hier bin ich.

    27:2 Da sagte Isaak: Du siehst, ich bin alt geworden. Ich weiß nicht,
    wann ich sterbe.

    27:3 Nimm jetzt dein Jagdgerät, deinen Köcher und deinen Bogen, geh aufs
    Feld, und jag mir ein Wild!

    27:4 Bereite mir dann ein leckeres Mahl, wie ich es gern mag, und bring
    es mir zum Essen, damit ich dich segne, bevor ich sterbe.

    27:5 Rebekka hatte das Gespräch zwischen Isaak und seinem Sohn Esau mit
    angehört. Als Esau zur Jagd aufs Feld gegangen war, um ein Wild
    herbeizuschaffen,

    27:6 sagte Rebekka zu ihrem Sohn Jakob: Ich habe gehört, wie dein Vater
    zu deinem Bruder Esau gesagt hat:

    27:7 Hol mir ein Wild, und bereite mir ein leckeres Mahl zum Essen; dann
    will ich dich vor dem Herrn segnen, bevor ich sterbe.

    27:8 Nun hör genau zu, mein Sohn, was ich dir auftrage:

    27:9 Geh zur Herde, und bring mir von dort zwei schöne Ziegenböckchen!
    Ich will damit ein leckeres Mahl für deinen Vater zubereiten, wie er
    es gern mag.

    27:10 Du bringst es dann deinem Vater zum Essen, damit er dich vor seinem
    Tod segnet.

    27:11 Jakob antwortete seiner Mutter Rebekka: Mein Bruder Esau ist aber
    behaart, und ich habe eine glatte Haut.

    27:12 Vielleicht betastet mich mein Vater; dann könnte er meinen, ich
    hielte ihn zum besten, und ich brächte Fluch über mich statt Segen.

    27:13 Seine Mutter entgegnete: Dein Fluch komme auf mich, mein Sohn. Hör
    auf mich, geh und hol mir die Böckchen!

    27:14 Da ging er hin, holte sie und brachte sie seiner Mutter. Sie
    bereitete ein leckeres Mahl zu, wie es sein Vater gern mochte.

    27:15 Dann holte Rebekka die Feiertagskleider ihres älteren Sohnes Esau,
    die sie bei sich im Haus hatte, und zog sie ihrem jüngeren Sohn
    Jakob an.

    27:16 Die Felle der Ziegenböckchen legte sie um seine Hände und um seinen
    glatten Hals.

    27:17 Dann übergab sie das leckere Essen und das Brot, das sie zubereitet
    hatte, ihrem Sohn Jakob.

    27:18 Er ging zu seinem Vater hinein und sagte: Mein Vater! Ja, antwortete
    er, wer bist du, mein Sohn?

    27:19 Jakob entgegnete seinem Vater: Ich bin Esau, dein Erstgeborener. Ich
    habe getan, wie du mir gesagt hast. Setz dich auf, iß von meinem
    Wildbret, und dann segne mich!

    27:20 Da sagte Isaak zu seinem Sohn: Wie hast du nur so schnell etwas
    finden können, mein Sohn? Er antwortete: Der Herr, dein Gott, hat es
    mir entgegenlaufen lassen.

    27:21 Da sagte Isaak zu Jakob: Komm näher heran! Ich will dich betasten,
    mein Sohn, ob du wirklich mein Sohn Esau bist oder nicht.

    27:22 Jakob trat zu seinem Vater Isaak hin. Isaak betastete ihn und sagte:
    Die Stimme ist zwar Jakobs Stimme, die Hände aber sind Esaus Hände.

    27:23 Er erkannte ihn nicht, denn Jakobs Hände waren behaart wie die
    seines Bruders Esau, und so segnete er ihn.

    27:24 Er fragte: Bist du es, mein Sohn Esau? Ja, entgegnete er.

    27:25 Da sagte Isaak: Bring es mir! Ich will von dem Wildbret meines
    Sohnes essen und dich dann segnen. Jakob brachte es ihm, und Isaak
    aß. Dann reichte er ihm auch Wein, und Isaak trank.

    27:26 Nun sagte sein Vater Isaak zu ihm: Komm näher, und küß mich, mein
    Sohn!

    27:27 Er trat näher und küßte ihn. Isaak roch den Duft seiner Kleider, er
    segnete ihn und sagte: Ja, mein Sohn duftet wie das Feld, das der
    Herr gesegnet hat.

    27:28 Gott gebe dir vom Tau des Himmels, vom Fett der Erde, viel Korn und
    Most.

    27:29 Dienen sollen dir die Völker, Stämme sich vor dir niederwerfen, Herr
    sollst du über deine Brüder sein. Die Söhne deiner Mutter sollen dir
    huldigen. Verflucht, wer dich verflucht. Gesegnet, wer dich segnet.

    27:30 Kaum hatte Isaak Jakob gesegnet und war Jakob von seinem Vater Isaak
    weggegangen, da kam sein Bruder Esau von der Jagd.
    (30-40) Hebr 12,16f

    27:31 Auch er bereitete ein leckeres Mahl, brachte es seinem Vater und
    sagte zu ihm: Mein Vater richte sich auf und esse von dem Wildbret
    seines Sohnes, damit du mich dann segnest.

    27:32 Da fragte ihn sein Vater Isaak: Wer bist du? Er antwortete: Ich bin
    dein Sohn Esau, dein Erstgeborener.

    27:33 Da überkam Isaak ein heftiges Zittern, und er fragte: Wer war es
    denn, der das Wildbret gejagt und es mir gebracht hat? Ich habe von
    allem gegessen, bevor du gekommen bist, und ich habe ihn gesegnet;
    gesegnet wird er auch bleiben.

    27:34 Als Esau die Worte seines Vaters hörte, schrie er heftig auf, aufs
    äußerste verbittert, und sagte zu seinem Vater: Segne auch mich,
    Vater!

    27:35 Er entgegnete: Dein Bruder ist mit List gekommen und hat dir den
    Segen weggenommen.

    27:36 Da sagte Esau: Hat man ihn nicht Jakob (Betrüger) genannt? Er hat
    mich jetzt schon zweimal betrogen: Mein Erstgeburtsrecht hat er mir
    genommen, jetzt nimmt er mir auch noch den Segen. Dann sagte er:
    Hast du mir keinen Segen aufgehoben?
    Der Name Jakob ist mehrdeutig: ®Fersenhalter¯ (vgl. 25,26) und
    ®Betrüger¯ (vgl. Hos 12,4; Jer 9,3).

    27:37 Isaak antwortete und sagte zu Esau: Ich habe ihn zum Herrn über dich
    gemacht, und alle seine Brüder habe ich ihm als Knechte gegeben.
    Auch mit Korn und Most habe ich ihn versorgt. Was kann ich da noch
    für dich tun, mein Sohn?

    27:38 Da sagte Esau zu seinem Vater: Hattest du denn nur einen einzigen
    Segen, Vater? Segne auch mich, Vater! Und Esau begann laut zu
    weinen.

    27:39 Sein Vater Isaak antwortete ihm und sprach: Fern vom Fett der Erde
    mußt du wohnen, fern vom Tau des Himmels droben.

    27:40 Von deinem Schwert wirst du leben. Deinem Bruder wirst du dienen.
    Doch hältst du durch, so streifst du ab sein Joch von deinem Nacken.

    Jakobs Flucht nach Haran: 27,41 - 28,22

    27:41 Esau war dem Jakob feind wegen des Segens, mit dem ihn sein Vater
    gesegnet hatte, und Esau sagte: Es nähern sich die Tage der Trauer
    um meinen Vater; dann werde ich meinen Bruder Jakob umbringen.

    27:42 Als man Rebekka hinterbrachte, was ihr ältester Sohn Esau gesagt
    hatte, ließ sie Jakob, ihren jüngeren Sohn, rufen und sagte zu ihm:
    Dein Bruder Esau will sich an dir rächen und dich töten.

    27:43 Nun aber, mein Sohn, hör auf mich! Mach dich auf und flieh zu meinem
    Bruder Laban nach Haran!

    27:44 Bleib einige Zeit bei ihm, bis sich der Groll deines Bruders gelegt
    hat.

    27:45 Wenn der Zorn deines Bruders von dir abgelassen und er vergessen
    hat, was du ihm angetan hast, werde ich dich von dort holen lassen.
    Warum soll ich euch beide an einem Tag verlieren?

    27:46 Zu Isaak sagte Rebekka: Mein Leben ekelt mich wegen der
    Hetiterinnen. Wenn Jakob so eine Hetiterin, eine Einheimische, zur
    Frau nimmt, was liegt mir dann noch am Leben?
    26,34f

    28:1 Isaak rief Jakob, segnete ihn und befahl ihm: Nimm keine
    Kanaaniterin zur Frau!

    28:2 Mach dich auf, geh nach Paddan-Aram, zum Haus Betu‰ls, des Vaters
    deiner Mutter! Hol dir von dort eine Frau, eine von den Töchtern
    Labans, des Bruders deiner Mutter!

    28:3 Gott der Allmächtige wird dich segnen, er wird dich fruchtbar machen
    und vermehren: Zu einer Schar von Völkern wirst du werden.
    17,6-8

    28:4 Er wird dir und mit dir auch deinen Nachkommen den Segen Abrahams
    verleihen, damit du das Land in Besitz nimmst, in dem du als Fremder
    lebst, das aber Gott Abraham gegeben hat.

    28:5 Isaak verabschiedete Jakob, und Jakob zog nach Paddan-Aram zu Laban,
    dem Sohn des Aramäers Betu‰l. Dieser war der Bruder Rebekkas, der
    Mutter Jakobs und Esaus.

    28:6 Esau sah, daß Isaak Jakob segnete und nach Paddan-Aram schickte,
    damit er sich von dort eine Frau holt. Als er ihn segnete, trug er
    ihm auf: Nimm dir keine Kanaaniterin zur Frau!

    28:7 Jakob hörte auf seinen Vater und seine Mutter und begab sich auf den
    Weg nach Paddan-Aram.

    28:8 Als Esau merkte, daß die Kanaaniterinnen seinem Vater Isaak nicht
    gefielen,

    28:9 ging er zu Ismael und nahm zu seinen Frauen noch Mahalat als Frau
    hinzu, die Schwester Nebajots, die Tochter Ismaels, des Sohnes
    Abrahams.

    28:10 Jakob zog aus Beerscheba weg und ging nach Haran.

    28:11 Er kam an einen bestimmten Ort, wo er übernachtete, denn die Sonne
    war untergegangen. Er nahm einen von den Steinen dieses Ortes, legte
    ihn unter seinen Kopf und schlief dort ein.

    28:12 Da hatte er einen Traum: Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand
    und bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und
    nieder.

    28:13 Und siehe, der Herr stand oben und sprach: Ich bin der Herr, der
    Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Das Land, auf dem du
    liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben.

    28:14 Deine Nachkommen werden zahlreich sein wie der Staub auf der Erde.
    Du wirst dich unaufhaltsam ausbreiten nach Westen und Osten, nach
    Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen werden alle
    Geschlechter der Erde Segen erlangen.
    13,16; 12,3; 18,18; 22,18; 26,4

    28:15 Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe
    dich zurück in dieses Land. Denn ich verlasse dich nicht, bis ich
    vollbringe, was ich dir versprochen habe.

    28:16 Jakob erwachte aus seinem Schlaf und sagte: Wirklich, der Herr ist
    an diesem Ort, und ich wußte es nicht.

    28:17 Furcht überkam ihn, und er sagte: Wie ehrfurchtgebietend ist doch
    dieser Ort! Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor
    des Himmels.

    28:18 Jakob stand früh am Morgen auf, nahm den Stein, den er unter seinen
    Kopf gelegt hatte, stellte ihn als Steinmal auf und goß Öl darauf.

    28:19 Dann gab er dem Ort den Namen Bet-El (Gotteshaus). Früher hieß die
    Stadt Lus.

    28:20 Jakob machte das Gelübde: Wenn Gott mit mir ist und mich auf diesem
    Weg, den ich eingeschlagen habe, behütet, wenn er mir Brot zum Essen
    und Kleider zum Anziehen gibt,

    28:21 wenn ich wohlbehalten heimkehre in das Haus meines Vaters und der
    Herr sich mir als Gott erweist,

    28:22 dann soll der Stein, den ich als Steinmal aufgestellt habe, ein
    Gotteshaus werden, und von allem, was du mir schenkst, will ich dir
    den zehnten Teil geben.

    Jakobs Frauen und Söhne: 29,1 - 30,24

    29:1 Jakob machte sich auf und zog weiter ins Land der Söhne des Ostens.
    1-30,24: Jakobs Ehe mit zwei Schwestern widerspricht Lev 18,18,
    wird aber vor der Gesetzgebung vom Sinai nicht beanstandet. Zu den
    Söhnen von den zwei Mägden vgl. die Anmerkung zu 16,2.

    29:2 Eines Tages sah er einen Brunnen auf freiem Feld. Dort lagerten drei
    Herden von Schafen und Ziegen; denn aus dem Brunnen tränkte man die
    Herden. Ein großer Stein lag über der Brunnenöffnung.

    29:3 Wenn sich dort alle Herden eingefunden hatten, schob man den Stein
    von der Brunnenöffnung und tränkte das Vieh. Dann schob man den
    Stein wieder zurück an seinen Platz über der Brunnenöffnung.

    29:4 Jakob fragte die Leute dort: Meine Brüder, woher seid ihr? Aus
    Haran, antworteten sie.

    29:5 Da sagte er zu ihnen: Kennt ihr Laban, den Sohn Nahors? Ja, wir
    kennen ihn, antworteten sie.

    29:6 Weiter fragte er sie: Geht es ihm gut? Sie entgegneten: Ja, es geht
    ihm gut. Aber da kommt gerade seine Tochter Rahel mit der Herde.

    29:7 Da sagte er: Es ist noch mitten am Tag und nicht die Zeit, das Vieh
    zusammenzutreiben. Tränkt doch die Tiere, dann geht, und weidet
    weiter!

    29:8 Da sagten sie: Das können wir nicht, bevor nicht alle Herden sich
    eingefunden haben. Erst dann kann man den Stein von der
    Brunnenöffnung wegschieben und die Tiere tränken.

    29:9 Während er sich noch mit ihnen unterhielt, war Rahel mit der Herde,
    die ihrem Vater gehörte, eingetroffen; denn sie war Hirtin.

    29:10 Als Jakob Rahel, die Tochter Labans, des Bruders seiner Mutter, und
    dessen Herde sah, trat er hinzu, schob den Stein von der
    Brunnenöffnung und tränkte das Vieh Labans, des Bruders seiner
    Mutter.

    29:11 Dann küßte er Rahel und begann laut zu weinen.

    29:12 Jakob sagte zu Rahel, daß er ein Bruder ihres Vaters und der Sohn
    Rebekkas sei. Da lief sie weg und erzählte es ihrem Vater.

    29:13 Als Laban von Jakob, dem Sohn seiner Schwester, hörte, lief er ihm
    entgegen; er umarmte und küßte ihn und führte ihn in sein Haus.
    Jakob erzählte Laban die ganze Geschichte.

    29:14 Da erwiderte ihm Laban: Du bist wirklich mein Bein und mein Fleisch.
    Als Jakob etwa einen Monat bei ihm geblieben war,
    Zu der Redensart vgl. die Anmerkung zu 2,21-23.

    29:15 sagte Laban zu ihm: Sollst du mir umsonst dienen, weil du mein
    Bruder bist? Sag mir, welchen Lohn du haben willst.

    29:16 Laban hatte zwei Töchter; die ältere hieß Lea, die jüngere Rahel.

    29:17 Die Augen Leas waren matt, Rahel aber war schön von Gestalt und
    hatte ein schönes Gesicht.

    29:18 Jakob hatte Rahel lieb, und so sagte er: Ich will dir um die jüngere
    Tochter Rahel sieben Jahre dienen.

    29:19 Laban entgegnete: Es ist besser, ich gebe sie dir als einem anderen.
    Bleib bei mir!

    29:20 Jakob diente also um Rahel sieben Jahre. Weil er sie liebte, kamen
    sie ihm wie wenige Tage vor.
    Hos 12,13

    29:21 Dann aber sagte er zu Laban: Gib mir jetzt meine Frau; denn meine
    Zeit ist um, und ich will nun zu ihr gehen.

    29:22 Da ließ Laban alle Männer des Ortes zusammenkommen und veranstaltete
    ein Festmahl.

    29:23 Am Abend nahm er aber seine Tochter Lea, führte sie zu ihm, und
    Jakob wohnte ihr bei.

    29:24 Laban gab seine Magd Silpa seiner Tochter Lea zur Magd.

    29:25 Am Morgen stellte sich heraus: Es war Lea. Da sagte Jakob zu Laban:
    Was hast du mir angetan? Habe ich dir denn nicht um Rahel gedient?
    Warum hast du mich hintergangen?

    29:26 Laban erwiderte: Es ist hierzulande nicht üblich, die Jüngere vor
    der Älteren zur Ehe zu geben.

    29:27 Verbring mit dieser noch die Brautwoche, dann soll dir auch die
    andere gehören um weitere sieben Jahre Dienst.

    29:28 Jakob ging darauf ein. Er verbrachte mit Lea die Brautwoche, dann
    gab ihm Laban seine Tochter Rahel zur Frau.

    29:29 Laban gab seine Magd Bilha seiner Tochter Rahel zur Magd.

    29:30 Jakob wohnte Rahel ebenfalls bei, und er liebte Rahel mehr als Lea.
    Er blieb noch weitere sieben Jahre bei Laban im Dienst.

    29:31 Als der Herr sah, daß Lea zurückgesetzt wurde, öffnete er ihren
    Mutterschoß, Rahel aber blieb unfruchtbar.

    29:32 Lea wurde schwanger und gebar einen Sohn. Sie nannte ihn Ruben
    (Seht, ein Sohn!); denn sie sagte: Der Herr hat mein Elend gesehen.
    Jetzt wird mein Mann mich lieben.

    29:33 Sie wurde abermals schwanger und gebar einen Sohn. Da sagte sie: Der
    Herr hat gehört, daß ich zurückgesetzt bin, und hat mir auch noch
    diesen geschenkt. Sie nannte ihn Simeon (Hörer).

    29:34 Sie wurde noch einmal schwanger und gebar einen Sohn. Da sagte sie:
    Jetzt endlich wird mein Mann an mir hängen, denn ich habe ihm drei
    Söhne geboren. Darum nannte sie ihn Levi (Anhang).

    29:35 Abermals wurde sie schwanger und gebar einen Sohn. Da sagte sie:
    Diesmal will ich dem Herrn danken. Darum nannte sie ihn Juda (Dank).
    Dann bekam sie keine Kinder mehr.

    30:1 Als Rahel sah, daß sie Jakob keine Kinder gebar, wurde sie
    eifersüchtig auf ihre Schwester. Sie sagte zu Jakob: Verschaff mir
    Söhne! Wenn nicht, sterbe ich.

    30:2 Da wurde Jakob zornig auf Rahel und sagte: Nehme ich etwa die Stelle
    Gottes ein, der dir die Leibesfrucht versagt?

    30:3 Sie antwortete: Da ist meine Magd Bilha. Geh zu ihr! Sie soll auf
    meine Knie gebären, dann komme auch ich durch sie zu Kindern.
    Die Adoptivmutter nimmt das Kind der Magd unmittelbar nach der
    Geburt auf ihre Knie zum Zeichen dafür, daß sie es als ihr eigenes
    annimmt (vgl. 50,23).

    30:4 Sie gab ihm also ihre Magd Bilha zur Frau, und Jakob ging zu ihr.

    30:5 Bilha wurde schwanger und gebar Jakob einen Sohn.

    30:6 Rahel sagte: Gott hat mir Recht verschafft; er hat auch meine Stimme
    gehört und mir einen Sohn geschenkt. Deshalb nannte sie ihn Dan
    (Richter).

    30:7 Bilha, Rahels Magd, wurde abermals schwanger und gebar Jakob einen
    zweiten Sohn.

    30:8 Da sagte Rahel: Gotteskämpfe habe ich ausgestanden mit meiner
    Schwester, und ich habe mich durchgesetzt. So nannte sie ihn Naftali
    (Kämpfer).

    30:9 Als Lea sah, daß sie keine Kinder mehr bekam, nahm sie ihre Magd
    Silpa und gab sie Jakob zur Frau.

    30:10 Leas Magd Silpa gebar Jakob einen Sohn.

    30:11 Da sprach Lea: Glück auf! So nannte sie ihn Gad (Glück).

    30:12 Als Leas Magd Silpa Jakob einen zweiten Sohn gebar,

    30:13 sagte Lea: Mir zum Glück! Denn die Frauen werden mich
    beglückwünschen. So nannte sie ihn Ascher (Glückskind).

    30:14 Einst ging Ruben zur Zeit der Weizenernte weg und fand auf dem Feld
    Alraunen. Er brachte sie seiner Mutter Lea mit. Da sagte Rahel zu
    Lea: Gib mir doch ein paar von den Alraunen deines Sohnes!

    30:15 Sie aber erwiderte ihr: Ist es dir nicht genug, mir meinen Mann
    wegzunehmen? Nun willst du mir auch noch die Alraunen meines Sohnes
    nehmen? Da entgegnete Rahel: Gut, dann soll Jakob für die Alraunen
    deines Sohnes heute nacht bei dir schlafen.

    30:16 Als Jakob am Abend vom Feld kam, ging ihm Lea entgegen und sagte: Zu
    mir mußt du kommen! Ich habe dich nämlich erworben um den Preis der
    Alraunen meines Sohnes. So schlief er in jener Nacht bei ihr.

    30:17 Gott erhörte Lea. Sie wurde schwanger und gebar Jakob einen fünften
    Sohn.

    30:18 Da sagte Lea: Gott hat mich dafür belohnt, daß ich meine Magd meinem
    Mann gegeben habe. Sie nannte ihn Issachar (Lohn).

    30:19 Noch einmal wurde Lea schwanger und gebar Jakob einen sechsten Sohn.

    30:20 Da sagte Lea: Gott hat mich mit einem schönen Geschenk bedacht.
    Jetzt endlich wird mein Mann bei mir bleiben, da ich ihm doch sechs
    Söhne geboren habe. Sie nannte ihn also Sebulon (Bleibe).

    30:21 Schließlich gebar sie eine Tochter und nannte sie Dina.

    30:22 Nun erinnerte sich Gott an Rahel. Gott erhörte sie und öffnete ihren
    Mutterschoß.

    30:23 Sie wurde schwanger und gebar einen Sohn. Da sagte sie: Gott hat die
    Schande von mir genommen.

    30:24 Sie nannte ihn Josef (Zufüger) und sagte: Der Herr gebe mir noch
    einen anderen Sohn hinzu.

    Jakobs List gegen Laban: 30,25-43

    30:25 Nachdem Rahel Josef geboren hatte, sagte Jakob zu Laban: Entlaß
    mich! Ich will in meine Heimat ziehen.

    30:26 Gib mir meine Frauen und Kinder, um die ich dir gedient habe, damit
    ich gehen kann. Du weißt ja um meinen Dienst, den ich dir geleistet
    habe.

    30:27 Laban antwortete ihm: Wenn ich nur dein Wohlwollen finde! Ich stand
    unter günstigen Vorzeichen, und der Herr hat mich deinetwegen
    gesegnet.

    30:28 Weiter sagte er: Bestimm selbst deinen Lohn, und ich werde ihn dir
    aushändigen.

    30:29 Da sagte Jakob zu ihm: Du weißt um meinen Dienst und um dein Vieh,
    das mir anvertraut war.

    30:30 Das wenige, das du hattest, bevor ich kam, hat sich gewaltig
    vermehrt, und der Herr hat dich gesegnet für jeden meiner Schritte.
    Und jetzt - wann werde auch ich etwas für mein eigenes Haus tun
    können?

    30:31 Da sagte Laban: Was soll ich dir geben? Du brauchst mir weiter
    nichts zu geben, antwortete Jakob, wenn du mit folgendem Vorschlag
    einverstanden bist: Ich will dein Vieh weiterhin weiden und hüten.

    30:32 Ich will heute unter deinem Vieh umhergehen. Und du sondere dort
    alle schwarzgesprenkelten oder schwarzscheckigen und alle dunklen
    Schafe aus, ebenso die weißscheckigen und weißgesprenkelten Ziegen.
    Das soll mein Lohn sein.
    Der Sinn des Verses ist in H nicht klar.

    30:33 Morgen soll meine Redlichkeit offenbar werden, wenn du kommst,
    meinen Lohn zu besehen: Alles, was nicht weißgesprenkelt und
    weißscheckig unter den Ziegen und dunkel unter den Lämmern ist, das
    soll als von mir gestohlen gelten.

    30:34 Gut, sagte Laban, wie du gesagt hast, soll es geschehen.

    30:35 Am selben Tag noch sonderte er die hellgestreiften und
    weißscheckigen Ziegenböcke aus und alle weißgesprenkelten und
    weißscheckigen Ziegen, alles, an dem etwas Weißes war, und alles
    Dunkle unter den Lämmern, und übergab es seinen Söhnen.

    30:36 Dann entfernte er sich drei Tagesmärsche von Jakob, der das übrige
    Vieh Labans weidete.

    30:37 Nun holte sich Jakob frische Ruten von Silberpappeln, Mandelbäumen
    und Platanen, schälte weiße Streifen heraus und legte so das Weiße
    an den Ruten bloß.

    30:38 Die geschälten Ruten legte er in die Tröge, in die Wasserrinnen, zu
    denen die Tiere zur Tränke kamen, gerade vor die Tiere hin. Die
    Tiere begatteten sich, wenn sie zur Tränke kamen.

    30:39 Hatten sich die Tiere vor den Ruten begattet, so warfen sie
    gestreifte, gesprenkelte und scheckige Junge.

    30:40 Die Lämmer teilte Jakob auf. Er richtete den Blick der Tiere auf das
    Gestreifte und alles Dunkle in der Herde Labans. So legte er sich
    selbst Herden zu und tat sie nicht zum Vieh Labans.
    Der zweite Satz des Verses ist in H unklar.

    30:41 Jedesmal nun, wenn sich die kräftigen Tiere begatteten, legte Jakob
    die Ruten in die Tröge, so daß die Tiere sie vor Augen hatten, wenn
    sie sich begatteten.

    30:42 Bei den schwächlichen Tieren aber legte er sie nicht hin. So wurden
    die schwächlichen Labans, die kräftigen dagegen Jakobs Eigentum,

    30:43 und der Mann wurde überaus reich; er besaß eine Menge Schafe und
    Ziegen, Mägde und Knechte, Kamele und Esel.

    Jakobs Trennung von Laban: 31,1 - 32,1

    31:1 Jakob hatte erfahren, daß die Söhne Labans sagten: Jakob hat alles,
    was unserem Vater gehört, weggenommen; auf Kosten unseres Vaters hat
    er sich so bereichert.

    31:2 Jakob sah Laban ins Gesicht: Laban war ihm nicht mehr zugetan wie
    früher.

    31:3 Da sagte der Herr zu Jakob: Kehr zurück in das Land deiner Väter und
    zu deiner Verwandtschaft! Ich bin mit dir.

    31:4 Jakob ließ Rahel und Lea auf das Feld zu seiner Herde rufen

    31:5 und sagte zu ihnen: Ich sehe am Gesicht eures Vaters, daß er mir
    nicht mehr so gesinnt ist wie früher. Aber der Gott meines Vaters
    war mit mir.

    31:6 Ihr wißt, daß ich mit allen Kräften eurem Vater gedient habe.

    31:7 Aber euer Vater hat mich hintergangen und meinen Lohn zehnmal
    geändert; Gott freilich hat ihn daran gehindert, mich zu schädigen.

    31:8 Sagte er, die Gesprenkelten sollen dein Lohn sein, dann warfen alle
    Tiere gesprenkelte Junge; sagte er, die Gestreiften sollen dein Lohn
    sein, dann warfen alle Tiere gestreifte Junge.

    31:9 Gott hat eurem Vater den Viehbestand entzogen und ihn mir gegeben.

    31:10 Zur Zeit, da die Tiere brünstig waren, hatte ich einen Traum; ich
    sah: Gestreifte, gesprenkelte und fleckige Böcke besprangen die
    Tiere.

    31:11 Der Engel Gottes sprach im Traum zu mir: Jakob! Ich antwortete: Hier
    bin ich.

    31:12 Dann sprach er: Schau hin: Alle Böcke, welche die Tiere bespringen,
    sind gestreift, gesprenkelt oder gefleckt. Ich habe nämlich alles
    gesehen, was dir Laban antut.

    31:13 Ich bin der Gott von Bet-El, wo du das Steinmal gesalbt und mir ein
    Gelübde gemacht hast. Jetzt auf, zieh fort aus diesem Land, und kehr
    in deine Heimat zurück!
    28,18.20

    31:14 Rahel und Lea antworteten ihm: Haben wir noch Anteil oder Erbe im
    Haus unseres Vaters?

    31:15 Gelten wir ihm nicht wie Fremde? Er hat uns ja verkauft und sogar
    unser Geld aufgezehrt.

    31:16 Ja, der ganze Reichtum, den Gott unserem Vater weggenommen hat, uns
    gehört er und unseren Söhnen. Nun also, tu jetzt alles, was Gott dir
    gesagt hat.

    31:17 Da machte sich Jakob auf, hob seine Söhne und Frauen auf die Kamele

    31:18 und führte sein ganzes Vieh fort, seinen ganzen Besitz an Vieh, den
    er in Paddan-Aram erworben hatte, um zu seinem Vater Isaak nach
    Kanaan zurückzukehren.

    31:19 Laban war weggegangen, um seine Schafe zu scheren; da stahl Rahel
    die Götterbilder ihres Vaters,
    Die Schafschur war mit einem Fest verbunden. Laban war daher
    abgelenkt, und für Jakob war das eine günstige Gelegenheit zur
    Flucht. Nach dem in der Heimat Labans geltenden Erbrecht gehen die
    Bilder der Familiengötter in den Besitz des Erben über. Durch die
    Mitnahme der Familiengötter beansprucht Rahel also das Erbrecht.

    31:20 und Jakob überlistete den Aramäer Laban: Er verriet ihm nicht, daß
    er sich davonmachen wollte.

    31:21 Mit allem, was ihm gehörte, machte er sich auf und davon. Er
    überquerte den Strom (den Eufrat) und schlug die Richtung zum
    Gebirge von Gilead ein.

    31:22 Am dritten Tag meldete man Laban, Jakob sei auf und davon.

    31:23 Da nahm Laban seine Brüder mit und jagte ihm sieben Tage lang nach.
    Im Gebirge von Gilead war er ihm schon ganz nahe.

    31:24 Gott aber kam in einem nächtlichen Traum zum Aramäer Laban und
    sprach zu ihm: Hüte dich, Jakob auch nur das Geringste vorzuwerfen.

    31:25 Laban holte Jakob ein, als dieser gerade im Gebirge die Zelte
    aufgeschlagen hatte. Da schlug auch Laban mit seinen Brüdern im
    Gebirge von Gilead die Zelte auf.

    31:26 Laban sagte nun zu Jakob: Was hast du getan? Du hast mich überlistet
    und meine Töchter wie Kriegsgefangene weggeführt.

    31:27 Warum hast du mir verheimlicht, daß du dich davonmachen wolltest,
    und warum hast du mich überlistet und mir nichts gesagt? Ich hätte
    dir gern das Geleit gegeben mit Gesang, Pauken und Harfen.

    31:28 Du hast mir aber nicht einmal gestattet, meine Söhne und Töchter zu
    küssen. Da hast du töricht gehandelt.
    Söhne: hier im Sinn von ®Enkel¯.

    31:29 Es stünde in meiner Macht, euch Schlimmes anzutun; aber der Gott
    eures Vaters hat mir gestern nacht gesagt: Hüte dich, Jakob auch nur
    das Geringste vorzuwerfen.

    31:30 Nun bist du also fortgezogen, weil du Heimweh hattest nach deinem
    Vaterhaus. Aber warum hast du meine Götter gestohlen?

    31:31 Jakob erwiderte Laban: Ich fürchtete mich und meinte, du könntest
    mir deine Töchter wegnehmen.

    31:32 Bei wem du aber deine Götter findest, der soll nicht am Leben
    bleiben. In Gegenwart unserer Brüder durchsuche, was ich habe, und
    nimm, was dein ist. Jakob wußte nicht, daß Rahel die Götter
    gestohlen hatte.

    31:33 Laban betrat das Zelt Jakobs, das Zelt der Lea und das der beiden
    Mägde, fand aber nichts. Vom Zelt der Lea ging er in das Zelt
    Rahels.
    33-35: Aus der Erzählung klingt eine Verspottung der heidnischen
    Götter heraus.

    31:34 Rahel hatte die Götterbilder genommen, sie in die Satteltasche des
    Kamels gelegt und sich daraufgesetzt. Laban durchstöberte das ganze
    Zelt, fand aber nichts.

    31:35 Rahel aber sagte zu ihrem Vater: Sei nicht böse, mein Herr! Ich kann
    vor dir nicht aufstehen, es geht mir gerade, wie es eben Frauen
    ergeht. Er suchte weiter, die Götterbilder aber fand er nicht.

    31:36 Da wurde Jakob zornig und begann mit Laban zu streiten. Jakob
    ergriff das Wort und sagte zu Laban: Was habe ich verbrochen, was
    habe ich Unrechtes getan, daß du mir nachhetzt?

    31:37 Alle meine Sachen hast du durchstöbert. Was hast du gefunden an
    Sachen, die zu deinem Haus gehören? Leg sie her vor meine und deine
    Brüder, und sie sollen zwischen uns beiden entscheiden.
    Brüder: hier im Sinn von ®Verwandte¯.

    31:38 Schon zwanzig Jahre bin ich bei dir. Deine Schafe und Ziegen hatten
    keinen Fehlwurf. Die Böcke deiner Herde habe ich nicht aufgezehrt.

    31:39 Gerissenes Vieh habe ich dir nicht gebracht; ich habe es selbst
    ersetzt. Du hättest ja doch Ersatz gefordert, ob es mir nun bei Tag
    oder bei Nacht abhanden kam.

    31:40 So ging es mir: Bei Tag fraß mich die Hitze, der Frost bei Nacht,
    und der Schlaf floh meine Augen.

    31:41 Schon zwanzig Jahre diene ich in deinem Haus, vierzehn Jahre um
    deine beiden Töchter und sechs Jahre um dein Vieh. Du aber hast
    meinen Lohn zehnmal geändert.

    31:42 Wäre nicht der Gott meines Vaters, der Gott Abrahams und der
    Schrecken Isaaks, für mich eingetreten, dann hättest du mich jetzt
    mit leeren Händen weggeschickt. Doch Gott hat mein Elend und die
    Mühe meiner Hände gesehen, und gestern nacht hat er entschieden.
    ®Schrecken Isaaks¯ ist ein altertümlicher Gottesname.

    31:43 Darauf ergriff Laban das Wort und sagte zu Jakob: Die Töchter sind
    meine Töchter, und die Söhne sind meine Söhne, und das Vieh ist mein
    Vieh, und alles, was du siehst, gehört mir. Was kann ich heute für
    meine Töchter tun oder für die Söhne, die sie geboren haben?

    31:44 Jetzt aber komm, wir wollen einen Vertrag schließen, ich und du. Der
    Vertrag soll Zeuge sein zwischen mir und dir.

    31:45 Da nahm Jakob einen Stein und richtete ihn als Steinmal auf.

    31:46 Jakob sagte zu seinen Brüdern: Tragt Steine zusammen! Da holten sie
    Steine und legten einen Steinhügel an. Dort auf dem Steinhügel aßen
    sie.

    31:47 Laban nannte ihn Jegar-Sahaduta, und Jakob nannte ihn Gal-Ed.

    31:48 Dieser Steinhügel, sagte Laban, soll heute Zeuge sein zwischen mir
    und dir. Darum gab er ihm den Namen Gal-Ed (Zeugenhügel)

    31:49 und Mizpa (Spähturm), weil er sagte: Der Herr sei Späher zwischen
    mir und dir, wenn wir voneinander nichts mehr wissen.
    Gott soll wie ein Späher darüber wachen, daß beide den Vertrag
    einhalten.

    31:50 Solltest du meine Töchter schlecht behandeln oder dir außer meinen
    Töchtern noch andere Frauen nehmen - auch wenn kein Mensch bei uns
    ist: Sieh, Gott ist Zeuge zwischen mir und dir.

    31:51 Weiter sagte Laban zu Jakob: Hier, dieser Steinhügel, hier, dieses
    Steinmal, das ich zwischen mir und dir errichtet habe -

    31:52 Zeuge sei dieser Steinhügel. Zeuge sei dieses Steinmal: Nie will ich
    diesen Steinhügel in böser Absicht gegen dich überschreiten, und nie
    sollst du diesen Steinhügel oder dieses Steinmal in böser Absicht
    gegen mich überschreiten.

    31:53 Der Gott Abrahams und der Gott Nahors seien Richter zwischen uns. Da
    leistete Jakob einen Eid beim Schrecken seines Vaters Isaak.
    zwischen uns: H fügt hinzu ®der Gott ihrer Väter¯, was G mit Recht
    wegläßt. - Zu ®Schrecken seines Vaters¯ vgl. V. 42 und die dortige
    Anmerkung.

    31:54 Dann schlachtete Jakob auf dem Berg ein Opfertier und lud seine
    Brüder zum Mahl ein. Sie aßen und verbrachten die Nacht auf dem
    Berg.

    32:1 Früh am Morgen stand Laban auf, küßte seine Söhne und Töchter und
    segnete sie. Dann machte er sich auf den Weg und kehrte nach Hause
    zurück.

    Die Boten und Geschenke für Esau: 32,2-22

    32:2 Auch Jakob zog seines Weges. Da begegneten ihm Engel Gottes.

    32:3 Als Jakob sie erblickte, sagte er: Das ist das Heerlager Gottes. Dem
    Ort gab er darum den Namen Mahanajim (Doppellager).

    32:4 Jakob sandte Boten vor sich her zu seinem Bruder Esau nach Se‹r, in
    das Gebiet von Edom.

    32:5 Er trug ihnen auf: Ihr sollt Esau, meinem Herrn, sagen: So sagt dein
    Knecht Jakob: Bei Laban habe ich mich aufgehalten und bin bis jetzt
    ausgeblieben.

    32:6 Ich habe Ochsen und Esel, Schafe und Ziegen, Knechte und Mägde. Ich
    gebe nun meinem Herrn durch Boten Nachricht, um dein Wohlwollen zu
    finden.

    32:7 Die Boten kehrten zu Jakob zurück und berichteten: Als wir zu deinem
    Bruder Esau kamen, war auch er schon unterwegs zu dir. Vierhundert
    Mann hat er bei sich.

    32:8 Jakob wurde angst und bange. Er teilte seine Leute, die Schafe und
    Ziegen, die Rinder und Kamele auf zwei Lager auf

    32:9 und sagte: Wenn Esau zu dem einen Lager kommt und es niedermacht,
    dann kann das andere Lager entkommen.

    32:10 Und Jakob sagte: Du Gott meines Vaters Abraham und Gott meines
    Vaters Isaak, Herr, du hast mir gesagt: Kehr in deine Heimat und zu
    deiner Verwandtschaft zurück; ich werde es dir gut gehen lassen.
    31,3

    32:11 Ich bin nicht wert all der Hulderweise und all der Treue, die du
    deinem Knecht erwiesen hast. Denn nur mit einem Stab habe ich den
    Jordan dort überschritten, und jetzt sind aus mir zwei Lager
    geworden.

    32:12 Entreiß mich doch der Hand meines Bruders, der Hand Esaus! Ich
    fürchte nämlich, er könnte kommen und mich erschlagen, Mutter und
    Kinder.

    32:13 Du hast doch gesagt: Ich will es dir gut gehen lassen und will deine
    Nachkommen zahlreich machen wie den Sand am Meer, den niemand zählen
    kann vor Menge.
    32,10; 22,17; 28,14

    32:14 Er brachte dort jene Nacht zu. Dann stellte er von allem, was er
    gerade zur Hand hatte, ein Geschenk für seinen Bruder Esau zusammen:

    32:15 zweihundert Ziegen und zwanzig Böcke, zweihundert Mutterschafe und
    zwanzig Widder,

    32:16 dreißig säugende Kamele mit ihren Jungen, vierzig Kühe und zehn
    Stiere, zwanzig Eselinnen und zehn Esel.

    32:17 Er übergab sie, nach Herden gesondert, seinen Knechten und sagte zu
    ihnen: Zieht mir voraus, und haltet zwischen den einzelnen Herden
    Abstand.

    32:18 Dem ersten trug er auf: Wenn du auf meinen Bruder Esau triffst und
    er dich ausfragt: Zu wem gehörst du, wohin gehst du, und wem gehört
    das da vor dir?,

    32:19 dann sag: Deinem Knecht Jakob. Ein Geschenk ist es, gesandt an
    meinen Herrn, an Esau. Schau, dort hinter uns kommt er auch schon
    selbst.

    32:20 Auch dem zweiten und dritten, allen, die hinter den einzelnen Herden
    schritten, trug er auf: Im gleichen Sinn redet mit Esau, wenn ihr
    ihn trefft.

    32:21 Sagt: Schau, dort kommt dein Knecht Jakob auch schon hinter uns.
    Denn Jakob sagte sich: Ich will ihn mit der geschenkten Herde, die
    vor mir herzieht, beschwichtigen, und ihm dann erst unter die Augen
    treten. Vielleicht nimmt er mich freundlich auf.

    32:22 Die Herde, die er schenken wollte, zog ihm also voraus, er aber
    brachte jene Nacht im Lager zu.

    Jakobs Kampf mit Gott: 32,23-33

    32:23 In derselben Nacht stand er auf, nahm seine beiden Frauen, seine
    beiden Mägde sowie seine elf Söhne und durchschritt die Furt des
    Jabbok.

    32:24 Er nahm sie und ließ sie den Fluß überqueren. Dann schaffte er alles
    hinüber, was ihm sonst noch gehörte.

    32:25 Als nur noch er allein zurückgeblieben war, rang mit ihm ein Mann,
    bis die Morgenröte aufstieg.
    25-33: In dieser Erzählung sind drei alte Traditionen miteinander
    verwoben: 1. eine von der Umbenennung des Namens Jakob in Israel
    (vgl. 35,9f); 2. eine, die die Herkunft des Ortsnamens Penu‰l erklär
    (Gottesgesicht); 3. eine, die den sonderbaren Brauch begründet, den
    Muskelstrang über dem Hüftgelenk der Tiere nicht zu essen. Der
    unbekannte ®Mann¯ war vielleicht in der vorisraelitischen Form der
    Erzählung ein dämonisches Wesen; die israelitische Tradition erkennt
    in ihm Gott selbst oder zumindest ein himmlisches Wesen, einen Engel

    32:26 Als der Mann sah, daß er ihm nicht beikommen konnte, schlug er ihn
    aufs Hüftgelenk. Jakobs Hüftgelenk renkte sich aus, als er mit ihm
    rang.

    32:27 Der Mann sagte: Laß mich los; denn die Morgenröte ist aufgestiegen.
    Jakob aber entgegnete: Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht
    segnest.

    32:28 Jener fragte: Wie heißt du? Jakob, antwortete er.

    32:29 Da sprach der Mann: Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern
    Israel (Gottesstreiter); denn mit Gott und Menschen hast du
    gestritten und hast gewonnen.

    32:30 Nun fragte Jakob: Nenne mir doch deinen Namen! Jener entgegnete: Was
    fragst du mich nach meinem Namen? Dann segnete er ihn dort.

    32:31 Jakob gab dem Ort den Namen Penu‰l (Gottesgesicht) und sagte: Ich
    habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und bin doch mit dem
    Leben davongekommen.

    32:32 Die Sonne schien bereits auf ihn, als er durch Penu‰l zog; er hinkte
    an seiner Hüfte.

    32:33 Darum essen die Israeliten den Muskelstrang über dem Hüftgelenk
    nicht bis auf den heutigen Tag; denn er hat Jakob aufs Hüftgelenk,
    auf den Hüftmuskel geschlagen.

    Jakobs Versöhnung mit Esau: 33,1-20

    33:1 Jakob blickte auf und sah: Esau kam und mit ihm vierhundert Mann. Da
    verteilte er die Kinder auf Lea und Rahel und auf die beiden Mägde.

    33:2 Die Mägde und deren Kinder stellte er vorn hin, dahinter Lea und
    ihre Kinder und zuletzt Rahel und Josef.

    33:3 Er trat vor und warf sich siebenmal zur Erde nieder, bis er vor
    seinem Bruder stand.

    33:4 Esau lief ihm entgegen, umarmte ihn und fiel ihm um den Hals; er
    küßte ihn, und sie weinten.

    33:5 Dann blickte Esau auf und sah die Frauen mit den Kindern. Er fragte:
    Wer sind die dort bei dir? Die Kinder, erwiderte er, die Gott deinem
    Knecht aus Wohlwollen geschenkt hat.

    33:6 Die Mägde und ihre Kinder kamen näher und warfen sich nieder.

    33:7 Dann kamen auch Lea und ihre Kinder und warfen sich nieder, und
    zuletzt kamen Josef und Rahel und warfen sich nieder.

    33:8 Da fragte Esau: Was willst du mit dem ganzen Auftrieb dort, auf den
    ich gestoßen bin? Jakob erwiderte: Ich wollte das Wohlwollen meines
    Herrn finden.

    33:9 Darauf sagte Esau: Ich habe selber genug, Bruder. Behalte, was dir
    gehört.

    33:10 Nicht doch, entgegnete Jakob, wenn ich dein Wohlwollen gefunden
    habe, dann nimm das Geschenk aus meiner Hand an! Denn dafür habe ich
    dein Angesicht gesehen, wie man das Angesicht Gottes sieht, und du
    bist mir wohlwollend begegnet.

    33:11 Nimm doch mein Begrüßungsgeschenk an, das man dir überbracht hat.
    Denn Gott hat mir Wohlwollen erwiesen, und ich habe alles, was ich
    brauche. Er drängte ihn, bis er annahm.

    33:12 Darauf machte Esau den Vorschlag: Brechen wir auf, und ziehen wir
    weiter. Ich will an deiner Seite ziehen.

    33:13 Jakob entgegnete ihm: Mein Herr weiß, daß die Kinder noch Schonung
    brauchen; auch habe ich für säugende Schafe und Rinder zu sorgen.
    Überanstrengt man sie nur einen einzigen Tag, so geht das ganze Vieh
    ein.

    33:14 Mein Herr ziehe doch seinem Knecht voraus. Ich aber will mich dem
    gemächlichen Gang der Viehherden vor mir und dem Schritt der Kinder
    anpassen, bis ich zu meinem Herrn nach Se‹r komme.

    33:15 Darauf sagte Esau: Ich will dir einige von meinen Leuten zuweisen.
    Wozu? erwiderte Jakob, ich finde ja das Wohlwollen meines Herrn.

    33:16 Esau kehrte an jenem Tag um und zog nach Se‹r zurück.

    33:17 Jakob brach nach Sukkot auf. Er baute sich ein Haus, und für sein
    Vieh errichtete er Hütten. Darum gab er dem Ort den Namen Sukkot
    (Hütten).

    33:18 Jakob gelangte, als er aus Paddan-Aram kam, wohlbehalten bis Sichem
    in Kanaan und schlug vor der Stadt sein Lager auf.

    33:19 Das Grundstück, auf dem er sein Zelt aufspannte, erwarb er von den
    Söhnen Hamors, des Vaters von Sichem, für hundert Kesita.

    33:20 Dort errichtete er einen Altar und nannte ihn: Gott, der Gott
    Israels.

    Die Rache der Jakobssöhne an den Sichemiten: 34,1-31

    34:1 Dina, die Tochter, die Lea Jakob geboren hatte, ging aus, um sich
    die Töchter des Landes anzusehen.
    1-31: Vergewaltigung einer Frau gilt noch heute bei den Beduinen
    als ein dem Mord gleichwertiges Verbrechen und löst Blutrache aus.
    Das Verwerfliche der Tat der Jakobsöhne an den Sichemiten ist nicht
    die Blutrache an sich, sondern der Vollzug der Blutrache, obwohl
    bereits Ausgleichsverhandlungen zum erfolgreichen Abschluß gekommen
    sind, die einem Verzicht auf Blutrache gleichkommen. Zur Blutrache
    nach Vergewaltigung einer Frau vgl. auch 2 Sam 13.

    34:2 Sichem, der Sohn des Hiwiters Hamor, des Landesfürsten, erblickte
    sie; er ergriff sie, legte sich zu ihr und vergewaltigte sie.

    34:3 Er faßte Zuneigung zu Dina, der Tochter Jakobs, er liebte das
    Mädchen und redete ihm gut zu.

    34:4 Zu seinem Vater Hamor sagte Sichem: Nimm mir dieses Mädchen zur
    Frau!

    34:5 Jakob hörte, daß man seine Tochter Dina entehrt hatte. Seine Söhne
    waren gerade auf dem Feld bei seiner Herde, und so behielt Jakob die
    Sache für sich bis zu ihrer Rückkehr.

    34:6 Inzwischen kam Hamor, der Vater Sichems, zu Jakob heraus, um mit ihm
    darüber zu reden.

    34:7 Als Jakobs Söhne vom Feld kamen und davon erfuhren, empfanden sie
    das als Beleidigung und wurden sehr zornig; eine Schandtat hatte
    Sichem an Israel begangen, weil er der Tochter Jakobs beiwohnte; so
    etwas darf man nicht tun.

    34:8 Hamor redete mit ihnen und sagte: Mein Sohn Sichem hat zu eurer
    Tochter Zuneigung gefaßt. Gebt sie ihm doch zur Frau!

    34:9 Verschwägern wir uns; gebt uns eure Töchter, und nehmt die unseren!

    34:10 Ihr könnt euch bei uns ansiedeln, und das Land steht euch offen.
    Bleibt da, geht hier euren Geschäften nach, und macht euch im Land
    ansässig!

    34:11 Sichem sagte zu Dinas Vater und zu ihren Brüdern: Finde ich euer
    Wohlwollen, dann will ich geben, was ihr auch von mir verlangt.

    34:12 Legt mir ruhig ein sehr hohes Heiratsgeld und eine hohe Brautgabe
    auf! Ich will geben, was ihr von mir verlangt. Nur gebt mir das
    Mädchen zur Frau!

    34:13 Die Söhne Jakobs gaben Sichem und seinem Vater Hamor, als sie die
    Verhandlungen aufnahmen, eine hinterhältige Antwort, weil er ihre
    Schwester entehrt hatte.

    34:14 Sie sagten zu ihnen: Wir können uns nicht darauf einlassen, unsere
    Schwester einem Unbeschnittenen zu geben; denn das gilt bei uns als
    Schande.

    34:15 Nur unter der Bedingung gehen wir auf euren Vorschlag ein, daß ihr
    euch uns anpaßt und alle männlichen Personen beschneiden laßt.

    34:16 Dann würden wir euch unsere Töchter geben, und wir könnten eure
    Töchter nehmen; wir könnten mit euch zusammen wohnen und ein
    einziges Volk werden.

    34:17 Wollt ihr aber von der Beschneidung nichts wissen, so nehmen wir
    unsere Tochter zurück und ziehen fort.

    34:18 Hamor und sein Sohn Sichem waren mit ihrem Vorschlag einverstanden.

    34:19 Der junge Mann verlor keine Zeit, die Angelegenheit zu regeln; denn
    er hatte die Tochter Jakobs lieb, und er war der einflußreichste von
    allen im Hause seines Vaters.

    34:20 Hamor und sein Sohn Sichem gingen an das Tor ihrer Stadt und
    sprachen zu ihren Mitbürgern:

    34:21 Jene Leute sind uns friedlich gesinnt. Sie könnten sich im Land
    ansiedeln und ihren Geschäften nachgehen. Das Land hat ja nach allen
    Seiten Platz genug für sie. Wir könnten ihre Töchter zu Frauen
    nehmen und unsere Töchter ihnen geben.

    34:22 Allerdings wollen die Männer bloß unter der Bedingung auf unseren
    Vorschlag eingehen, mit uns zusammen zu wohnen und ein einziges Volk
    zu werden, daß sich bei uns alle Männer beschneiden lassen, so wie
    sie beschnitten sind.

    34:23 Ihre Herden, ihr Besitz, ihr Vieh, könnte das nicht alles uns
    gehören? Gehen wir also auf ihren Vorschlag ein, dann werden sie bei
    uns bleiben.

    34:24 Alle, die durch das Tor der Stadt ausziehen, hörten auf Hamor und
    seinen Sohn Sichem; und alle Männer, alle, die durch das Tor seiner
    Stadt ausziehen, ließen sich beschneiden.
    die durch das Tor der Stadt ausziehen: die wehrfähigen Männer.

    34:25 Am dritten Tag aber, als sie an Wundfieber litten, griffen zwei
    Söhne Jakobs, Simeon und Levi, die Brüder Dinas, zum Schwert,
    überfielen ungefährdet die Stadt und brachten alles Männliche um.

    34:26 Hamor und seinen Sohn Sichem machten sie mit dem Schwert nieder,
    holten Dina aus dem Hause Sichems und gingen davon.

    34:27 Dann machten sich die Söhne Jakobs über die Erschlagenen her und
    plünderten die Stadt, weil man ihre Schwester entehrt hatte.

    34:28 Ihre Schafe und Rinder, ihre Esel und was es sonst in der Stadt oder
    auf dem Feld gab, nahmen sie mit.

    34:29 Ihre ganze Habe, all ihre Kinder und Frauen führten sie fort und
    raubten alles, was sich in den Häusern fand.

    34:30 Jakob sagte darauf zu Simeon und Levi: Ihr stürzt mich ins Unglück.
    Ihr habt mich in Verruf gebracht bei den Bewohnern des Landes, den
    Kanaanitern und Perisitern. Meine Männer kann man an den Fingern
    abzählen. Jene werden sich gegen mich zusammentun und mich
    niedermachen. Dann ist es vorbei mit mir und meinem Haus.
    49,5-7

    34:31 Die Söhne aber sagten: Durfte er unsere Schwester wie eine Dirne
    behandeln?

    Jakob wieder in Bet-El: 35,1-15

    35:1 Gott sprach zu Jakob: Zieh nach Bet-El hinauf, und laß dich dort
    nieder! Errichte dort einen Altar dem Gott, der dir auf der Flucht
    vor deinem Bruder Esau erschienen ist.

    35:2 Dann sagte Jakob zu seinem Haus und zu allen, die zu ihm gehörten:
    Entfernt die fremden Götter aus eurer Mitte, reinigt euch, und
    wechselt eure Kleider!

    35:3 Wir wollen uns aufmachen und nach Bet-El hinaufziehen. Dort will ich
    einen Altar für den Gott errichten, der mich am Tag meiner
    Bedrängnis erhört hat und der auf meinem Weg mit mir war. l

    35:4 Sie übergaben Jakob alle fremden Götter, die sie hatten, und die
    Ringe an ihren Ohren. Jakob vergrub sie unter der Eiche bei Sichem.

    35:5 Dann brachen sie auf. Da überkam ein Gottesschrecken die Städte
    ringsum, und so verfolgten sie die Söhne Jakobs nicht.

    35:6 Jakob kam nach Lus in Kanaan, das jetzt Bet-El heißt, er und alles
    Volk, das bei ihm war.

    35:7 Er baute dort einen Altar und nannte die Stätte ®Gott von Bet-El¯;
    denn auf der Flucht vor seinem Bruder hatte Gott sich ihm dort
    offenbart.
    28,12-22

    35:8 Debora, die Amme Rebekkas, starb. Man begrub sie unterhalb von
    Bet-El unter der Eiche. Er gab ihr den Namen Träneneiche.

    35:9 Gott erschien Jakob noch einmal nach seiner Rückkehr aus Paddan-Aram
    und segnete ihn.

    35:10 Gott sprach zu ihm: Dein Name ist Jakob. Dein Name soll jedoch nicht
    mehr Jakob lauten, sondern Israel soll dein Name sein. Er gab ihm
    also den Namen Israel.
    32,29

    35:11 Und Gott sprach zu ihm: Ich bin Gott, der Allmächtige. Sei
    fruchtbar, und vermehre dich! Ein Volk, eine Schar von Völkern soll
    aus dir hervorgehen, Könige sollen deinen Lenden entstammen.

    35:12 Das Land, das ich Abraham und Isaak gegeben habe, will ich dir
    geben, und auch deinen Nachkommen will ich es geben.
    13,14f; 15,17-21; 26,3f

    35:13 Dann fuhr Gott von dem Ort, an dem er mit ihm geredet hatte, zum
    Himmel auf.

    35:14 Jakob richtete an dem Ort, wo Gott mit ihm geredet hatte, ein
    Steinmal, einen Gedenkstein, auf. Darüber schüttete er ein
    Trankopfer und goß Öl darauf.

    35:15 Jakob gab dem Ort, an dem Gott mit ihm geredet hatte, den Namen
    Bet-El.

    Benjamins Geburt und Rahels Tod: 35,16-20

    35:16 Sie brachen von Bet-El auf. Nur ein kleines Stück Weg war es noch
    bis Efrata, als Rahel gebar. Sie hatte eine schwere Geburt.

    35:17 Als sie bei der Geburt schwer litt, redete ihr die Amme zu: Fürchte
    dich nicht, auch diesmal hast du einen Sohn.

    35:18 Während ihr das Leben entfloh - sie mußte nämlich sterben -, gab sie
    ihm den Namen Ben-Oni (Unheilskind); sein Vater aber nannte ihn
    Benjamin (Erfolgskind).

    35:19 Als Rahel gestorben war, begrub man sie an der Straße nach Efrata,
    das jetzt Betlehem heißt.

    35:20 Jakob errichtete ein Steinmal über ihrem Grab. Das ist das Grabmal
    Rahels bis auf den heutigen Tag.

    Die Söhne Jakobs und der Tod Isaaks: 35,21-29

    35:21 Israel brach auf und schlug sein Zelt jenseits von Migdal-Eder auf.

    35:22 Während Israel in jenem Land wohnte, ging Ruben hin und schlief mit
    Bilha, der Nebenfrau seines Vaters. Israel hörte davon. Jakob hatte
    zwölf Söhne.
    49,3f

    35:23 Die Söhne Leas waren: Ruben, der Erstgeborene Jakobs, ferner Simeon,
    Levi, Juda, Issachar und Sebulon.

    35:24 Die Söhne Rahels waren: Josef und Benjamin.

    35:25 Die Söhne Bilhas, der Magd Rahels, waren: Dan und Naftali.

    35:26 Die Söhne Silpas, der Magd Leas, waren: Gad und Ascher. Das waren
    die Söhne Jakobs, die ihm in Paddan-Aram geboren wurden.

    35:27 Jakob kam zu seinem Vater Isaak nach Mamre, nach Kirjat-Arba, das
    jetzt Hebron heißt, wo sich Abraham und Isaak als Fremde aufgehalten
    hatten.

    35:28 Isaak wurde hundertachtzig Jahre alt,

    35:29 dann verschied er. Er starb und wurde mit seinen Vorfahren vereint,
    betagt und satt an Jahren. Seine Söhne Esau und Jakob begruben ihn.

    Die Nachkommen Esaus: 36,1-43

    36:1 Das ist die Geschlechterfolge nach Esau, der auch Edom hieß:

    36:2 Esau nahm sich seine Frauen aus den Töchtern Kanaans: Ada, die
    Tochter des Hetiters Elon, Oholibama, die Tochter des Ana, eines
    Sohnes des Hiwiters Zibon,

    36:3 und Basemat, die Tochter Ismaels, eine Schwester Nebajots.

    36:4 Ada gebar dem Esau Elifas, Basemat gebar Regu‰l,

    36:5 und Oholibama gebar J‰usch, Jalam und Korach. Das waren die Söhne
    Esaus, die ihm in Kanaan geboren wurden.

    36:6 Esau nahm seine Frauen, Söhne und Töchter, alle Personen seines
    Hauses und seinen Besitz, all sein Vieh und seine ganze Habe, die er
    in Kanaan erworben hatte, und zog in ein anderes Land, fort von
    seinem Bruder Jakob.

    36:7 Ihr Besitz war nämlich zu groß, als daß sie zusammen hätten wohnen
    können. Das Land, in dem sie lebten, konnte wegen ihres
    Viehbestandes nicht beide ernähren.
    13,6

    36:8 So ließ sich Esau im Bergland Se‹r nieder. Esau ist Edom.

    36:9 Das ist die Geschlechterfolge nach Esau, dem Stammvater von Edom im
    Bergland Se‹r.

    36:10 Die Namen der Söhne Esaus sind: Elifas, der Sohn der Ada, der Frau
    Esaus, und Regu‰l, der Sohn Basemats, der Frau Esaus.

    36:11 Die Söhne des Elifas sind: Teman, Omar, Zefo, Gatam und Kenas.

    36:12 Timna war die Nebenfrau des Elifas, des Sohnes Esaus. Sie gebar dem
    Elifas Amalek. Das waren die Söhne Adas, der Frau Esaus.

    36:13 Die Söhne Regu‰ls sind: Nahat, Serach, Schamma und Misa. Das waren
    die Söhne Basemats, der Frau Esaus.

    36:14 Die Söhne, die Oholibama, die Frau Esaus und Tochter Anas, eines
    Sohnes Zibons, Esau gebar, sind: J‰usch, Jalam und Korach.

    36:15 Das sind die Häuptlinge der Söhne Esaus: die Söhne des Elifas, des
    Erstgeborenen Esaus: Häuptling Teman, Häuptling Omar, Häuptling
    Zefo, Häuptling Kenas,

    36:16 Häuptling Korach, Häuptling Gatam, Häuptling Amalek. Das waren die
    Häuptlinge des Elifas in Edom, lauter Söhne der Ada.

    36:17 Das sind die Söhne Regu‰ls, des Sohnes Esaus: Häuptling Nahat,
    Häuptling Serach, Häuptling Schamma, Häuptling Misa. Das waren die
    Häuptlinge Regu‰ls in Edom; sie waren die Söhne Basemats, der Frau
    Esaus.

    36:18 Das sind die Söhne Oholibamas, der Frau Esaus: Häuptling J‰usch,
    Häuptling Jalam, Häuptling Korach. Das waren die Häuptlinge, die von
    Oholibama, der Frau Esaus und Tochter Anas, abstammten.

    36:19 Das waren also die Söhne Esaus und deren Häuptlinge. Das ist Edom.

    36:20 Das sind die Söhne des Horiters Se‹r, die Einwohner des Landes:
    Lotan, Schobal, Zibon, Ana,

    36:21 Dischon, Ezer und Dischan. Das waren die Häuptlinge der Horiter, der
    Söhne Se‹rs, in Edom.

    36:22 Die Söhne Lotans sind: Hori und Hemam. Die Schwester Lotans ist
    Timna.

    36:23 Das sind die Söhne Schobals: Alwan, Manahat, Ebal, Schefi und Onam.

    36:24 Die Söhne Zibons sind: Aja und Ana. Das ist jener Ana, der das
    Wasser in der Wüste fand, als er die Esel seines Vaters Zibon
    weidete.

    36:25 Die Kinder Anas sind: Dischon und Oholibama, die Tochter Anas.

    36:26 Die Söhne Dischons sind: Hemdan, Eschban, Jitran und Keran.

    36:27 Die Söhne Ezers sind: Bilhan, Saawan und Akan.

    36:28 Die Söhne Dischans sind: Uz und Aran.

    36:29 Die Häuptlinge der Horiter sind: Häuptling Lotan, Häuptling Schobal,
    Häuptling Zibon, Häuptling Ana,

    36:30 Häuptling Dischon, Häuptling Ezer, Häuptling Dischan. Das waren die
    Häuptlinge der Horiter nach ihren Stämmen in Se‹r.

    36:31 Die Könige, die in Edom regierten, bevor bei den Israeliten ein
    König regierte, waren folgende:

    36:32 In Edom regierte Bela, der Sohn Beors; seine Stadt hieß Dinhaba.

    36:33 Als Bela starb, wurde König an seiner Stelle Jobab, der Sohn Serachs
    aus Bozra.

    36:34 Als Jobab starb, wurde König an seiner Stelle Huscham aus dem Land
    der Temaniter.

    36:35 Als Huscham starb, wurde König an seiner Stelle Hadad, der Sohn
    Bedads, der Midian im Grünland von Moab schlug; seine Stadt hieß
    Awit.

    36:36 Als Hadad starb, wurde König an seiner Stelle Samla aus Masreka.

    36:37 Als Samla starb, wurde König an seiner Stelle Schaul aus Rehobot am
    Strom (Eufrat).

    36:38 Als Schaul starb, wurde König an seiner Stelle Baal-Hanan, der Sohn
    Achbors.

    36:39 Als Baal-Hanan, der Sohn Achbors, starb, wurde König an seiner
    Stelle Hadar; seine Stadt hieß Pagu. Seine Frau hieß Mehetabel; sie
    war die Tochter Matreds und Enkelin Me-Sahabs.

    36:40 Das sind die Namen der Häuptlinge Esaus nach ihren Sippenverbänden,
    Orten und Namen: Häuptling Timna, Häuptling Alwa, Häuptling Jetet,

    36:41 Häuptling Oholibama, Häuptling Ela, Häuptling Pinon,

    36:42 Häuptling Kenas, Häuptling Teman, Häuptling Mibzar,

    36:43 Häuptling Magdi‰l, Häuptling Iram. Das waren die Häuptlinge Edoms
    nach ihren Siedlungsgebieten in dem Land, das sie besaßen. Soviel
    über Esau, den Stammvater von Edom.

    Die Söhne Jakobs: 37,1 - 50,26
    Josef und seine Brüder: 37,1-36

    37:1 Jakob ließ sich in dem Land nieder, in dem sich sein Vater als
    Fremder aufgehalten hatte, in Kanaan.

    37:2 Das ist die Geschlechterfolge nach Jakob: Als Josef siebzehn Jahre
    zählte, also noch jung war, weidete er mit seinen Brüdern, den
    Söhnen Bilhas und Silpas, der Frauen seines Vaters, die Schafe und
    Ziegen. Josef hinterbrachte ihrem Vater, was die Brüder Böses taten.

    37:3 Israel liebte Josef unter allen seinen Söhnen am meisten, weil er
    ihm noch in hohem Alter geboren worden war. Er ließ ihm einen
    Ärmelrock machen.
    Ein ®Ärmelrock¯ ist ein Festtagsgewand.

    37:4 Als seine Brüder sahen, daß ihr Vater ihn mehr liebte als alle seine
    Brüder, haßten sie ihn und konnten mit ihm kein gutes Wort mehr
    reden.

    37:5 Einst hatte Josef einen Traum. Als er ihn seinen Brüdern erzählte,
    haßten sie ihn noch mehr.

    37:6 Er sagte zu ihnen: Hört, was ich geträumt habe.

    37:7 Wir banden Garben mitten auf dem Feld. Meine Garbe richtete sich auf
    und blieb auch stehen. Eure Garben umringten sie und neigten sich
    tief vor meiner Garbe.

    37:8 Da sagten seine Brüder zu ihm: Willst du etwa König über uns werden
    oder dich als Herr über uns aufspielen? Und sie haßten ihn noch mehr
    wegen seiner Träume und seiner Worte.

    37:9 Er hatte noch einen anderen Traum. Er erzählte ihn seinen Brüdern
    und sagte: Ich träumte noch einmal: Die Sonne, der Mond und elf
    Sterne verneigten sich tief vor mir.

    37:10 Als er davon seinem Vater und seinen Brüdern erzählte, schalt ihn
    sein Vater und sagte zu ihm: Was soll das, was du da geträumt hast?
    Sollen wir vielleicht, ich, deine Mutter und deine Brüder, kommen
    und uns vor dir zur Erde niederwerfen?

    37:11 Seine Brüder waren eifersüchtig auf ihn, sein Vater aber vergaß die
    Sache nicht.

    37:12 Als seine Brüder fortgezogen waren, um das Vieh ihres Vaters bei
    Sichem zu weiden,

    37:13 sagte Israel zu Josef: Deine Brüder weiden bei Sichem das Vieh. Geh,
    ich will dich zu ihnen schicken. Er antwortete: Ich bin bereit.

    37:14 Da sagte der Vater zu ihm: Geh doch hin und sieh, wie es deinen
    Brüdern und dem Vieh geht, und berichte mir! So schickte er ihn aus
    dem Tal von Hebron fort, und Josef kam nach Sichem.

    37:15 Ein Mann traf ihn, wie er auf dem Feld umherirrte; er fragte ihn:
    Was suchst du?

    37:16 Josef antwortete: Meine Brüder suche ich. Sag mir doch, wo sie das
    Vieh weiden.

    37:17 Der Mann antwortete: Sie sind von hier weitergezogen. Ich habe
    nämlich gehört, wie sie sagten: Gehen wir nach Dotan. Da ging Josef
    seinen Brüdern nach und fand sie in Dotan.

    37:18 Sie sahen ihn von weitem. Bevor er jedoch nahe an sie herangekommen
    war, faßten sie den Plan, ihn umzubringen.

    37:19 Sie sagten zueinander: Dort kommt ja dieser Träumer.

    37:20 Jetzt aber auf, erschlagen wir ihn, und werfen wir ihn in eine der
    Zisternen. Sagen wir, ein wildes Tier habe ihn gefressen. Dann
    werden wir ja sehen, was aus seinen Träumen wird.

    37:21 Ruben hörte das und wollte ihn aus ihrer Hand retten. Er sagte:
    Begehen wir doch keinen Mord.

    37:22 Und Ruben sagte zu ihnen: Vergießt kein Blut! Werft ihn in die
    Zisterne da in der Steppe, aber legt nicht Hand an ihn! Er wollte
    ihn nämlich aus ihrer Hand retten und zu seinem Vater zurückbringen.

    37:23 Als Josef bei seinen Brüdern angekommen war, zogen sie ihm sein
    Gewand aus, den Ärmelrock, den er anhatte,

    37:24 packten ihn und warfen ihn in die Zisterne. Die Zisterne war leer;
    es war kein Wasser darin.

    37:25 Als sie dann beim Essen saßen und aufblickten, sahen sie, daß gerade
    eine Karawane von Ismaelitern aus Gilead kam. Ihre Kamele waren mit
    Tragakant, Mastix und Ladanum beladen. Sie waren unterwegs nach
    Ägypten.
    Tragakant, Mastix und Ladanum sind wohlriechende Harze, die als
    Räucherwerk und als Grundstoffe für die Salbenherstellung dienten.

    37:26 Da schlug Juda seinen Brüdern vor: Was haben wir davon, wenn wir
    unseren Bruder erschlagen und sein Blut zudecken?

    37:27 Kommt, verkaufen wir ihn den Ismaelitern. Wir wollen aber nicht Hand
    an ihn legen, denn er ist doch unser Bruder und unser Verwandter.
    Seine Brüder waren einverstanden.

    37:28 Midianitische Kaufleute kamen vorbei. Da zogen sie Josef aus der
    Zisterne heraus und verkauften ihn für zwanzig Silberstücke an die
    Ismaeliter. Diese brachten Josef nach Ägypten.

    37:29 Als Ruben zur Zisterne zurückkam, war Josef nicht mehr dort. Er
    zerriß seine Kleider,

    37:30 wandte sich an seine Brüder und sagte: Der Kleine ist ja nicht mehr
    da. Und ich, was soll ich jetzt anfangen?

    37:31 Da nahmen sie Josefs Gewand, schlachteten einen Ziegenbock und
    tauchten das Gewand in das Blut.

    37:32 Dann schickten sie den Ärmelrock zu ihrem Vater und ließen ihm
    sagen: Das haben wir gefunden. Sieh doch, ob das der Rock deines
    Sohnes ist oder nicht.

    37:33 Als er ihn angesehen hatte, sagte er: Der Rock meines Sohnes! Ein
    wildes Tier hat ihn gefressen. Zerrissen, zerrissen ist Josef.

    37:34 Jakob zerriß seine Kleider, legte Trauerkleider an und trauerte um
    seinen Sohn viele Tage.

    37:35 Alle seine Söhne und Töchter machten sich auf, um ihn zu trösten. Er
    aber ließ sich nicht trösten und sagte: Ich will dauernd zu meinem
    Sohn in die Unterwelt hinabsteigen. So beweinte ihn sein Vater.

    37:36 Die Midianiter aber verkauften Josef nach Ägypten an Potifar, einen
    Hofbeamten des Pharao, den Obersten der Leibwache.

    Die Familiengeschichte Judas: 38,1-30

    38:1 Um jene Zeit verließ Juda seine Brüder und begab sich hinunter zu
    einem Mann aus Adullam, der Hira hieß.

    38:2 Juda sah dort die Tochter eines Kanaaniters namens Schua. Er nahm
    sie zur Frau und wohnte ihr bei.

    38:3 Sie wurde schwanger, gebar einen Sohn und gab ihm den Namen Er.

    38:4 Sie wurde abermals schwanger, gebar einen Sohn und gab ihm den Namen
    Onan.

    38:5 Und noch einmal gebar sie einen Sohn und gab ihm den Namen Schela.
    Juda war in Kesib, als sie ihn gebar.

    38:6 Juda nahm für seinen Erstgeborenen Er eine Frau namens Tamar.

    38:7 Aber Er, der Erstgeborene Judas, mißfiel dem Herrn, und so ließ ihn
    der Herr sterben.

    38:8 Da sagte Juda zu Onan: Geh mit der Frau deines Bruders die
    Schwagerehe ein, und verschaff deinem Bruder Nachkommen!

    38:9 Onan wußte also, daß die Nachkommen nicht ihm gehören würden. Sooft
    er zur Frau seines Bruders ging, ließ er den Samen zur Erde fallen
    und verderben, um seinem Bruder Nachkommen vorzuenthalten.

    38:10 Was er tat, mißfiel dem Herrn, und so ließ er auch ihn sterben.

    38:11 Nun sagte Juda zu seiner Schwiegertochter Tamar: Bleib als Witwe im
    Haus deines Vaters, bis mein Sohn Schela groß ist. Denn er dachte:
    Er soll mir nicht auch noch sterben wie seine Brüder. Tamar ging und
    blieb im Haus ihres Vaters.

    38:12 Viele Jahre vergingen. Die Tochter Schuas, die Frau Judas, war
    gestorben. Als die Trauer vorbei war, ging Juda mit seinem Freund
    Hira aus Adullam hinauf nach Timna zur Schafschur.
    12-26: Tamars Handlungsweise erklärt sich als eine Art
    Notwehrmaßnahme, mit der sie ihr Recht auf Schwagerehe erzwingen
    will. Wenn ein Mann kinderlos starb, war der nächste Verwandte
    verpflichtet, die Witwe zu heiraten (Leviratsehe). Der erste Sohn au
    dieser Ehe galt als Sohn des Verstorbenen (Dtn 25,5-10; vgl. Rut
    2,20; 3,9.12-15; 4,1-14). Die Schuld Judas besteht darin, daß er sic
    dieser Verpflichtung entzog.

    38:13 Man berichtete Tamar: Dein Schwiegervater geht gerade nach Timna
    hinauf zur Schafschur.

    38:14 Da zog sie ihre Witwenkleider aus, legte einen Schleier über und
    verhüllte sich. Dann setzte sie sich an den Ortseingang von Enajim,
    der an der Straße nach Timna liegt. Sie hatte nämlich gemerkt, daß
    Schela groß geworden war, daß man sie ihm aber nicht zur Frau geben
    wollte.

    38:15 Juda sah sie und hielt sie für eine Dirne; sie hatte nämlich ihr
    Gesicht verhüllt.

    38:16 Da bog er vom Weg ab, ging zu ihr hin und sagte: Laß mich zu dir
    kommen! Er wußte ja nicht, daß es seine Schwiegertochter war. Sie
    antwortete: Was gibst du mir, wenn du zu mir kommen darfst?

    38:17 Er sagte: Ich werde dir ein Ziegenböckchen von der Herde schicken.
    Sie entgegnete: Du mußt mir aber ein Pfand dalassen, bis du es
    schickst.

    38:18 Da fragte er: Was für ein Pfand soll ich dir dalassen? Deinen
    Siegelring mit der Schnur und den Stab in deiner Hand, antwortete
    sie. Er gab es ihr. Dann ging er zu ihr, und sie wurde von ihm
    schwanger.

    38:19 Sie stand auf, ging weg, legte ihren Schleier ab und zog wieder ihre
    Witwenkleider an.

    38:20 Juda schickte seinen Freund aus Adullam mit dem Ziegenböckchen, um
    das Pfand aus der Hand der Frau zurückzuerhalten, er fand sie aber
    nicht.

    38:21 Er fragte die Leute aus dem Ort: Wo ist die Dirne, die in Enajim an
    der Straße saß? Sie antworteten ihm: Hier gibt es keine Dirne.

    38:22 Darauf kehrte er zu Juda zurück und sagte: Ich habe sie nicht
    gefunden, und außerdem behaupten die Leute aus dem Ort, es gebe da
    keine Dirne.

    38:23 Juda antwortete: Soll sie es behalten! Wenn man uns nur nicht
    auslacht! Ich habe ja dieses Böckchen geschickt, aber du hast sie
    nicht gefunden.

    38:24 Nach etwa drei Monaten meldete man Juda: Deine Schwiegertochter
    Tamar hat Unzucht getrieben und ist davon schwanger. Da sagte Juda:
    Führt sie hinaus! Sie soll verbrannt werden.

    38:25 Als man sie hinausführte, schickte sie zu ihrem Schwiegervater und
    ließ ihm sagen: Von dem Mann, dem das gehört, bin ich schwanger.
    Auch ließ sie sagen: Sieh genau hin: Wem gehören der Siegelring mit
    der Schnur und dieser Stab?

    38:26 Juda schaute es sich genau an und gab zu: Sie ist mir gegenüber im
    Recht, weil ich sie meinem Sohn Schela nicht zur Frau gegeben habe.
    Später verkehrte er mit ihr nicht mehr.

    38:27 Als sie niederkam, waren Zwillinge in ihrem Leib.

    38:28 Bei der Geburt streckte einer die Hand heraus. Die Hebamme griff zu,
    band einen roten Faden um die Hand und sagte: Er ist zuerst
    herausgekommen.

    38:29 Er zog aber seine Hand wieder zurück, und heraus kam sein Bruder. Da
    sagte sie: Warum hast du dir den Durchbruch erzwungen? So nannte man
    ihn Perez (Durchbruch).

    38:30 Dann erst kam sein Bruder zum Vorschein, an dessen Hand der rote
    Faden war. Ihn nannte man Serach (Rotglanz).

    Josef als Sklave in Ägypten: 39,1-21

    39:1 Josef hatte man nach Ägypten gebracht. Ein Hofbeamter des Pharao,
    ein Ägypter namens Potifar, der Oberste der Leibwache, hatte ihn den
    Ismaelitern abgekauft, die ihn dorthin gebracht hatten.

    39:2 Der Herr war mit Josef, und so glückte ihm alles. Er blieb im Haus
    seines ägyptischen Herrn.

    39:3 Dieser sah, daß der Herr mit Josef war und daß der Herr alles, was
    er unternahm, unter seinen Händen gelingen ließ.

    39:4 So fand Josef sein Wohlwollen, und er durfte ihn bedienen. Er
    bestellte ihn zum Verwalter seines Hauses und vertraute ihm alles
    an, was er besaß.

    39:5 Seit er ihm sein Haus und alles, was ihm gehörte, anvertraut hatte,
    segnete der Herr das Haus des Ägypters um Josefs willen. Der Segen
    des Herrn ruhte auf allem, was ihm gehörte im Haus und auf dem Feld.

    39:6 Er ließ seinen ganzen Besitz in Josefs Hand und kümmerte sich, wenn
    Josef da war, um nichts als nur um sein Essen. Josef war schön von
    Gestalt und Aussehen.

    39:7 Nach einiger Zeit warf die Frau seines Herrn ihren Blick auf Josef
    und sagte: Schlaf mit mir!

    39:8 Er weigerte sich und entgegnete der Frau seines Herrn: Du siehst
    doch, mein Herr kümmert sich, wenn ich da bin, um nichts im Haus;
    alles, was ihm gehört, hat er mir anvertraut.

    39:9 Er ist in diesem Haus nicht größer als ich, und er hat mir nichts
    vorenthalten als nur dich, denn du bist seine Frau. Wie könnte ich
    da ein so großes Unrecht begehen und gegen Gott sündigen?

    39:10 Obwohl sie Tag für Tag auf Josef einredete, bei ihr zu schlafen und
    ihr zu Willen zu sein, hörte er nicht auf sie.

    39:11 An einem solchen Tag kam er ins Haus, um seiner Arbeit nachzugehen.
    Niemand vom Hausgesinde war anwesend.

    39:12 Da packte sie ihn an seinem Gewande und sagte: Schlaf mit mir! Er
    ließ sein Gewand in ihrer Hand und lief hinaus.

    39:13 Als sie sah, daß er sein Gewand in ihrer Hand zurückgelassen hatte
    und hinausgelaufen war,

    39:14 rief sie nach ihrem Hausgesinde und sagte zu den Leuten: Seht nur!
    Er hat uns einen Hebräer ins Haus gebracht, der seinen Mutwillen mit
    uns treibt. Er ist zu mir gekommen und wollte mit mir schlafen; da
    habe ich laut geschrien.

    39:15 Als er hörte, daß ich laut aufschrie und rief, ließ er sein Gewand
    bei mir liegen und floh ins Freie.

    39:16 Sein Kleid ließ sie bei sich liegen, bis sein Herr nach Hause kam.

    39:17 Ihm erzählte sie die gleiche Geschichte: Der hebräische Sklave, den
    du uns gebracht hast, ist zu mir gekommen, um mit mir seinen
    Mutwillen zu treiben.

    39:18 Als ich laut aufschrie und rief, ließ er sein Gewand bei mir liegen
    und lief hinaus.

    39:19 Als sein Herr hörte, wie ihm seine Frau erzählte: So hat es dein
    Sklave mit mir getrieben!, packte ihn der Zorn.

    39:20 Er ließ Josef ergreifen und in den Kerker bringen, wo die Gefangenen
    des Königs in Haft gehalten wurden. Dort blieb er im Gefängnis.

    39:21 Aber der Herr war mit Josef. Er wandte ihm das Wohlwollen und die
    Gunst des Gefängnisleiters zu.

    Josef im Gefängnis: 39,22 - 40,23

    39:22 Der Gefängnisleiter vertraute der Hand Josefs alle Gefangenen im
    Kerker an. Alles, was dort zu besorgen war, mußte er tun.

    39:23 Der Gefängnisleiter brauchte sich um nichts zu sorgen, was Josef in
    seine Hand nahm, denn der Herr war mit ihm. Was er auch unternahm,
    der Herr ließ es ihm gelingen.

    40:1 Einige Zeit später vergingen sich der königliche Mundschenk und der
    Hofbäcker gegen ihren Herrn, den König von Ägypten.

    40:2 Der Pharao war aufgebracht über seine beiden Hofbeamten, den
    Obermundschenk und den Oberbäcker.

    40:3 Er gab sie in Haft in das Haus des Obersten der Leibwache, in den
    Kerker, wo Josef gefangengehalten wurde.

    40:4 Der Oberste der Leibwache betraute Josef mit ihrer Bedienung. Als
    sie einige Zeit in Haft waren

    40:5 hatte jeder von ihnen einen Traum. Der Mundschenk und der Bäcker des
    Königs von Ägypten, die im Kerker gefangengehalten wurden, hatten in
    derselben Nacht einen Traum, der für jeden von ihnen eine besondere
    Bedeutung haben sollte.

    40:6 Am Morgen kam Josef zu ihnen und sah ihnen an, daß sie mißmutig
    waren.

    40:7 Da fragte er die Hofbeamten des Pharao, die mit ihm im Hause seines
    Herrn in Gewahrsam gehalten wurden: Warum seht ihr heute so böse
    drein?

    40:8 Sie antworteten ihm: Wir hatten einen Traum, aber es ist keiner da,
    der ihn auslegen kann. Josef sagte zu ihnen: Ist nicht das
    Träumedeuten Sache Gottes? Erzählt mir doch!

    40:9 Darauf erzählte der Obermundschenk Josef seinen Traum. Er sagte zu
    ihm: Im Traum sah ich vor mir einen Weinstock.

    40:10 Am Weinstock waren drei Ranken, und es war mir, als triebe er
    Knospen. Seine Blüten wuchsen, und schon reiften die Beeren an
    seinen Trauben.

    40:11 Ich hatte den Becher des Pharao in meiner Hand. Ich nahm die Beeren,
    drückte sie in den Becher des Pharao aus und gab dem Pharao den
    Becher in die Hand.

    40:12 Da sprach Josef zu ihm: Das ist die Deutung: Die drei Ranken sind
    drei Tage.

    40:13 Noch drei Tage, dann wird der Pharao dich vorladen und dich wieder
    in dein Amt einsetzen. Du wirst dem Pharao den Becher reichen, wie
    es früher deine Aufgabe war, als du noch sein Mundschenk warst.

    40:14 Doch denk an mich, wenn es dir gut geht. Tu mir dann einen Gefallen:
    Erzähl dem Pharao von mir, und hol mich aus diesem Haus heraus!

    40:15 Denn entführt hat man mich aus dem Land der Hebräer, und auch hier
    habe ich nichts getan, daß man mich hätte ins Gefängnis werfen
    müssen.

    40:16 Als der Oberbäcker merkte, daß Josef eine günstige Deutung gegeben
    hatte, sagte er zu ihm: Auch ich hatte einen Traum. Ich hatte drei
    Körbe Feingebäck auf meinem Kopf.

    40:17 Im obersten Korb war allerlei Backwerk für die Tafel des Pharao.
    Aber die Vögel fraßen es aus dem Korb auf meinem Kopf.

    40:18 Josef antwortete: Das ist die Deutung: Die drei Körbe sind drei
    Tage.

    40:19 Noch drei Tage, dann wird der Pharao dich vorladen und dich an einem
    Baum aufhängen; die Vögel werden von dir das Fleisch abfressen.

    40:20 Drei Tage darauf hatte der Pharao Geburtstag. Er veranstaltete für
    alle seine Hofleute ein Gastmahl. Da lud er vor versammeltem Hof den
    Obermundschenk und den Oberbäcker vor.

    40:21 Den Obermundschenk setzte er wieder in sein Amt ein; er durfte dem
    Pharao den Becher reichen.

    40:22 Den Oberbäcker ließ er aufhängen. Alles geschah, wie es Josef ihnen
    gedeutet hatte.

    40:23 Der Obermundschenk aber dachte nicht mehr an Josef und vergaß ihn.

    Der Traum des Pharao und seine Deutung: 41,1-36

    41:1 Zwei Jahre später hatte der Pharao einen Traum: Er stand am Nil.

    41:2 Aus dem Nil stiegen sieben gut aussehende, wohlgenährte Kühe und
    weideten im Riedgras.

    41:3 Nach ihnen stiegen sieben andere Kühe aus dem Nil; sie sahen häßlich
    aus und waren mager. Sie stellten sich neben die schon am Nilufer
    stehenden Kühe,

    41:4 und die häßlichen, mageren Kühe fraßen die sieben gut aussehenden
    und wohlgenährten Kühe auf. Dann erwachte der Pharao.

    41:5 Er schlief aber wieder ein und träumte ein zweites Mal: An einem
    einzigen Halm wuchsen sieben Ähren, prall und schön.

    41:6 Nach ihnen wuchsen sieben kümmerliche, vom Ostwind ausgedörrte
    Ähren.

    41:7 Die kümmerlichen Ähren verschlangen die sieben prallen, vollen
    Ähren. Der Pharao wachte auf: Es war ein Traum.

    41:8 Am Morgen fühlte er sich beunruhigt; er schickte hin und ließ alle
    Wahrsager und Weisen Ägyptens rufen. Der Pharao erzählte ihnen seine
    Träume, doch keiner war da, der sie ihm hätte deuten können.

    41:9 Da sagte der Obermundschenk zum Pharao: Heute muß ich an meine
    Verfehlung erinnern:

    41:10 Als der Pharao über seine Diener aufgebracht war, gab er mich ins
    Haus des Obersten der Leibwache in Haft, mich und den Oberbäcker.

    41:11 Da hatten wir, ich und er, in derselben Nacht einen Traum, der für
    jeden eine besondere Bedeutung haben sollte.
    40,5

    41:12 Dort war mit uns zusammen ein junger Hebräer, ein Sklave des
    Obersten der Leibwache. Wir erzählten ihm unsere Träume, und er
    legte sie uns aus. Jedem gab er die zutreffende Deutung.

    41:13 Wie er es uns gedeutet hatte, so geschah es: Mich setzte man wieder
    in mein Amt ein, den andern hängte man auf.

    41:14 Da schickte der Pharao hin und ließ Josef rufen. Man holte ihn
    schnell aus dem Gefängnis, schor ihm die Haare, er zog andere
    Kleider an und kam zum Pharao.

    41:15 Der Pharao sagte zu Josef: Ich hatte einen Traum, doch keiner kann
    ihn deuten. Von dir habe ich aber gehört, du brauchst einen Traum
    nur zu hören, dann kannst du ihn deuten.

    41:16 Josef antwortete dem Pharao: Nicht ich, sondern Gott wird zum Wohl
    des Pharao eine Antwort geben.

    41:17 Da sagte der Pharao zu Josef: In meinem Traum stand ich am Nilufer.

    41:18 Aus dem Nil stiegen sieben wohlgenährte, stattliche Kühe und
    weideten im Riedgras.

    41:19 Nach ihnen stiegen sieben andere Kühe herauf, elend, sehr häßlich
    und mager. Nie habe ich in ganz Ägypten so häßliche Kühe gesehen.

    41:20 Die mageren und häßlichen Kühe fraßen die sieben ersten, fetten auf.

    41:21 Sie verschwanden in ihrem Bauch, aber man merkte nicht, daß sie
    darin waren; sie sahen genauso elend aus wie vorher. Dann wachte ich
    auf.

    41:22 Weiter sah ich in meinem Traum: Auf einem einzigen Halm gingen
    sieben volle, schöne Ähren auf.

    41:23 Nach ihnen wuchsen sieben taube, kümmerliche, vom Ostwind
    ausgedörrte Ähren.

    41:24 Die kümmerlichen Ähren verschlangen die sieben schönen Ähren. Ich
    habe das den Wahrsagern erzählt, aber keiner konnte mir die Deutung
    sagen.

    41:25 Darauf sagte Josef zum Pharao: Der Traum des Pharao ist ein und
    derselbe. Gott sagt dem Pharao an, was er vorhat:

    41:26 Die sieben schönen Kühe sind sieben Jahre, und die sieben schönen
    Ähren sind sieben Jahre. Es ist ein und derselbe Traum.

    41:27 Die sieben mageren und häßlichen Kühe, die nachher heraufkamen, sind
    sieben Jahre, und die sieben leeren, vom Ostwind ausgedörrten Ähren
    sind sieben Jahre Hungersnot.

    41:28 Das ist es, was ich meinte, als ich zum Pharao sagte: Gott ließ den
    Pharao sehen, was er vorhat:

    41:29 Sieben Jahre kommen, da wird großer Überfluß in ganz Ägypten sein.

    41:30 Nach ihnen aber werden sieben Jahre Hungersnot heraufziehen: Da wird
    der ganze Überfluß in Ägypten vergessen sein, und Hunger wird das
    Land auszehren.

    41:31 Dann wird man nichts mehr vom Überfluß im Land merken wegen des
    Hungers, der danach kommt; denn er wird sehr drückend sein.

    41:32 Daß aber der Pharao gleich zweimal träumte, bedeutet: Die Sache
    steht bei Gott fest, und Gott wird sie bald ausführen.

    41:33 Nun sehe sich der Pharao nach einem klugen, weisen Mann um und setze
    ihn über Ägypten.

    41:34 Der Pharao möge handeln: Er bestelle Bevollmächtigte über das Land
    und besteuere Ägypten mit einem Fünftel in den sieben Jahren des
    Überflusses.

    41:35 Die Bevollmächtigten sollen alles Brotgetreide der kommenden guten
    Jahre sammeln und auf Weisung des Pharao Korn aufspeichern; das
    Brotgetreide sollen sie in den Städten sicherstellen.

    41:36 Das Brotgetreide soll dem Land als Rücklage dienen für die sieben
    Jahre der Hungersnot, die über Ägypten kommen werden. Dann wird das
    Land nicht an Hunger zugrunde gehen.

    Josefs Macht über Ägypten: 41,37-57

    41:37 Die Rede gefiel dem Pharao und allen seinen Hofleuten.

    41:38 Der Pharao sagte zu ihnen: Finden wir einen Mann wie diesen hier,
    einen, in dem der Geist Gottes wohnt?

    41:39 Dann sagte der Pharao zu Josef: Nachdem dich Gott all das hat wissen
    lassen, gibt es niemand, der so klug und weise wäre wie du.

    41:40 Du sollst über meinem Hause stehen, und deinem Wort soll sich mein
    ganzes Volk beugen. Nur um den Thron will ich höher sein als du.

    41:41 Der Pharao sagte weiter zu Josef: Hiermit stelle ich dich über ganz
    Ägypten.

    41:42 Der Pharao nahm den Siegelring von seiner Hand und steckte ihn Josef
    an die Hand. Er bekleidete ihn mit Byssusgewändern und legte ihm die
    goldene Kette um den Hals.
    Byssus ist eine feine Leinwand.

    41:43 Dann ließ er ihn seinen zweiten Wagen besteigen. Man rief vor ihm
    aus: Achtung! So stellte er ihn über ganz Ägypten.

    41:44 Der Pharao sagte zu Josef: Ich bin der Pharao, aber ohne dich soll
    niemand seine Hand oder seinen Fuß regen in ganz Ägypten.

    41:45 Der Pharao verlieh Josef den Namen Zafenat-Paneach und gab ihm
    Asenat, die Tochter Potiferas, des Priesters von On, zur Frau. So
    wurde Josef Herr über Ägypten.

    41:46 Josef war dreißig Jahre alt, als er vor dem Pharao, dem König von
    Ägypten, stand. Josef ging vom Pharao weg und durchzog ganz Ägypten.

    41:47 Das Land brachte in den sieben Jahren des Überflusses überreichen
    Ertrag.

    41:48 Josef ließ während der sieben Jahre, in denen es Überfluß gab, alles
    Brotgetreide in Ägypten sammeln und in die Städte schaffen. Das
    Getreide der Felder rings um jede Stadt ließ er dort hineinbringen.

    41:49 So speicherte Josef Getreide in sehr großer Menge auf, wie Sand am
    Meer, bis man aufhören mußte, es zu messen, weil man es nicht mehr
    messen konnte.

    41:50 Ein Jahr, bevor die Hungersnot kam, wurden Josef zwei Söhne geboren.
    Asenat, die Tochter Potiferas, des Priesters von On, gebar sie ihm.

    41:51 Josef nannte den Erstgeborenen Manasse (Vergeßling), denn er sagte:
    Gott hat mich all meine Sorge und mein ganzes Vaterhaus vergessen
    lassen.

    41:52 Den zweiten Sohn nannte er Efraim (Fruchtbringer), denn er sagte:
    Gott hat mich fruchtbar werden lassen im Lande meines Elends.

    41:53 Die sieben Jahre des Überflusses in Ägypten gingen zu Ende,

    41:54 und es begannen die sieben Jahre der Hungersnot, wie es Josef
    vorausgesagt hatte. Eine Hungersnot brach über alle Länder herein,
    in ganz Ägypten aber gab es Brot.

    41:55 Da ganz Ägypten Hunger hatte, schrie das Volk zum Pharao nach Brot.
    Der Pharao aber sagte zu den Ägyptern: Geht zu Josef! Tut, was er
    euch sagt.

    41:56 Als die Hungersnot über das ganze Land gekommen war, öffnete Josef
    alle Speicher und verkaufte Getreide an die Ägypter. Aber der Hunger
    wurde immer drückender in Ägypten.

    41:57 Auch alle Welt kam nach Ägypten, um bei Josef Getreide zu kaufen;
    denn der Hunger wurde immer drückender auf der ganzen Erde.

    Die erste Reise der Brüder Josefs nach Ägypten: 42,1-38

    42:1 Als Jakob erfuhr, daß es in Ägypten Getreide zu kaufen gab, sagte er
    zu seinen Söhnen: Warum schaut ihr einander so an?

    42:2 Und er sagte: Ich habe gehört, daß es in Ägypten Getreide zu kaufen
    gibt. Zieht hin, und kauft dort für uns Getreide, damit wir am Leben
    bleiben und nicht sterben müssen.

    42:3 Zehn Brüder Josefs zogen also hinunter, um in Ägypten Getreide zu
    kaufen.

    42:4 Benjamin, den Bruder Josefs, ließ Jakob nicht mit seinen Brüdern
    ziehen, denn er dachte, es könnte ihm ein Unglück zustoßen.

    42:5 Die Söhne Israels kamen also mitten unter anderen, die auch gekommen
    waren, um Getreide zu kaufen; denn Hungersnot herrschte in Kanaan.

    42:6 Josef verwaltete das Land. Er war es, der allen Leuten im Lande
    Getreide verkaufte. So kamen Josefs Brüder und warfen sich vor ihm
    mit dem Gesicht zur Erde nieder.

    42:7 Als Josef seine Brüder sah, erkannte er sie. Aber er gab sich ihnen
    nicht zu erkennen, sondern fuhr sie barsch an. Er fragte sie: Wo
    kommt ihr her? Aus Kanaan, um Brotgetreide zu kaufen, sagten sie.

    42:8 Josef hatte seine Brüder erkannt, sie aber hatten ihn nicht erkannt.

    42:9 Josef erinnerte sich an das, was er von ihnen geträumt hatte, und
    sagte: Spione seid ihr. Um nachzusehen, wo das Land eine schwache
    Stelle hat, seid ihr gekommen.
    37,5-11

    42:10 Sie antworteten ihm: Nein, Herr. Um Brotgetreide zu kaufen, sind
    deine Knechte gekommen.

    42:11 Wir alle sind Söhne ein und desselben Vaters. Ehrliche Leute sind
    wir, deine Knechte sind keine Spione.

    42:12 Er aber entgegenete ihnen: Nichts da, ihr seid nur gekommen, um
    nachzusehen, wo das Land eine schwache Stelle hat.

    42:13 Da sagten sie: Wir, deine Knechte, waren zwölf Brüder, Söhne ein und
    desselben Mannes in Kanaan. Der Jüngste ist bei unserem Vater
    geblieben, und einer ist nicht mehr.

    42:14 Josef aber sagte zu ihnen: Es bleibt dabei, wie ich euch gesagt
    habe: Spione seid ihr.

    42:15 So wird man euch auf die Probe stellen: Beim Leben des Pharao! Ihr
    sollt von hier nicht eher loskommen, bis auch euer jüngster Bruder
    da ist.

    42:16 Schickt einen von euch hin! Er soll euren Bruder holen; ihr anderen
    aber werdet in Haft genommen. So wird man euer Gerede überprüfen und
    feststellen können, ob ihr die Wahrheit gesagt habt oder nicht. Beim
    Leben des Pharao, ja, Spione seid ihr.

    42:17 Dann ließ er sie für drei Tage in Haft nehmen.

    42:18 Am dritten Tag sagte Josef zu ihnen: Tut folgendes, und ihr werdet
    am Leben bleiben, denn ich fürchte Gott:

    42:19 Wenn ihr ehrliche Leute seid, soll einer von euch Brüdern in dem
    Gefängnis zurückgehalten werden, in dem ihr in Haft gewesen seid.
    Ihr anderen aber geht und bringt das gekaufte Getreide heim, um den
    Hunger eurer Familien zu stillen.

    42:20 Euren jüngsten Bruder aber schafft mir herbei, damit sich eure Worte
    als wahr erweisen und ihr nicht sterben müßt. So machten sie es.

    42:21 Sie sagten zueinander: Ach ja, wir sind an unserem Bruder schuldig
    geworden. Wir haben zugesehen, wie er sich um sein Leben ängstigte.
    Als er uns um Erbarmen anflehte, haben wir nicht auf ihn gehört.
    Darum ist nun diese Bedrängnis über uns gekommen.

    42:22 Ruben entgegnete ihnen: Habe ich euch nicht gesagt: Versündigt euch
    nicht an dem Kind! Ihr aber habt nicht gehört. Nun wird für sein
    Blut von uns Rechenschaft gefordert.

    42:23 Sie aber ahnten nicht, daß Josef zuhörte, denn er bediente sich im
    Gespräch mit ihnen eines Dolmetschers.

    42:24 Er wandte sich von ihnen ab und weinte. Als er sich ihnen wieder
    zuwandte und abermals mit ihnen redete, ließ er aus ihrer Mitte
    Simeon festnehmen und vor ihren Augen fesseln.

    42:25 Josef befahl dann, ihre Behälter mit Getreide zu füllen, einem jeden
    von ihnen das Geld wieder in den Sack zurückzulegen und ihnen für
    die Reise Verpflegung mitzugeben. So geschah es.

    42:26 Sie luden das Getreide auf ihre Esel und zogen fort.

    42:27 Als einer seinen Sack öffnete, um in der Herberge seinen Esel zu
    füttern, sah er sein Geld. Es lag in seinem Getreidesack ganz oben.

    42:28 Er sagte zu seinen Brüdern: Man hat mir mein Geld zurückgegeben.
    Seht, hier ist es in meinem Getreidesack. Da verließ sie der Mut und
    sie sagten zitternd zueinander: Was hat uns Gott da angetan?

    42:29 Sie kamen zu ihrem Vater Jakob nach Kanaan und berichteten ihm
    alles, was ihnen zugestoßen war:

    42:30 Jener Mann, der Herr des Landes, hat uns barsch angefahren und uns
    für Leute gehalten, die das Land ausspionieren.

    42:31 Wir sagten ihm: Ehrliche Leute sind wir und keine Spione.

    42:32 Wir waren zwölf Brüder, Söhne ein und desselben Vaters. Einer ist
    nicht mehr, und der Jüngste ist bei unserem Vater in Kanaan
    geblieben.

    42:33 Jener Mann aber, der Herr des Landes, sagte zu uns: Daran will ich
    erkennen, ob ihr ehrliche Leute seid: Laßt einen von euch Brüdern
    bei mir zurück, nehmt das Getreide, das den Hunger eurer Familien
    stillen soll, geht

    42:34 und schafft mir euren jüngsten Bruder herbei! So werde ich
    erfahren, daß ihr keine Spione, sondern ehrliche Leute seid. Ich
    gebe euch dann euren Bruder heraus, und ihr dürft euch frei im Land
    bewegen.

    42:35 Während sie nun ihre Säcke leerten, stellten sie fest: Jeder hatte
    seinen Geldbeutel im Sack. Als sie und ihr Vater ihre Geldbeutel
    sahen, bekamen sie Angst.

    42:36 Ihr Vater Jakob sagte zu ihnen: Ihr bringt mich um meine Kinder.
    Josef ist nicht mehr, Simeon ist nicht mehr, und Benjamin wollt ihr
    mir auch noch nehmen. Nichts bleibt mir erspart.

    42:37 Da sagte Ruben zu seinem Vater: Meine beiden Söhne magst du
    umbringen, wenn ich ihn dir nicht zurückbringe. Vertrau ihn meiner
    Hand an; ich bringe ihn dir wieder zurück.

    42:38 Nein, sagte er, mein Sohn wird nicht mit euch hinunterziehen. Denn
    sein Bruder ist schon tot, nur er allein ist noch da. Stößt ihm auf
    dem Weg, den ihr geht, ein Unglück zu, dann bringt ihr mein graues
    Haar vor Kummer in die Unterwelt.

    Die zweite Reise der Brüder Josefs nach Ägypten: 43,1 - 45,28

    43:1 Der Hunger lastete schwer auf dem Land.

    43:2 Das Getreide, das sie aus Ägypten gebracht hatten, war aufgezehrt.
    Da sagte ihr Vater zu ihnen: Geht noch einmal hin, kauft uns etwas
    Brotgetreide!

    43:3 Juda antwortete ihm: Der Mann hat uns nachdrücklich eingeschärft:
    Kommt mir ja nicht mehr unter die Augen, wenn ihr nicht euren Bruder
    mitbringt.
    42,15f.20

    43:4 Wenn du bereit bist, unseren Bruder mitzuschicken, ziehen wir
    hinunter und kaufen dir Brotgetreide.

    43:5 Willst du ihn aber nicht mitschicken, gehen wir nicht. Denn der Mann
    hat uns gesagt: Kommt mir ja nicht mehr unter die Augen, wenn ihr
    nicht euren Bruder mitbringt.

    43:6 Da sagte Israel: Warum habt ihr mir so etwas Schlimmes angetan,
    jenem Mann zu sagen, daß ihr noch einen Bruder habt?

    43:7 Der Mann, entgegneten sie, hat sich bei uns eingehend nach unserer
    Verwandtschaft erkundigt und gefragt: Lebt euer Vater noch, habt ihr
    noch einen Bruder? Wir haben ihm Auskunft gegeben, wie es wirklich
    ist. Konnten wir denn wissen, daß er sagen würde: Bringt euren
    Bruder her!
    42,10-13

    43:8 Juda schlug seinem Vater Israel vor: Laß den Knaben mit mir ziehen!
    Dann können wir aufbrechen und uns auf die Reise machen. So werden
    wir am Leben bleiben und nicht sterben, wir und du und unsere
    Kinder.

    43:9 Ich verbürge mich für ihn; aus meiner Hand magst du ihn
    zurückfordern. Wenn ich ihn dir nicht zurückbringe und vor dich
    hinstelle, will ich alle Tage bei dir in Schuld stehen.

    43:10 Hätten wir nicht so lange gezögert, könnten wir schon zum zweitenmal
    zurück sein.

    43:11 Da sagte ihr Vater Israel zu ihnen: Wenn es schon sein muß, dann
    macht es so: Nehmt von den besten Erzeugnissen des Landes in eurem
    Gepäck mit, und überbringt es dem Mann als Geschenk: etwas Mastix,
    etwas Honig, Tragakant und Ladanum, Pistazien und Mandeln.
    Zu Mastix, Tragakant und Ladanum vgl. die Anmerkung zu 37,25.

    43:12 Nehmt den doppelten Geldbetrag mit! Das Geld, das sich wieder oben
    in euren Getreidesäcken fand, gebt mit eigenen Händen zurück!
    Vielleicht war es ein Versehen.

    43:13 So nehmt denn euren Bruder mit, brecht auf, und geht wieder zu dem
    Mann zurück!

    43:14 Gott, der Allmächtige, lasse euch Erbarmen bei dem Mann finden, so
    daß er euch den anderen Bruder und Benjamin freigibt. Ich aber, ich
    verliere noch alle Kinder.

    43:15 Die Männer nahmen das Geschenk und den doppelten Geldbetrag mit und
    dazu auch Benjamin. Sie machten sich auf, zogen nach Ägypten hinab
    und traten vor Josef hin.

    43:16 Als Josef bei ihnen Benjamin sah, sagte er zu seinem Hausverwalter:
    Führe die Männer ins Haus, schlachte ein Tier, und richte es her!
    Die Männer werden nämlich mit mir zu Mittag essen.

    43:17 Der Mann tat, wie Josef angeordnet hatte: Er führte die Männer in
    das Haus Josefs.

    43:18 Die Männer fürchteten sich, weil man sie in Josefs Haus führte, und
    dachten: Wegen des Geldes, das sich beim erstenmal wieder in unseren
    Getreidesäcken fand, werden wir da hineingeführt. Man wird sich auf
    uns werfen, man wird uns überfallen und uns als Sklaven zurückhalten
    samt unseren Eseln.

    43:19 Sie traten näher an den Hausverwalter Josefs heran und begannen mit
    ihm an der Haustür ein Gespräch.

    43:20 Sie sagten: Bitte, Herr, schon früher sind wir einmal hierher
    gekommen, um Brotgetreide zu kaufen.

    43:21 Als wir aber in die Herberge kamen und unsere Getreidesäcke
    öffneten, lag das Geld eines jeden von uns oben im Sack, unser Geld
    im vollen Betrag. Wir bringen es mit eigenen Händen wieder zurück.

    43:22 Darüber hinaus haben wir noch mehr Geld mitgebracht, um Brotgetreide
    einzukaufen. Wir wissen nicht, wer das Geld in unsere Säcke gelegt
    hat.

    43:23 Ihr könnt beruhigt sein, antwortete er, fürchtet euch nicht! Euer
    Gott, der Gott eures Vaters, hat euch heimlich ein Geschenk in eure
    Säcke gelegt. Bei mir ist euer Geld eingegangen. Dann brachte er
    Simeon zu ihnen heraus.

    43:24 Als er die Männer ins Haus Josefs geführt hatte, gab er ihnen Wasser
    zum Füßewaschen und ließ ihre Esel füttern.

    43:25 Sie legten, bis Josef zu Mittag kam, das Geschenk zurecht; denn sie
    hatten gehört, daß sie dort essen sollten.

    43:26 Als Josef ins Haus kam, überreichten sie ihm das Geschenk, das sie
    mit hineingenommen hatten, und warfen sich vor ihm auf die Erde
    nieder.

    43:27 Er erkundigte sich, wie es ihnen gehe, und fragte: Geht es eurem
    alten Vater gut, von dem ihr erzählt habt? Ist er noch am Leben?

    43:28 Sie erwiderten: Deinem Knecht, unserem Vater, geht es gut; er lebt
    noch. Dann verneigten sie sich und und warfen sich nieder.

    43:29 Als er hinsah und seinen Bruder Benjamin, den Sohn seiner Mutter,
    erblickte, fragte er: Ist das euer jüngster Bruder, von dem ihr mir
    erzählt habt? Und weiter sagte er: Gottes Gnade sei mit dir, mein
    Sohn.

    43:30 Dann ging Josef schnell weg, denn er konnte sich vor Rührung über
    seinen Bruder nicht mehr halten; er war dem Weinen nahe. Er zog sich
    in die Kammer zurück, um sich dort auszuweinen.

    43:31 Dann wusch er sein Gesicht, kam zurück, nahm sich zusammen und
    ordnete an: Tragt das Essen auf!

    43:32 Man trug das Essen auf, getrennt für ihn, für sie und für die mit
    ihm speisenden Ägypter. Die Ägypter können nämlich nicht gemeinsam
    mit den Hebräern essen, weil das bei den Ägyptern als unschicklich
    gilt.

    43:33 Die Brüder kamen vor ihm so zu sitzen, daß der Erstgeborene den
    ersten und der Jüngste den letzten Platz einnahm. Da blickten die
    Männer einander verwundert an.

    43:34 Er ließ ihnen Gerichte vorsetzen, die vor ihm standen, was man aber
    Benjamin vorsetzte, übertraf das aller anderen um das Fünffache. Sie
    tranken mit ihm und waren guter Dinge.

    44:1 Dann befahl Josef seinem Hausverwalter: Fülle die Getreidesäcke der
    Männer mit so viel Brotgetreide, wie sie tragen können, und leg das
    Geld eines jeden oben in den Sack!

    44:2 Meinen Becher, den Silberbecher, leg oben in den Sack des Jüngsten
    mit dem Geld, für das er Getreide gekauft hat. Er tat, wie Josef es
    angeordnet hatte.

    44:3 Als es am Morgen hell wurde, ließ man die Männer mit ihren Eseln
    abreisen.

    44:4 Sie hatten sich noch nicht weit von der Stadt entfernt, da sagte
    Josef zu seinem Hausverwalter: Auf, jag hinter den Männern her! Wenn
    du sie eingeholt hast, sag ihnen: Warum habt ihr Gutes mit Bösem
    vergolten und mir den Silberbecher gestohlen?

    44:5 Das ist doch der, aus dem mein Herr trinkt und aus dem er wahrsagt.
    Da habt ihr etwas Schlimmes getan.

    44:6 Der Hausverwalter holte sie ein und sagte zu ihnen, was ihm
    aufgetragen war.

    44:7 Sie antworteten ihm: Wie kann mein Herr so etwas sagen? Niemals
    werden deine Knechte so etwas tun.

    44:8 Sieh her, das Geld, das wir oben in unseren Getreidesäcken fanden,
    haben wir dir aus Kanaan zurückgebracht. Wie könnten wir da aus dem
    Haus deines Herrn Silber oder Gold stehlen?

    44:9 Der von den Knechten, bei dem sich der Becher findet, soll sterben,
    und auch wir sollen dann unserem Herrn als Sklaven gehören.

    44:10 Also gut, sagte er, es soll geschehen, wie ihr sagt: Bei wem er sich
    findet, der sei mein Sklave, doch ihr anderen sollt straffrei
    bleiben.

    44:11 Jeder stellte eiligst seinen Sack auf die Erde und öffnete ihn:

    44:12 Er durchsuchte alles, beim Ältesten begann er, und beim Jüngsten
    hörte er auf. Der Becher fand sich im Sack Benjamins.

    44:13 Da zerrissen sie ihre Kleider. Jeder belud seinen Esel, und sie
    kehrten in die Stadt zurück.

    44:14 So kamen Juda und seine Brüder wieder in das Haus Josefs, der noch
    dort war. Sie fielen vor ihm zur Erde nieder.

    44:15 Josef sagte zu ihnen: Was habt ihr getan? Wußtet ihr denn nicht, daß
    ein Mann wie ich wahrsagen kann?

    44:16 Juda erwiderte: Was sollen wir unserem Herr sagen, was sollen wir
    vorbringen, womit uns rechtfertigen? Gott hat die Schuld deiner
    Knechte ans Licht gebracht. So sind wir also Sklaven unseres Herrn,
    wir und der, bei dem sich der Becher gefunden hat.

    44:17 Doch Josef gab zur Antwort: Das kann ich auf keinen Fall tun.
    Derjenige, bei dem sich der Becher gefunden hat, der soll mein
    Sklave sein. Ihr anderen aber zieht in Frieden hinauf zu eurem
    Vater!

    44:18 Da trat Juda an ihn heran und sagte: Bitte, mein Herr, dein Knecht
    darf vielleicht meinem Herrn offen etwas sagen, ohne daß sein Zorn
    über deinen Knecht entbrennt; denn du bist wie der Pharao.

    44:19 Mein Herr hat seine Knechte gefragt: Habt ihr einen Vater oder
    Bruder?

    44:20 Wir erwiderten meinem Herrn: Wir haben einen alten Vater und einen
    kleinen Bruder, der ihm noch in hohem Alter geboren wurde. Dessen
    Bruder ist gestorben; er ist allein von seiner Mutter noch da, und
    sein Vater liebt ihn besonders.

    44:21 Du aber hast von deinen Knechten verlangt: Bringt ihn her zu mir,
    ich will ihn mit eigenen Augen sehen.

    44:22 Da sagten wir zu unserem Herrn: Der Knabe kann seinen Vater nicht
    verlassen. Verließe er ihn, so würde der Vater sterben.

    44:23 Du aber sagtest zu deinen Knechten: Wenn euer jüngster Bruder nicht
    mit euch kommt, dürft ihr mir nicht mehr unter die Augen treten.

    44:24 Als wir zu deinem Knecht, deinem Vater, hinaufgekommen waren,
    erzählten wir ihm, was mein Herr gesagt hatte.

    44:25 Als dann unser Vater sagte: Kauft uns noch einmal etwas
    Brotgetreide!,

    44:26 entgegneten wir: Wir können nicht hinunterziehen; nur wenn unser
    jüngster Bruder dabei ist, ziehen wir hinunter. Wir können nämlich
    dem Mann nicht mehr unter die Augen treten, wenn nicht unser
    jüngster Bruder dabei ist.

    44:27 Darauf antwortete uns dein Knecht, mein Vater: Ihr wißt, daß mir
    meine Frau zwei Söhne geboren hat.

    44:28 Einer ist von mir gegangen, und ich sagte: Er ist gewiß zerrissen
    worden. Ich habe ihn bis heute nicht mehr gesehen.

    44:29 Nun nehmt ihr mir auch den noch weg. Stößt ihm ein Unglück zu, dann
    bringt ihr mein graues Haar vor Leid in die Unterwelt.

    44:30 Wenn ich jetzt zu deinem Knecht, meinem Vater, käme, und der Knabe
    wäre nicht bei uns, da doch sein Herz so an ihm hängt,

    44:31 wenn er also sähe, daß der Knabe nicht dabei ist, würde er sterben.
    Dann brächten deine Sklaven deinen Knecht, unseren greisen Vater,
    vor Gram in die Unterwelt.

    44:32 Dein Knecht hat sich für den Knaben beim Vater mit den Worten
    verbürgt: Wenn ich ihn nicht zu dir zurückbringe, will ich alle Tage
    bei meinem Vater in Schuld stehen.

    44:33 Darum soll jetzt dein Knecht an Stelle des Knaben dableiben als
    Sklave für meinen Herrn; der Knabe aber soll mit seinen Brüdern
    ziehen dürfen.

    44:34 Denn wie könnte ich zu meinem Vater hinaufziehen, ohne daß der Knabe
    bei mir wäre? Ich könnte das Unglück nicht mit ansehen, das dann
    meinen Vater träfe.

    45:1 Josef vermochte sich vor all den Leuten, die um ihn standen, nicht
    mehr zu halten und rief: Schafft mir alle Leute hinaus! So stand
    niemand bei Josef, als er sich seinen Brüdern zu erkennen gab.

    45:2 Er begann so laut zu weinen, daß es die Ägypter hörten; auch am Hof
    des Pharao hörte man davon.

    45:3 Josef sagte zu seinen Brüdern: Ich bin Josef. Ist mein Vater noch am
    Leben? Seine Brüder waren zu keiner Antwort fähig, weil sie
    fassungslos vor ihm standen.

    45:4 Josef sagte zu seinen Brüdern: Kommt doch näher zu mir her! Als sie
    näher herangetreten waren, sagte er: Ich bin Josef, euer Bruder, den
    ihr nach Ägypten verkauft habt.

    45:5 Jetzt aber laßt es euch nicht mehr leid sein, und grämt euch nicht,
    weil ihr mich hierher verkauft habt. Denn um Leben zu erhalten, hat
    mich Gott vor euch hergeschickt.

    45:6 Ja, zwei Jahre sind es jetzt schon, daß der Hunger im Land wütet.
    Und noch fünf Jahre stehen bevor, in denen man weder pflügen noch
    ernten wird.

    45:7 Gott aber hat mich vor euch hergeschickt, um von euch im Land einen
    Rest zu erhalten und viele von euch eine große Rettungstat erleben
    zu lassen.
    Hinweis auf die Rettung der Nachkommen Jakobs aus der ägyptischen
    Knechtschaft, von der Ex 1 - 15 berichtet.

    45:8 Also nicht ihr habt mich hierher geschickt, sondern Gott. Er hat
    mich zum Vater für den Pharao gemacht, zum Herrn für sein ganzes
    Haus und zum Gebieter über ganz Ägypten.

    45:9 Zieht eiligst zu meinem Vater hinauf, und meldet ihm: So hat dein
    Sohn Josef gesagt: Gott hat mich zum Herrn für ganz Ägypten gemacht.
    Komm herunter zu mir, laß dich nicht aufhalten!

    45:10 Du kannst dich im Gebiet von Goschen niederlassen und wirst in
    meiner Nähe sein, du mit deinen Söhnen und deinen Kindeskindern, mit
    deinen Schafen und Ziegen, mit deinen Rindern und mit allem, was dir
    gehört.

    45:11 Dort werde ich für dich sorgen; denn noch fünf Jahre dauert die
    Hungersnot. Du mit deinem Haus und allem, was dir gehört, du
    brauchst dann nicht zu darben.

    45:12 Ihr und mein Bruder Benjamin, ihr seht es ja mit eigenen Augen, daß
    ich wirklich mit euch rede.

    45:13 Erzählt meinem Vater von meinem hohen Rang in Ägypten und von allem,
    was ihr gesehen habt. Beeilt euch, und bringt meinen Vater her!

    45:14 Er fiel seinem Bruder Benjamin um den Hals und weinte; auch Benjamin
    weinte an seinem Hals.

    45:15 Josef küßte dann weinend alle seine Brüder. Darauf unterhielten sich
    seine Brüder mit ihm.

    45:16 Am Hof des Pharao verbreitete sich die Nachricht: Die Brüder Josefs
    sind gekommen. Dem Pharao und seinen Dienern war das recht.

    45:17 Der Pharao sagte zu Josef: Sag zu deinen Brüdern: So sollt ihr es
    machen: Beladet eure Tragtiere, und reist nach Kanaan zurück!

    45:18 Holt euren Vater und eure Familien, und kommt zu mir! Ich will euch
    das Beste geben, was Ägypten bietet; von den besten Erzeugnissen des
    Landes dürft ihr essen.

    45:19 Du gib den Auftrag weiter: Tut folgendes: Nehmt euch aus Ägypten
    Wagen mit für eure Kinder und Frauen, laßt euren Vater aufsteigen,
    und kommt!

    45:20 Es soll euch nicht leid sein um euren Hausrat. Denn das Beste, was
    ganz Ägypten bietet, soll euch gehören.

    45:21 Die Söhne Israels machten es so. Josef stellte nach der Weisung des
    Pharao Wagen zur Verfügung und gab ihnen Verpflegung mit auf die
    Reise.

    45:22 Allen schenkte er Festgewänder, Benjamin aber schenkte er
    dreihundert Silberstücke und fünf Festgewänder.

    45:23 Seinem Vater schickte er ungefähr zehn Esel mit, beladen mit dem
    Besten, was Ägypten bietet, und zehn Eselinnen, beladen mit Getreide
    und Brot, sowie Reiseverpflegung für seinen Vater.

    45:24 Dann entließ er seine Brüder. Als sie sich auf den Weg machten,
    sagte er noch zu ihnen: Streitet nicht unterwegs!

    45:25 Sie zogen also von Ägypten hinauf und kamen nach Kanaan zu ihrem
    Vater Jakob.

    45:26 Sie berichteten ihm: Josef ist noch am Leben. Er ist sogar Herr über
    ganz Ägypten. Jakobs Herz aber blieb unbewegt; denn er glaubte ihnen
    nicht.

    45:27 Als sie ihm aber alles erzählten, was Josef zu ihnen gesagt hatte,
    und als er die Wagen sah, die Josef geschickt hatte, um ihn zu
    holen, lebte der Geist Jakobs, ihres Vaters, wieder auf,

    45:28 und Israel sagte: Genug! Mein Sohn Josef lebt noch. Ich will
    hingehen und ihn sehen, bevor ich sterbe.

    Jakobs Familie in Ägypten: 46,1 - 47,12

    46:1 Israel brach auf mit allem, was ihm gehörte. Er kam nach Beerscheba
    und brachte dem Gott seines Vaters Isaak Schlachtopfer dar.

    46:2 Da sprach Gott in einer nächtlichen Vision zu Israel: Jakob! Jakob!
    Hier bin ich!, antwortete er.

    46:3 Gott sprach: Ich bin Gott, der Gott deines Vaters. Fürchte dich
    nicht, nach Ägypten hinabzuziehen; denn zu einem großen Volk mache
    ich dich dort.

    46:4 Ich selbst ziehe mit dir hinunter nach Ägypten, und ich führe dich
    auch selbst wieder herauf. Josef wird dir die Augen zudrücken.

    46:5 Jakob brach von Beerscheba auf. Die Söhne Israels hoben ihren Vater
    Jakob, ihre Kinder und ihre Frauen auf die Wagen, die der Pharao
    geschickt hatte, um ihn zu holen.

    46:6 Sie nahmen ihr Vieh und ihre Habe, die sie in Kanaan erworben
    hatten, und gelangten nach Ägypten, Jakob und mit ihm alle seine
    Nachkommen.

    46:7 Seine Söhne und Enkel, seine Töchter und Enkelinnen, alle seine
    Nachkommen brachte er mit nach Ägypten.

    46:8 Das sind die Namen der Söhne Israels, die nach Ägypten kamen, Jakob
    und seine Söhne: der Erstgeborene Jakobs, Ruben;

    46:9 die Söhne Rubens: Henoch, Pallu, Hezron und Karmi;

    46:10 die Söhne Simeons: Jemu‰l, Jamin, Ohad, Jachin, Zohar und Schaul,
    der Sohn der Kanaaniterin;

    46:11 die Söhne Levis: Gerschon, Kehat und Merari;

    46:12 die Söhne Judas: Er, Onan, Schela, Perez und Serach; Er und Onan
    waren aber in Kanaan gestorben; die Söhne des Perez waren Hezron und
    Hamul;

    46:13 die Söhne Issachars: Tola, Puwa, Jaschub und Schimron;

    46:14 die Söhne Sebulons: Sered, Elon und Jachleel.

    46:15 Das waren die Söhne Leas, die sie Jakob in Paddan-Aram geboren
    hatte, dazu seine Tochter Dina, an Söhnen und Töchtern insgesamt
    dreiunddreißig Personen.

    46:16 Die Söhne Gads: Zifjon, Haggi, Schuni, Ezbon, Eri, Arod und Areli;

    46:17 die Söhne Aschers: Jimna, Jischwa, Jischwi und Beria, dazu ihre
    Schwester Serach; die Söhne Berias: Heber und Malki‰l.

    46:18 Das waren die Söhne Silpas, die Laban seiner Tochter Lea mitgegeben
    hatte; sie alle hatte sie Jakob geboren, sechzehn Personen.

    46:19 Die Söhne Rahels, der Frau Jakobs: Josef und Benjamin.

    46:20 Josef hatte in Ägypten Kinder erhalten, die ihm Asenat, die Tochter
    Potiferas, des Priesters von On, geboren hatte: Manasse und Efraim.

    46:21 Die Söhne Benjamins: Bela, Becher, Aschbel, Gera, Naaman, Ehi,
    Rosch, Muppim, Huppim und Ard.

    46:22 Das waren die Söhne Rahels, die Jakob geboren worden waren,
    insgesamt vierzehn Personen.

    46:23 Die Söhne Dans: Schuham.
    Schuham: nach Num 26,42; H irrtümlich: Huschim.

    46:24 Die Söhne Naftalis: Jachzeel, Guni, Jezer und Schillem.

    46:25 Das waren die Söhne Bilhas, die Laban seiner Tochter Rahel
    mitgegeben hatte. Sie alle hatte Bilha Jakob geboren, insgesamt
    sieben Personen.

    46:26 Die Gesamtzahl der Personen, die mit Jakob nach Ägypten gekommen
    waren und von ihm abstammten, betrug ohne die Frauen der Söhne
    Jakobs insgesamt sechsundsechzig Personen.

    46:27 Dazu kommen die Söhne Josefs, die ihm in Ägypten geboren worden
    waren, zwei Personen. Insgesamt waren vom Haus Jakob siebzig
    Personen nach Ägypten gekommen.

    46:28 Jakob schickte Juda voraus zu Josef, um ihn zu sich nach Goschen zu
    bestellen. So kamen sie ins Gebiet von Goschen.
    Der erste Satz ist in H unklar.

    46:29 Josef ließ seinen Wagen anschirren und zog seinem Vater Israel nach
    Goschen entgegen. Als er ihn sah, fiel er ihm um den Hals und weinte
    lange.

    46:30 Israel sagte zu Josef: Jetzt will ich gern sterben, nachdem ich dein
    Angesicht wieder sehen durfte und weiß, daß du noch am Leben bist.

    46:31 Josef sagte dann zu seinen Brüdern und zum ganzen Haus seines
    Vaters: Ich will hingehen, will den Pharao benachrichtigen und ihm
    sagen: Meine Brüder und alle vom Haus meines Vaters, die in Kanaan
    lebten, sind zu mir gekommen.

    46:32 Die Männer sind Viehhirten, ja, Viehzüchter sind sie. Ihre Schafe,
    Ziegen und Rinder und alles, was ihnen gehört, haben sie
    mitgebracht.

    46:33 Der Pharao wird euch rufen lassen und euch fragen, womit ihr euch
    beschäftigt.

    46:34 Dann sagt: Deine Knechte sind von Jugend an bis jetzt Viehzüchter
    gewesen, wir waren es, und unsere Väter waren es auch schon. Dann
    werdet ihr euch in Goschen niederlassen dürfen; denn die Ägypter
    haben gegen alle Viehhirten eine große Abneigung.

    47:1 Josef ging also hin, berichtete dem Pharao und sagte: Mein Vater und
    meine Brüder sind mit ihren Schafen, Ziegen und Rindern und mit
    allem, was ihnen gehört, aus Kanaan gekommen. Sie sind bereits in
    Goschen.

    47:2 Aus dem Kreis seiner Brüder hatte er fünf Männer mitgebracht und
    stellte sie dem Pharao vor.

    47:3 Der Pharao fragte Josefs Brüder: Womit beschäftigt ihr euch? Sie
    antworteten dem Pharao: Hirten von Schafen und Ziegen sind deine
    Knechte; wir sind es, und unsere Väter waren es auch schon.

    47:4 Weiter sagten sie zum Pharao: Wir sind gekommen, um uns als Fremde
    im Land aufzuhalten. Es gibt ja keine Weide für das Vieh deiner
    Knechte, denn schwer lastet die Hungersnot auf Kanaan. Nun möchten
    sich deine Knechte in Goschen niederlassen.

    47:5 Darauf sagte der Pharao zu Josef: Dein Vater und deine Brüder sind
    also zu dir gekommen.

    47:6 Ägypten steht dir offen. Im besten Teil des Landes laß deinen Vater
    und deine Brüder wohnen! Sie sollen sich in Goschen niederlassen.
    Wenn du aber unter ihnen tüchtige Leute kennst, dann setze sie als
    Aufseher über meine Herden ein!

    47:7 Darauf führte Josef seinen Vater Jakob hinein und stellte ihn dem
    Pharao vor. Jakob grüßte den Pharao mit einem Segenswunsch.

    47:8 Der Pharao redete Jakob an: Wie viele Lebensjahre zählst du?

    47:9 Jakob gab dem Pharao zur Antwort: Die Zahl der Jahre meiner
    Pilgerschaft beträgt hundertdreißig. Gering an Zahl und unglücklich
    waren meine Lebensjahre, und sie reichen nicht heran an die
    Lebensjahre meiner Väter in den Tagen ihrer Pilgerschaft.

    47:10 Jakob verabschiedete sich vom Pharao mit einem Segenswunsch.

    47:11 Josef siedelte seinen Vater und seine Brüder an und wies ihnen den
    Grundbesitz in Ägypten zu, im besten Teil des Landes, im Gebiet von
    Ramses, wie der Pharao verfügt hatte.

    47:12 Josef versorgte seinen Vater und seine Brüder und das ganze Haus
    seines Vaters mit so viel Brot, daß die Kinder genug zu essen
    hatten.

    Josefs Verwaltung in Ägypten: 47,13-26

    47:13 Im ganzen Land gab es kein Brot, und der Hunger war sehr drückend.
    Ägypten und Kanaan waren vor Hunger erschöpft.

    47:14 Josef hatte das Geld, das in Ägypten und in Kanaan im Umlauf war,
    für das Getreide, das sie kaufen mußten, eingezogen und in den
    Palast des Pharao gebracht.

    47:15 So war das Geld in Ägypten und Kanaan ausgegangen. Alle Ägypter
    kamen zu Josef und sagten: Gib uns Brot! Warum sollen wir vor deinen
    Augen umkommen? Das Geld ist nämlich zu Ende.

    47:16 Liefert euer Vieh ab, sagte Josef, dann gebe ich euch dafür Brot,
    wenn das Geld zu Ende ist.

    47:17 So brachten sie ihr Vieh zu Josef, und Josef verkaufte ihnen Brot um
    den Preis der Pferde, ihrer Bestände an Schafen und Ziegen, an
    Rindern und Eseln. Er versorgte die Leute also in jenem Jahr gegen
    ihren ganzen Viehbestand mit Brot.

    47:18 Das Jahr ging indes zu Ende, und im nächsten Jahr kamen sie und
    sagten zu ihm: Wir können unserem Herrn nicht verhehlen, daß das
    Geld zu Ende und unser Viehbestand in den Besitz unseres Herrn
    übergegangen ist. Wie unser Herr sieht, haben wir nichts mehr als
    unsere Leiber und unser Ackerland.

    47:19 Warum sollen wir vor deinen Augen umkommen, wir selbst und auch
    unser Ackerland? Kauf uns und unsere Äcker um Brot! Wir und unser
    Ackerland wollen dem Pharao dienstbar sein. Stell Saatgut zur
    Verfügung, so werden wir am Leben bleiben, wir müssen dann nicht
    sterben, und das Ackerland braucht nicht zu verkommen.

    47:20 Josef kaufte also das ganze Ackerland der Ägypter für den Pharao
    auf; denn die Ägypter verkauften alle ihr Feld, weil sie der Hunger
    dazu zwang. So wurde das Land Eigentum des Pharao.

    47:21 Das Volk aber machte er ihm leibeigen von einem Ende Ägyptens bis
    zum andern.

    47:22 Nur das Ackerland der Priester kaufte er nicht auf, denn den
    Priestern steht ein festes Einkommen vom Pharao zu; sie leben von
    dem festen Einkommen, das ihnen der Pharao gewährt. Darum brauchten
    sie ihr Ackerland nicht zu verkaufen.

    47:23 Nun sprach Josef zum Volk: Seht, heute habe ich euch und euer
    Ackerland für den Pharao gekauft. Hier habt ihr Saatgut; bestellt
    nun die Äcker!

    47:24 Vom Ertrag liefert ihr dann ein Fünftel dem Pharao ab, vier Teile
    aber gehören euch als Saatgut für das Feld sowie als Nahrung für
    euch, für die Leute in euren Häusern und für eure Kinder.

    47:25 Da antworteten sie: Du hast uns am Leben erhalten. Wenn wir das
    Wohlwollen unseres Herrn finden, wollen wir gern dem Pharao als
    Knechte dienen.

    47:26 So verfügte Josef als gültiges Recht bis auf den heutigen Tag, daß
    das Ackerland Ägyptens zugunsten des Pharao mit einem Fünftel zu
    besteuern ist. Nur die Äcker der Priester wurden nicht Eigentum des
    Pharao.

    Jakobs letzter Wille: 47,27 - 48,22

    47:27 Israel ließ sich in Ägypten nieder, in der Landschaft Goschen. Sie
    wurden dort ansässig, waren fruchtbar und vermehrten sich sehr.

    47:28 Jakob lebte noch siebzehn Jahre in Ägypten, und die Tage Jakobs,
    seine Lebensjahre, betrugen hundertsiebenundvierzig Jahre.

    47:29 Als die Zeit kam, da Israel sterben sollte, rief er seinen Sohn
    Josef und sagte zu ihm: Wenn ich dein Wohlwollen gefunden habe, leg
    deine Hand unter meine Hüfte, daß du nach Treu und Glauben an mir
    handeln wirst: Begrab mich nicht in Ägypten!
    Zu der Schwurgebärde vgl. die Anmerkung zu 24,2.

    47:30 Bin ich zu meinen Vätern entschlafen, dann bring mich fort aus
    Ägypten, und begrab mich in der Grabstätte meiner Väter! Er
    antwortete: Ich will tun, wie du gesagt hast.

    47:31 Da sagte Jakob: Leiste mir einen Eid! Er leistete ihm den Eid.
    Darauf neigte sich Israel über das Kopfende seines Bettes.

    48:1 Einige Zeit danach ließ Jakob Josef sagen: Dein Vater ist krank. Da
    nahm Josef seine beiden Söhne mit, Manasse und Efraim,

    48:2 und ließ Jakob melden: Dein Sohn Josef ist zu dir gekommen. Israel
    nahm sich zusammen und setzte sich im Bett auf.

    48:3 Dann sagte Jakob zu Josef: Gott, der Allmächtige, ist mir zu Lus in
    Kanaan erschienen und hat mich gesegnet.
    28,13f; 35,11f

    48:4 Er hat zu mir gesagt: Ich mache dich fruchtbar und vermehre dich,
    ich mache dich zu einer Schar von Völkern und gebe dieses Land
    deinen Nachkommen zu ewigem Besitz.

    48:5 Jetzt sollen deine beiden Söhne, die dir in Ägypten geboren wurden,
    bevor ich zu dir nach Ägypten kam, mir gehören. Efraim und Manasse
    sollen mir soviel gelten wie Ruben und Simeon.

    48:6 Die Nachkommen aber, die du erst nach ihnen gezeugt hast, sollen dir
    gehören; nach dem Namen ihrer Brüder soll man sie in ihrem Erbteil
    benennen.

    48:7 Als ich aus Paddan-Aram kam, starb mir unterwegs Rahel in Kanaan;
    nur noch ein kleines Stück war es bis Efrata. Ich begrub sie dort
    auf dem Weg nach Efrata, das jetzt Betlehem heißt.
    35,16-20

    48:8 Als Israel die Söhne Josefs sah, fragte er: Wer sind diese?

    48:9 Josef sagte zu seinem Vater: Meine Söhne sind es, die mir Gott hier
    geschenkt hat. Da sagte Israel: Bring sie her zu mir, ich will sie
    segnen.

    48:10 Israels Augen waren vor Alter schwer geworden, er konnte nicht mehr
    recht sehen. Er zog die Söhne Josefs an sich heran, küßte und
    umarmte sie.

    48:11 Dann sagte Israel zu Josef: Ich hatte nicht mehr geglaubt, dich
    jemals wiederzusehen. Nun aber hat mich Gott sogar noch deine
    Nachkommen sehen lassen.

    48:12 Josef holte sie von seinen Knien weg, und sie warfen sich mit ihrem
    Gesicht zur Erde nieder.

    48:13 Dann nahm Josef beide, Efraim an seine Rechte, zur Linken Israels,
    und Manasse an seine Linke, zur rechten Israels, und führte sie zu
    ihm hin.

    48:14 Israel streckte seine Rechte aus und legte sie Efraim auf den Kopf,
    obwohl er der jüngere war, seine Linke aber legte er Manasse auf den
    Kopf, wobei er seine Hände überkreuzte, obwohl Manasse der
    Erstgeborene war.

    48:15 Er segnete Josef und sprach: Gott, vor dem meine Väter Abraham und
    Isaak ihren Weg gegangen sind, Gott, der mein Hirt war mein Lebtag
    bis heute,

    48:16 der Engel, der mich erlöst hat von jeglichem Unheil, er segne die
    Knaben. Weiterleben soll mein Name durch sie, auch der Name meiner
    Väter Abraham und Isaak. Im Land sollen sie sich tummeln, zahlreich
    wie die Fische im Wasser.

    48:17 Als Josef sah, daß sein Vater seine Rechte Efraim auf den Kopf
    legte, gefiel ihm das nicht. Josef ergriff die Hand seines Vaters,
    um sie von Efraims Kopf auf den Kopf Manasses hinüberzuziehen,

    48:18 und er sagte zu seinem Vater: Nicht so, Vater, sondern der ist der
    Erstgeborene; leg deine Rechte ihm auf den Kopf!

    48:19 Aber sein Vater wollte nicht. Ich weiß, mein Sohn, ich weiß, sagte
    er, auch er wird zu einem Volk, auch er wird groß sein; aber sein
    jüngerer Bruder wird größer als er, und seine Nachkommen werden zu
    einer Fülle von Völkern.

    48:20 Er segnete sie an jenem Tag mit den Worten: Mit deinem Namen wird
    Israel segnen und sagen: Gott mache dich wie Efraim und Manasse.

    48:21 So setzte Israel Efraim vor Manasse, und er sagte zu Josef: Sieh,
    ich muß sterben. Gott wird mit euch sein und euch in das Land eurer
    Väter zurückbringen.

    48:22 Ich gebe dir einen Bergrücken schulterhoch über deinen Brüdern, den
    ich der Hand der Amoriter mit Schwert und Bogen entrissen habe.
    Wortspiel mit dem Ortsnamen Sichem, der ®Schulter¯ bedeutet und
    auch das Bergland bezeichnet, in dem die Stämme Efraim und Manasse
    ihr Siedlungsgebiet haben.

    Der Segen Jakobs: 49,1-27

    49:1 Darauf rief Jakob seine Söhne und sprach: Versammelt euch, dann sage
    ich euch an, was euch begegnet in künftigen Tagen.
    1-27: Man nennt diesen Text ®Jakob-Segen¯; er enthält aber nicht
    nur Segenssprüche, sondern auch Flüche und Feststellungen über
    einzelne Stämme. Der Wortlaut der Sprüche setzt bereits das Schicksa
    der Stämme voraus. Die Sprache dieses Textes in H ist sehr knapp und
    verwendet viele schwer verständliche Anspielungen.

    49:2 Kommt zusammen, ihr Söhne Jakobs, und hört, auf Israel hört, auf
    euren Vater!

    49:3 Ruben, mein Erster, du meine Stärke, meiner Zeugungskraft Erstling,
    übermütig an Stolz, übermütig an Kraft,
    (3-27) Dtn 33,6-25

    49:4 brodelnd wie Wasser. Der erste sollst du nicht bleiben. Du bestiegst
    ja das Bett deines Vaters; geschändet hast du damals mein Lager.
    35,22
    Der erste sollst du nicht bleiben: Er verliert das
    Erstgeburtsrecht. Andere Übersetzungsmöglichkeit: Den Übermut dämpfe
    (vgl. V. 3).

    49:5 Simeon und Levi, die Brüder, Werkzeuge der Gewalt sind ihre Messer.
    Die Messer sind vielleicht die Beschneidungsmesser, die die
    Sichemiten wehrlos gemacht haben, oder die Schwerter, mit denen die
    Ja